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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 23:11 Uhr

Interview : Das Volk hat nichts zu befürchten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eckernförde | Magister Wigbold, Ihr habt euch mit den Piraten das ganze Wochenende in Eckernförde herumgetrieben. Waren die Menschen besonders furchtsam?

Ich würde sagen, sie waren besonders mutig.

Wieso das?

Weil sie wissen, dass sie von uns nichts zu befürchten haben. Das ist schon seit Jahrhunderten bei den Piraten so: Dort, wo sie Unterschlupf bekommen, haben sie die Mitmenschen immer gut versorgt. Die Bevölkerung lebt nicht in Furcht und Schrecken, es sind eher die oberen Behörden. Der einzige, der unter uns leidet, ist – natürlich, natürlich – der Bürgermeister.

Was hat er denn so Schlimmes gemacht, wir finden, er ist gar nicht so schlecht als Bürgermeister.

Ist er auch nicht. Ich will mal sagen – sein Problem ist, dass er der Bürgermeister ist. Und unser Problem ist, dass wir ordentlich kapern müssen. Und wenn wir kapern, kapern wir den Schatz der Stadt Eckernförde.

Ist denn so viel zu holen, das Geld wird immer knapper?

Es wird immer knapper, aber man nimmt es jedes Jahr gerne mit.

Und was macht ihr mit dem Geld?

Wir kommen damit gut übers Jahr, will ich meinen.

Gibt es noch andere Städte, die ihr überfallt?

Natürlich, aber das werde ich hier natürlich nicht kundtun.

Ich habe von einem Aufstand junger Frauen gegen die alten Männer gehört ...

Wir hatten in diesem Jahr ein ernsthaftes Generationsproblem, aber das ist ja den Landratten auch bekannt. Die Alten meinen immer, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, und wenn was gut läuft, sagen sie, dass sie das waren, weil sie sind ja die Erfahrenen. Und die Jungen sagen, auch wir haben gute Ideen.

Und die Alten haben sich durchgesetzt?

Nein. Um diesen Konflikt ein für allemal auszumerzen, habe ich folgende List verwendet: Ich habe diesen Streit extra ein wenig hochgetrieben, bis die Kapitänstöchter gegen ihre Kapitänsväter kämpfen wollten. Und ich habe gewartet, bis es richtig hart wird, um ihnen dann zu zeigen, wie dumm sie eigentlich sind. Denn was zählt, ist die Gemeinschaft, nicht das Alter. Es zählt, was jeder mitbringt: der Mut und die Verwegenheit der Jugend und natürlich die Besonnenheit und die Erfahrung des Alters.

Magister, wie geht es weiter mit Ihnen und den Piraten? Wir werden sehen. Ich lasse es seit 656 Jahren auf mich zukommen. Ich bin immer wieder gespannt.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 06:14 Uhr

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