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Eckernförder Zeitung

24. März 2017 | 07:17 Uhr

Kinderstation : Der ignorierte Kreistagsbeschluss

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Lange Diskussion über die Kinderstation an der Imland-Klinik im Hauptausschuss: Der Kreistagsbeschluss von 2013 wurde nicht umgesetzt. 2000 Unterschriften für den Erhalt der Station.

Eckernförde | Es sind noch weitaus mehr Listen im Umlauf, aber die ersten 2000 Unterschriften für den Erhalt der Kinderstation in Eckernförde übergab Silke Jürgensen von der gleichnamigen Bürger-Initiative schon jetzt: Am Mittwochabend waren nämlich der Imland-Geschäftsführer Dr. Hans-Markus Johannsen und der Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Imland-Aufsichtsrats, Thorsten Schulz, zu Gast im Hauptausschuss, um über die Schließung der Station zum 1. November und das weitere Vorgehen zu informieren.

Dabei ging es zentral um den Beschluss des Kreistages vom 18. März 2013, in dem der Kreis Rendsburg-Eckernförde 2013 als alleiniger Gesellschafter seinen „grundsätzlichen Willen zum Erhalt der Kinder- und Geburtsstation der Imland-Klinik am Standort Eckernförde“ bekräftigt. Für Bürgermeister Jörg Sibbel lässt das keine Zweifel zu: „Es geht nicht um das Ob einer stationären Kinderbehandlung am Eckernförder Krankenhaus, sondern um das Wie.“ Der Beschluss sage aus, dass die Kinderstation zu erhalten sei. „Man kann ein Krankenhaus nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Aspekten führen. Die Kinderstation gehört zur Daseinsvorsorge.“

Als Grund für die Schließung der Kinderstation war Personalmangel angegeben worden, doch das warf Fragen auf. Immerhin hatte der Kreistag vor dreieinhalb Jahren beschlossen, dass die Geschäftsführung ein nachhaltiges Konzept zur dauerhaften Sicherung der Geburtsstation und zum bedarfsgerechten Betrieb der Kinderstation entwickeln solle. Wegen der Unsicherheit des Belegärztesystems sollte sie ein Alternativmodell entwickeln und aufzeigen, wie andere Kliniken den Erhalt der Grundversorgung in der Fläche sicherstellen.

„Dieses Konzept möchte ich gern sehen“, forderte Oliver Fink, Bürgerliches Mitglied (FDP) im Sozialausschuss. „Es kam nicht überraschend, dass die Belegärzte ihre Verträge kündigen.“ Ein Alternativmodell sei offensichtlich nicht entwickelt worden, die Menschen hätten bei Facebook über Fotos von Aushängen bei Kinderärzten von der Schließung erfahren. An Schulz als Kreistagsabgeordneten und Vertreter des Aufsichtsrats richtete er die Frage: „Haben Sie den Beschluss ernst genommen? Nehmen Sie uns ernst? Oder wollen Sie sich aus der Fläche zurückziehen und die Klinik nur noch als Wirtschaftsbetrieb führen?“

Imland-Geschäftsführer Johannsen schilderte die Situation: wie sich von vier Belegärzten vor einigen Jahren zwei zurückgezogen hatten, die von Ärzten aus dem Personalbestand der Imland-Klinik ersetzt wurden. Wie es schon seit 2008 schwierig gewesen sei, Dienste zu besetzen, und wie einzelne Mitarbeiter über 200 Überstunden angehäuft haben. Und schließlich auch, wie jetzt von den drei unterstützenden Ärzten einer gekündigt, ein anderer erkrankt und die dritte schwanger geworden ist. Die Besetzung der Stellen sei schwierig. „Wir haben mit dem Fachärztemangel zu kämpfen.“ Zudem warf er die Frage auf, wie man laut Beschluss „bedarfsgerecht“ definiere.

Mehrfach wurde von den Ausschussmitgliedern die Frage nach dem vom Kreistag geforderten Konzept gefragt, mehrfach gab es keine eindeutige Antwort. Johannsens Vorgänger habe ein Konzept zur kurzfristigen Sicherung der Entbindungsstaion vorgelegt, so Thorsten Schulz, ein langfristiges für das gesamte Klinikumfeld sei in Arbeit.

Schließlich kam heraus: So, wie es vom Kreistag gedacht war, dass sich die Geschäftsführung – damals noch Martin Wilde – umgehend an ein Konzept zur langfristigen Sicherung setzt, ist es nie gekommen. „Es gab auch keine Fristvorgabe“, sagte Schulze.

Als mögliches Alternativmodell für die Kinderstation nannte Imland-Geschäftsführer Johannsen eine Hauptstation, in die niedergelassene Ärzte als Honorarkräfte integriert werden. Der Kreis als Träger müsse dem zustimmen. Am 6. Dezember berät der Aufsichtsrat und gibt dem Kreistag eine Empfehlung. Über allem schwebt jedoch der Geist der Wirtschaftlichkeit. Doch wie es Bürgervorsteherin Karin Himstedt sagte: „Wenn man die schwarze Null nicht schafft, muss die Politik entscheiden, was ihr die Kinderversorgung wert ist.“

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erstellt am 25.Nov.2016 | 06:32 Uhr

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