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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 00:14 Uhr

Chefvisite und ein Déjà-vu

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Natürlich wollten sie nur mal kurz die Chefin sprechen, selbstverständlich ohne arge Absichten, ein harmloser small talk eben. Dafür lohnt sich auch schon mal eine längere Anfahrt – ihr dunkler Kombi trug ein Lübecker Kennzeichen. Die drei jungen, breitschultrigen Männer, die gestern Mittag in einem Tattoo-Studio am Hafen aufkreuzten, werden der alarmierten Polizei wohl so etwas in der Art erzählt haben. Es spricht nach Schilderungen von Beobachtern allerdings kaum etwas dafür, dass es sich um einen Freundschaftsbesuch gehandelt hat. Es könnte – und in diese Richtung dürfte die Kripo auch ermitteln – um etwas ganz anderes gegangen sein. Möglicherweise um einen kleinen „Deal“ nach dem Motto „Zahlst Du, bleibt alles friedlich, zahlst Du nicht ...“. Man hat – dann und wann auch in Eckernförde –, von solchen Praktiken gehört, ohne allerdings Genaueres zu erfahren. Bestimmte Branchen sollen besonders im Fokus stehen.

Bisher war das Ostseebad ein relativ ruhiges Pflaster. Dass entsprechende Herrschaften jetzt mitten am Tag am belebten Hafen aufkreuzen und den Beteiligten vermitteln, dass ihr „Besuch“ nicht unbedingt ein fröhlicher Klönschnack zu werden verspricht, dürfte auch der Polizei zu denken geben und zu erhöhter Wachsamkeit veranlassen. Die aufgesuchten Geschäftsinhaber werden ihrer Arbeit in nächstes Zeit wohl mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen nachgehen.

Sie sollten weiter standhaft bleiben und nicht vor Einschüchterungsversuchen und Drohgebärden einknicken. Doch das ist womöglich leichter gesagt als getan.

Man sieht sich immer zweimal, heißt es. Das stimmt ziemlich oft. Manchmal ist ein echtes Déjà-vu dabei, wie jetzt bei der zweiten Auflage eines U-Boot-Museums im Eckernförder Hafen. Vor zwölf Jahren ist das von der CDU protegierte Projekt „Unterwassertechnologiezentrum“ mit einem von der Werft HDW für den symbolischen Preis von einem Euro zur Verfügung gestellte U-Boot U 21 als zentrale Einheit am breiten politischen Widerstand und Gegenwind aus Teilen der Bevölkerung gescheitert. In der Kritik standen der Standort Außenhafen, die Finanz- und Personalplanung sowie das Anliegen selbst, eine „Kriegswaffe“ – wie die Gegner gerne herausstellen –, in einem zivilen Hafen zur Schau zu stellen.

Noch warten die Fraktionen auf eine genaue Erläuterung der Museumspläne durch Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens, dann werden sie ihre Positionen sortieren. Die Kritiker von einst werden vermutlich auch zu Kritikern des aktuellen Projekts, das klang bei einer ersten Meinungsrunde an. Jetzt kommt es auf die Kraft der Argumente und die Kosten an, die der Stadt vermutlich verlässlich und weitgehend vom Hals gehalten werden müssen, um so ein Projekt stemmen zu können.

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erstellt am 15.Okt.2016 | 06:56 Uhr

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