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Outdoor College : Das Klassenzimmer in der Wildnis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Maike und Günther Hoffmann leiten im vierten Jahr das Outdoor College im norwegischen Sirdal

„Es ist jedes Mal wie, wenn man nach Hause kommt“, sagt die 17-Jährige Charly  Schiller aus Aachen bei ihrer Rückkehr nach Sirdal, den Ort, in dem sie von August 2014 bis Februar 2015 sieben Monate lang lebte und lernte.  Charley hatte die 8. Klasse hinter sich, um dann das erste Halbjahr der 9. Klasse im Outdoor College in dem norwegischen Ort Tonstad in der Kommune Sirdal zu absolvieren. Eine Kommune mit rund 1800 Einwohnern und 5000 Schafen.  Dort, in der naturbelassenen Landschaft, hatten die Winnemarker Pädagogen und Outdoor-Trainer, Maike und Günther Hoffmann, gerade erst das Outdoor College eröffnet, ein Naturschulprojekt. Erfahrungsberichte von Ex-Schülern gab es für die „Pionierin“ Charly Schiller daher nicht. „Ich hatte nur darüber gelesen, mehr wusste ich nicht“, erzählt sie.  Doch bei ihren Eltern stieß sie auf offene Ohren. Die Projektvorstellung der Hoffmanns habe sie überzeugt und so verabschiedeten sie  ihre Tochter im August 2014 in die Wildnis Süd-Norwegens.  Charly Schiller war damals eine von damals 23 Mädchen und Jungen zwischen 13 und 15 Jahren, die sich den natursportlichen Herausforderungen stellen, ihre Grenzen und den besonderen Lehrraum kennen lernen wollten.  „Eine einmalige Erfahrung“, sagt sie heute rückblickend. „Man ist im Nirgendwo, aber man  vermisst nichts“.

Mittlerweile geht das Outdoor College in die vierte Runde. Bis Ende März können sich Schüler für die Teilnahme bewerben und einen der jetzt knapp 30 Plätze zu ergattern. Das College öffnet wieder am 1. August 2017 und endet am 28. Februar 2018. 

„Das College bietet den Schülern für sieben Monate einen Raum, sich individuell weiter zu entwickeln und das Lernen einmal anders zu erleben“, sagt Günther Hoffmann. „Sie lernen mit Freiheit, Selbstständigkeit und Verantwortung umzugehen.“  Günther Hoffmann hat die Gebäude der früheren Dorfschule gekauft und das College nach seinem verstorbenen Vater, Dr. Rolf Hoffmann,  benannt. Günther Hoffmann kennt die Region. Seit fast 20 Jahren ist er eng mit dem Chef der dortigen Huskyfarm, Odd Kvinen, befreundet. Schon als Student hat er auf der Farm mit den Hunden gearbeitet.

 „Die Zusammenarbeit mit der norwegischen Kommune ist klasse, wir sind hier toll aufgenommen worden“, so Hoffmann. Die deutschen Schüler haben regelmäßig Kontakt mit Schülern aus dem norwegischen Linde in einem Jugendtreff, auch Praktika beim Bäcker, im Kindergarten oder Arztpraxis  gehören dazu.

 In dem College werden die Jugendlichen von vier Lehrern und fünf Outdoor-Trainern unterrichtet und betreut. Projektleiter ist Nis-Peter Simonsen. Jeder Tag beginnt morgens um 6 Uhr mit Frühsport, nach dem Frühstück geht’s in die Klasse. „Die Schüler sollen nichts vom deutschen Lehrplan verpassen“, sagt Maike Hoffmann, damit sie nach ihrer Rückkehr direkt in die zehnte Klasse einsteigen können. Dafür ist man vor Abfahrt in engem Kontakt mit den Lehrern, um das erforderliche Pensum festzulegen.  Natürlich steht auch Norwegisch auf dem Stundenplan. Alle drei Wochen stehen mehrtägige  Trekking- und Kanu-Touren auf dem Programm. Während ihres Aufenthalts im College lernen die Schüler, was sie für das Leben in der Natur benötigen – beispielsweise Feuer zu machen und sich zu orientieren – ohne Smartphone und Navi, denn das Telefonieren mit dem Handy wird stark reglementiert. Alle zwei Wochen, eine Stunde das muss reichen.  Auf ihren Touren lernen die Schüler, Lösungsstrategien zu entwickeln. In der Großküche wird das Essen zubereitet. Die Schüler wohnen in zwei Blocks, einer für die Mädchen, der andere für die Jungen, sie schlafen in Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern.

Viel Zeit verbringen die Schüler auf der Huskyfarm und den rund 40 Schlittenhunden. Dort betreuen die Schüler die Hunde, sie unterstützen also die sogenannten „Dog Handler“, bei der Pflege der Tiere und beim Training.  „Jeder baut dabei eine persönliche Beziehung zu den Tieren auf“, sagt Günther Hoffmann.

Markus Schiller und Alex Luther, dessen Tochter Lisa ebenso zu den Pionieren gehört, haben den Freundeskreis Internationaler Naturschulprojekte, kurz FIN, gegründet, dem viele Eltern und Schüler ehemaliger Jahrgänge angehören. Jedes Jahr im Sommer fahren sie nach Sirdal, um die Gebäude in Schuss zu halten, zu reparieren oder für Schulmaterial zu sorgen.

Bewerbungen für das College werden noch bis Ende März entgegengenommen. Vom 1. bis 6. Mai findet vorab eine Kennenlernwoche in Sundsacker statt. Maike und Günther Hoffmann leiten dort Event Nature. Dazu gehört auch ein Segeltörn auf der Schlei. „Es gibt Einzelgespräche mit den Schülern, ob sie auch wirklich wollen“, sagt Günther Hoffmann. Erst danach wird entschieden, wer mitkommt, in das Klassenzimmer in der Wildnis.

Achim Messerschmidt Weitere Infos zu der Bewerbung unter www.outdoor-college.de

 

 

 

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erstellt am 04.Mär.2017 | 06:26 Uhr

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