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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

Blühende Verbindungen : Das Warten wird zur Entdeckungsreise

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

15 Buswartehäuschen werden in Eckernförde für eine Woche zu kleinen Kreativ- und Kunsthaltestellen aufgewertet. Es sind Kita-Gruppen, Schulklassen, Vereine und Künstler aktiv.

Eckernförde | Jedes dritte Buswartehäuschen in Eckernförde ist zu einem Kunstwerk auf Zeit geworden. Noch bis Sonntag in einer Woche dürfen sich die Fahrgäste und Passanten an den kreativ hergerichteten Haltestellen erfreuen. Jede einzelne ist ein Unikat und trägt die Handschrift der jeweiligen „Macher“. Die Macher, das sind Schulklassen, Interessengruppen, Vereine, Kita-Gruppen und Künstler. Seit 2006 gestalten sie die Eckernförder Buswartehäuschen unter dem Motto „Blühende Verbindungen“, um damit ein Zeichen für etwas zu setzen oder Kritik an etwas zu üben und die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern. Schöpferinnen dieser von vielen Eckernfördern sehr geschätzten Aktion sind Petra Körner, die die Idee einst aus einem Urlaub auf den Färöer Inseln mit ins Ostseebad gebracht hatte, und Anke Häußler. Häußler, Künstlerin aus Gammelby, ist selbst mit dem Projekt „Gammüllby“ an der Haltestelle Riesebyer Straße vor dem Finanzamt vertreten, in dem sie mit anderen Aktivisten die Bürger wegen der geplanten, großen Mülldeponie in ihrem Heimatort aufrütteln will. Kommt die Großdeponie, wäre nicht nur das Gammelbyer Auental und das ganze Dorf, sondern auch Eckernförde als Touristenhochburg betroffen, warnt Anke Häußler vor den von den meisten Bürgern und Verantwortlichen noch nicht wahrgenommenen Folgen (siehe dazu auch „Wort zum Sonntag“).

Der Termin für die diesjährigen „Blühenden Verbindungen“ hat Häußler nicht zufällig gewählt – er korrespondiert mit dem 10. Internationalen Naturfilmfestival Green Screen, das vom 14. bis 18. September in Eckernförde stattfindet. Kerstin Borowski, Anja Ketelsen und Angelika Rau vom Green Screen-Helferteam haben sich die Haltestellen Steindamm vorgenommen und daraus ein kleines Festival-Wartehäuschen gemacht. Das Programm hängt dort zur Mitnahme aus, es werden Filmhinweise gegeben und vor allem das Hauptthema Naturschutz in den Blickpunkt gerückt. Und zwar mit Collagen, auf denen echter Seesand von „verdreckt bis natürlich-sauber sowie maritime Malereien und Fotos von Fischen, Seehunden und Seevögeln miteinander in Beziehung gebracht werden. Oben drüber hängt ein Netz mit allerlei Plastikmüll, der auf Dauer die Lebewesen im und am Meer killt und über die Nahrungskette auch die Mägen und Gesundheit der Menschen schädigt – eine tickende Zeitbombe, die nur zu entschärfen ist, wenn es gelingt, Plastikmüll zu reduzieren und die Unmengen an Plastik aus den Meeren herauszufiltern. Gekrönt wird das Green Screen-Wartehäuschen von einer interessanten und verblüffend vielseitigen Federstrecke vom Fasan bis zum Strauß, vom Mäusebussard bis zum Truthahn, die Kerstin Borowski zusammengetragen hat.

„Es ist toll, was die Leute hier zusammentragen“, sagt Simone Fricke, die auf ihren Bus nach Borby wartet. „Wir Erwachsenen müssen immer Vorbild für unsere Kinder sein und den Umweltschutz vorleben“, erklärt die vierfache Mutter. Selbst Bonbonpapier landet bei ihr immer im Rucksack und niemals auf der Straße.

In der Reeperbahn vor dem „Haus“ warten Uschi Lehmann und Hannelore Hartmann auf ihren Bus in den südlichen Stadtteil. Umringt sind die beiden Damen von alten Langspielplatten (Joan Armatrading, Spartacus oder Alan Parsons Projekt), Musikkassten (Tanztee 3), alten Filmplakaten mit Peter Alexander, Curd Jürgens oder Romy Schneider, Filmrollen, CDs und umhäkelten Gehstöcken. Ganz klar – dort haben die Bewohner aus dem Servicehaus und die jungen Nachbarn aus dem „Haus“ Hand ans Wartehäuschen gelegt. „Schön, Jung und Alt nebeneinander“, sagt Uschi Lehmann und Hannelore Hartmann hat das Kinoprogramm aus dem „Haus“ in der Hand – „ich glaube, ich werde dort ins Kino gehen“.

Es sind in diesem Jahr wegen rückläufiger Beteiligung zwar zehn Haltestellen weniger, aber Initiatorin Anke Häußler ist froh, dass auch die Stadteinfahrten an der B 76 und B 203 kreativ gestaltet werden konnten.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 06:32 Uhr

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