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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 03:01 Uhr

EZ-Interview : „Da wird überhaupt nicht recherchiert“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Adelsexperte Jürgen Worlitz zieht zum zweiten Mal nach Eckernförde und spricht über seinen Beruf, die „Lügenpresse“ und seine neue Heimat.

Eckernförde | Der Adelsexperte Jürgen Worlitz (67) ist von Bad Oldesloe nach Eckernförde an die Hafenspitze gezogen. Redakteur Arne Peters sprach mit dem Prominenten, der über Prominente schreibt.

Warum ziehen Sie nach Eckernförde?

Ich habe immer verwandtschafliche Beziehungen nach Eckernförde gehabt. Meine verstorbene Frau stammte aus Eckernförde, meine Schwiegermutter hat bis zu ihrem Tod hier gewohnt, und ich selbst habe hier 1977 als Lokalredakteur bei der Eckernförder Zeitung gearbeitet und in dem Hochhaus in der Rendsburger Straße gewohnt. Ich bin selbst Kieler und habe immer gesagt, dass ich mal wieder aufs Wasser gucken möchte. Also habe ich mich in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nach einer Wohnung umgesehen. Es ist nicht ein einziges vergleichbares Objekt wie das an der Hafenspitze überhaupt realisiert worden. Außerdem ist hier alles seniorengerecht. Ich kann ebenerdig mit Gehhilfe an den Strand und in die Innenstadt gehen, sollte ich mal auf die Hüfte fallen.

Wie haben Sie Eckernförde in Erinnerung?

Ich habe sie als sehr lebendige Stadt in Erinnerung, und das ist sie immer noch. Es hat sich sehr viel zum Guten getan. Ich stehe auch moderner oder anderer Architektur offen gegenüber. Ich kann nicht verstehen, dass man hier Unterschriften sammelt, nur weil jemandem in der Gaehtjestraße zwei Häuser zu hoch sind.

Wie wird man Adelsexperte?

Als Redakteur in Segeberg war ich mit für die Landesseiten zuständig. In einem Jahr waren verschiedene Staatsoberhäupter in Schleswig-Holstein, und ich war jedesmal auf den Terminen. Da habe ich den Chefredakteur von „Frau im Spiegel“ kennengelernt, der mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, dort zu arbeiten. Das habe ich dann gemacht und bin in ein Metier eingetaucht, das ich mir nie hätte vorstellen können.

Wieso nicht?

Weil da ja überhaupt nicht recherchiert wurde. Ich hatte gedacht, dass man in der Presseabteilung der Königshäuser anruft, aber die Geschichten wurden vom Bild her entwickelt. Das ist heute noch genauso. Man sieht sich die Bilder an und sagt: „Die guckt schief, also muss sie ja psychische Probleme haben.“ Die Frage dabei ist: Wer ist der Schuldige? Derjenige, der es schreibt, oder derjenige, der das Geschriebene konsumiert? Die Leser können nicht so dumm sein. Wenn da steht „Maxima und Willem-Alexander – Hurra, ein Baby!“, weiß man, dass das nicht stimmt. Die Frau ist 45 und hat schon drei Kinder. Und solche Geschichten kommen alle fünf Minuten wieder. Wenn der Ausdruck nicht politisch besetzt wäre, könnte man sagen, dass die Regenbogenpresse in vielen Bereichen eine Lügenpresse ist.

Gibt es denn keine Termine für Interviews?

Heute ja. Aber was die Regenbogenpresse braucht, sind Schlagzeilen und Dinge, die die Welt vom Hocker reißen. Die werde ich nicht kriegen, indem ich Georg-Friedrich von Preußen anrufe.

Man kennt sie aber auch als den Moderator großer royaler Ereignisse im Fernsehen, der seriöse Hintergrundinformationen gibt.

Bei den Bewegtbildern kann Charlene von Monaco aber auch mal traurig oder böse gucken, und dann werden spontan Vermutungen angestellt, dass sie Probleme hat. Das ist durchaus konstruiert.

War schon mal jemand böse auf Sie?

Nein. Die großen Prominenten lesen das nicht, und sie tun gut daran. In der Regel gehen sie auch nicht darauf ein, wenn man mal von Caroline von Monaco oder Ernst August von Hannover absieht.

Wie steht es um den deutschen Adel?

An deutschem Adel ist in der Yellow Press kaum noch jemand interessiert. Der einzig Bekannte ist Ernst August von Hannover, vielleicht noch „Schaumi“ von Schaumburg-Lippe.

Aber es gibt ja weltweit genug interessante Adelshäuser.

Ja, ich habe damals mit dem ZDF eine große Adelsserie mit Michael Steinbrecher gemacht. Wir sind mit Königin Sylvia durch Schweden gereist. Meine besten Kontakte waren zum thailändischen Königshaus. Heute kommen die bekanntesten Figuren aus Großbritannien. Die fallen unter Freiwild der Yellow Press. Nach dem Tod Dianas habe ich auch ein Buch über sie geschrieben.

Kennen Sie von der englischen Königsfamilie jemanden persönlich?

Nur die Randfiguren. Am interessantesten für uns war die Dienerschaft. Ich war sehr gut bekannt mit James Hewitt, dem Reitlehrer von Diana, hab viele Geschichten mit ihm gemacht und ihn auch dafür bezahlt. Ich habe aber auch die Hochzeit von Charles und Camilla für RTL begleitet.

Was machen Sie heute?

Nur noch, was mir Spaß macht. Ich schreibe für eine Zeitschrift regelmäßig Geschichten, die ich erlebt habe. Ansonsten verkaufe ich Fotos und gebe Statements fürs Fernsehen ab. Das Kurzsprechen für Kommentare habe ich bei RSH gelernt, wo ich von 1986 bis 1994 auf Sendung war. Ich halte auch noch Vorträge in Seniorenresidenzen und verwalte das Archiv von Helga Feddersen. Ich war gut mit ihrem Mann Olli Maier befreundet, der gerne Prinz werden wollte. Da habe ich ihm eine verarmte Prinzessin besorgt, die ihn gegen Geld adoptiert hat. Auch heute noch bekomme ich ab und zu Anfragen von Leuten, die ihren Namen adelig aufwerten wollen. Manchmal klappt es, und ich kenne jemanden aus erlauchten Kreisen, der heirats- oder adoptionswillig ist. Für mich ist das ein enormer Spaßfaktor. Zudem vermittle ich mit meinem jüngsten Sohn Highschool-Aufenthalte in Neuseeland.

Ist Ihnen schon einmal ein Fauxpas passiert?

Ja, ich habe einmal die Schwester einer Adligen gefragt, ob sie die Mutter ist. Die Reaktion war ein wenig konsterniert. Und bei der Königin von Rumänien habe ich mich neben ihr aufs Sofa gesetzt, das aus der Zeit Friedrich des Großen stammte. Entsprechend alt waren auch die Federn. Ich ließ mich also fallen und die Königin wurde einen halben Meter hoch katapultiert. Darüber konnten wir aber alle lachen.

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erstellt am 27.Aug.2016 | 06:07 Uhr

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