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Eckernförder Zeitung

17. Januar 2017 | 18:06 Uhr

Das sagenhafte Rungholt – Atlantis der Nordsee

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die legendäre Stadt ging in der großen Mandränke 1362 unter / Zahlreiche Spuren und Fundstücke im Watt

Immer, wenn ich auf dem Deich von Nordstrand spazieren gegangen bin, die vielen Schafe grasen sah, und aufs Meer hinaus geblickt habe, denke ich an die größte Naturkatastrophe, die die Nordseeküste je getroffen hat: der Untergang von Rungholt.

Im Dunst in der Ferne sah ich die Umrisse von Pellworm und stellte mir vor, dass dort die legendäre Mittelalterstadt gelegen hat, die 1362 in den Fluten der Nordsee versank. Oftmals kam es mir vor, als hörte ich die Kirchenglocken Sturm läuten, das Vieh in den Ställen vor Angst brüllen, und die Menschen verzweifelt und voller Panik auf die Dächer ihrer Häuser klettern, in der Hoffnung, dem Tod zu entgehen, und doch sterben mussten in der schäumenden Gischt.

Eine große Tragödie, die sich vor vielen Jahrhunderten zugetragen hat, in der großen „Mandränke“ 1362 in Nordfriesland. Außer Rungholt gingen auch noch kleinere Ortschaften in den Fluten unter. Übrig blieben von den reichen Utlanden nur die Inseln Nordstrand, Pellworm und die Hallig Südfall.

Viele Jahrhunderte hindurch galt der Untergang von Rungholt als Legende, man war sich nicht sicher, was war Wahrheit, was Phantasie?

Bis die Archäologen nach und nach die Wahrheit ans Tageslicht brachten. Mittlerweile gibt es ein Rungholtmuseum, in dem es als Höhepunkt demnächst eine menschliche Figur geben wird, rekonstruiert nach einem im Watt gefundenen Schädel, so dass wir uns vorstellen können, wie ein Rungholter möglicherweise ausgesehen hat.

Was war die Ursache für das große Unglück im Mittelalter? Die Wissenschaftler sind sich inzwischen ziemlich sicher: Die Sturmflut damals war ungewöhnlich stark, das Unwetter über der Nordsee hatte sich schon einen Tag vorher zusammengebraut und hatte an der englischen Ostküste ebenfalls eine Ortschaft überflutet und zerstört, bevor es mit voller Wucht auf die nordfriesische Küste traf.

Doch das war nicht der einzige Grund für den Untergang Rungholts. Im Wattenmeer wurden auch viele Brunnen gefunden, denn die Einwohner von Rungholt hatten Torfsalz abgebaut und so einen ziemlichen Raubbau an der Natur betrieben. So wurden sie sehr wohlhabend, haben aber gleichzeitig ihren eigenen Untergang mit verschuldet. In früherer Zeit hieß es, die Rungholter wären hochmütig und gottlos gewesen, und der Untergang ein sogenanntes Gottesgericht.

Die große „Mandränke“ und das traurige Ende von Rungholt ist in die Geschichte Schleswig-Holsteins eingegangen als Atlantis der Nordsee.


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erstellt am 17.Aug.2016 | 06:04 Uhr

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