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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 18:30 Uhr

Sauber, sauber : Das eigene Klärwerk aus Schilf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Erlengrund gGmbH mit Kindergarten und Wohngruppe klärt ihr Abwasser künftig auf eigenem Grundstück selbst.

Eckernförde | Viel fehlt nicht mehr, und der Kindergarten im Erlengrund ist nicht nur Waldorf und öko, sondern auch autark. Nach der Installation einer Holzpelletsheizung und einer Solarthermieanlage in den vergangenen Jahren folgt nun das nächste Puzzleteil auf dem Weg zum ökologischenVorzeigeobjekt: Die Einrichtung hat jetzt auch ihr eigenes Schilfklärwerk.

2012 kaufte die Erlengrund gGmbH das ehemalige Kreiskinderheim im Erlengrund hinter der Imland-Klinik. Die Gesellschaft ist eine Tochter des Vereins zur Förderung der Waldorfpädagogik Eckernförde und dem Schulverein der Freien Waldorfschule Eckernförde. Sie hat das 3300 Quadratmeter umfassende Gebäude gekauft und renoviert und vermietet einen Teil an den Waldorfkindergarten sowie an die soziale Einrichtung „Familienhorizonte“ mit einer Wohngruppe für Jugendliche.

Doch wie es so ist mit einem Gebäude aus den 70er-Jahren: Nach über 40 Jahren kommt vieles an seine Grenzen: Vor zwei Jahren wurde die alte Ölheizung gegen eine Holzpelletsheizung eingetauscht und ein Jahr später durch eine Solarthermieanlage ergänzt. Jetzt gibt es ein neues Klärwerk. „Bislang haben wir unser Schmutzwasser in einer Grube gesammelt und wegen des ansteigenden Geländes mit Pumpen durch eine Leitung ins Schmutzwassernetz in der Schleswiger Straße befördert“, erklärt Erlengrund-Geschäftsführer Robert Kühn. „Doch die Anlage ist fast 50 Jahre alt, es müsste alles erneuert werden.“ Für Robert Kühn eine Rechenaufgabe. Etwa 20  000 Euro würde eine Rundum-Erneuerung kosten. Hinzu kämen die jährlichen Kosten in Höhe von rund 3500 Euro für das Einspeisen des Schmutzwassers in das öffentliche Netz sowie die Strom- und Wartungskosten. Da ist ein eigenes Schilfklärwerk für 25  000 Euro ohne höhere Folgekosten auf längere Sicht günstiger.

Mit dem Bau beauftragt wurde das „Ingenieurökologische Planungsbüro N.A.T.“ aus Eckernförde. Jetzt fließt das Schmutzwasser nicht mehr zur Schleswiger Straße, sondern wird in drei aufeinanderfolgende unterirdische Behälter geleitet, in denen sich die Feststoffe absetzen. Dieses vorgeklärte Wasser erreicht schließlich ein 125 Quadratmeter großes mit Kieseln und Sand versehenes Schilfbeet, in dem die biologische Reinigung erfolgt. „An den Wurzeln der Schilfpflanzen bilden sich Bakterienkolonien, die Nährstoffe wie Nitrat, Nitrit, Ammonium und Phosphor aufnehmen und abbauen“, erklärt Dr. Ulf-Henning Schauser vom N.A.T.-Planungsbüro. „Das geklärte Wasser hat Vorfluterqualität und kann über Gräben oder Regenwasserkanäle abgeleitet werden.“

Die Waldorfschule hat die Anlage auch gleich als Lehrstoff entdeckt, wie Holger Neumann, Geschäftsführer der Freien Waldorfschule Eckernförde, feststellt: „Die Schüler sollen im Rahmen eines Projektes für die Pflege und Wartung verantwortlich sein.“

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erstellt am 28.Okt.2016 | 06:12 Uhr

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