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Klaus-Dieter Tüxen : Der Herr über 5876 plattdeutsche Bücher

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Autor und plattdeutsche „Verteller“ Klaus-Dieter Tüxen sammelt plattdeutsche Bücher.

Eckernförde | Die Wurzeln der plattdeutschen Sprache hat der gebürtige Borbyer Klaus Dieter Tüxen (72) ganz tief in seinem Inneren. Der Autor, Verteller und Rezitator redet, denkt und träumt in seiner Heimatsprache. Genannt wird er „Klås“, was nicht von ungefähr kommt: Der Name verdeutlicht die lange geschichtliche Verbundenheit zu Dänemark und der alten Schreibweise.

Als Junge verbrachte er oft die Ferien bei seiner Großmutter in Grummark bei Kappeln. Hier war er umgeben von Plattschnackern. Aber das Plattdeutsche sprachen nur die Erwachsenen, mit den Kindern wurde Hochdeutsch gesprochen, damit sie in der Schule mitkamen. Klaus-Dieter Tüxen entwickelte dennoch eine große Liebe zu der Sprache, die für ihn auch heute noch ehrlicher, direkter und herzlicher ist, als jede andere Sprache. „Selbst krasse Wörter kommen glimpflich davon“, sagt er.

Vor 25 Jahren kam der Durchbruch, er las für einen Kollegen zum 50. Geburtstag die Geschichte von „König Glubschoog“ vor. Die Begeisterung der Zuhörer war so groß, dass er seine Passion erkannte. Heute ist er ein beliebter Platt-Verteller, der bisher über 350 Lesungen, viele im caritativen Bereich, gehalten hat – so auf den Weihnachtslesungen der Plattdüütsch Gill Eckernför oder während der Plattdüütschen Kulturdaag unter dem Titel „Koomodig eten un drinken“ im Domkrug. Und im Landarzt-Café ist für viele Zuhörer seine Vorweihnachtslesung der Einstieg ins Weihnachtsfest.

Plattdeutsch ist für „Klås“ nicht nur etwas zum Smuustern (lachen), sondern kann auch sehr ernst sein. So wie seine Übersetzung aus dem Buch „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen. Darin beschreibt er die Schlacht von Eckernförde aus dänischer Sicht, dort zeigt die plattdeutsche Sprache ihre große Vielfalt, die der Rezitator mit seiner wohlklingende Stimme und deutlicher Aussprache gekonnt in Szene setzt.

Aus seiner Feder gibt es das Buch „Klås an de Küst geboorn“ und die Übersetzungen gewaltfreier Märchen „Sünnenstrahl un Dannenkinner“, sowie „Peterles Maanfahrt“. Sein liebster Platz ist die Bibliothek in seinem Haus in Windeby. Hier zwischen 5786 plattdeutschen Büchern fühlt er sich als „Böökerworm“ richtig wohl. Seine Bücher kennt er ganz genau: In seinem Computer hat er auf 65 Seiten jeweils 91 Bücher in einer Exel-Tabelle akribisch festgehalten. Egal welches Suchkriterium, ob nach Autor, Titel oder Erwerbsdatum – Tüxen findet sie. Kein Büchermarkt, kein Flohmarkt ist vor dem Platt-Liebhaber sicher.

Lesen ist sein wichtiges Lebenselexier, nicht verwunderlich, dass Tüxen jahrelang dem Mohland Verlag als Lektor zur Verfügung stand. Zur 700-Jahr-Feier der Stadt Eckernförde schrieb Anneline Moll in einer Expertise zu einem Beitrag im Eckernförder Lesebuch (ISBN 3-936120-10-2) in der EZ: „Der Borbyer Klaus-Dieter: Es gibt selten einen Autor, der so ein reines Plattdeutsch in Wort und Schrift, authentisch in unserem Kreis, servieren kann. Ein Leckerbissen…“

Spricht man „Klås“ auf sein Plattdeutsch an, grient er: „Mein Vater kam aus Angeln, in der Verwandtschaft meiner Mutter ist das Flensburger Petuh-Tanten-Platt noch bekannt, und ich bin durch und durch Borbyer.“ Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Motivation jüngerer Menschen, Platt zu reden: Als Lesepate und Jurymitglied hat er viele „Schölers lest Platt“-Aktionen unterstützt. Sein größtes Vorbild? „Rudolf Kinau. Sein freies Vortragen und seine Geschichten mitten aus dem Leben faszinierten mich schon immer. Und in Eckernför ist Udo Bielenberg einer der richtig guten Schriever vun plattdüütschen Vertellen.“

Die Sammelleidenschaft für „plattdüütsche Bööker“ ist noch lange nicht zu Ende. Unterstützt von Ehefrau Ingrid, wird Klaus-Dieter Tüxen auch weiterhin auf der Suche nach besonderen Exemplaren sein, mit denen er auf seinen Lesungen die Freunde der plattdeutschen Sprache erfreuen kann.

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