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Eckernförder Zeitung

02. Dezember 2016 | 23:24 Uhr

Plattdeutsches Theater : Chaos in der Frauen-WG

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Überzeugende Vorstellungen „Vun Kaninken und annere Lüüd“ des Riesby Schlietheaters. Dreimal ausverkauft.

Rieseby | Das Riesby Schlietheater begeistert über die Region hinaus mit dem besonderen Mix aus besinnlichen und „vergnööglichen Vertellen“, Musikeinlagen und Theater nicht nur viele Stammgäste, sondern auch immer wieder neues Publikum.

Ausverkauft bei allen drei Vorstellungen, Premiere gelungen und auch am zweiten Abend, die die Musikgruppe Querfeldein begleitete, stellte sich schnell heraus, dass die Wahl des Programms, der Einsatz des Ensembles und das Theaterstück aus der Feder von Gunda Gey den richtigen Nerv und die Lachmuskeln des Publikum getroffen hatten. Dieses Mal schenkte Querfeldein den Zuhörern einen ganz besonderen Hörgenuss, von Hanne Jacobs übersetzt erklang das Lied: „Mien lütten gröönen Kaktus“ in plattdeutscher Version. Während Gunda Gey schon bei der Begrüßung die Lachnerven der Zuhörer mit ihren „Nabelschnurrphantomschmerz – dorför giff dat keen Plattdüütsche Översetten“, strapazierte, legte Christel Kock mit Vertellen, unter anderem, rund um die Diät nach. Die Feststellung: „Ik bünn nich to dick, ik bün man blots to hitt“ ging auf die Wärmelehre zurück. Ist doch klar, Hitze weitet, warum also sich mit Diät quälen.

Der ganz eigene Charme der plattdeutschen Sprache macht den Humor aus, den leicht hintersinnigen Gedanken nicht zu vergessen. Kein Halten gab es bei den Gästen zur „Supertalent Show“, schließlich ist aus jedem Menschen ein Supertalent hervorzuholen. Die Casting Show der etwas anderen Art brachte es ans Tageslicht. Aus dem Bauern wird ein Gesangstenor, ein Rocker wird zum Kinderstar, die gut gestylte Dame wird zur Reinigungskraft und vieles mehr.

„Eigentlich kann gar kein Höhepunkt mehr kommen, ich habe schon so herzhaft gelacht und trotzdem zeigt es das wahre Leben. Plattdeutsch ist so vielseitig“, freut sich Elisabeth Brunkert aus Rieseby.

Der Höhepunkt ist dann doch da, das Theaterstück „Vun Kaninken und annere Lüüd“, ein Einakter, den Gunda Gey selber geschrieben hat, gibt jedem Schauspieler die richtige Rolle. In der Frauen-WG von Rieke (Christel Kock) und Gesa (Angelika Klingelhöller) droht das Chaos. Rieke hat ein großes Herz und sorgt für das arme Flüchtingsmädchen Samira (Katharina Gey). Dabei nimmt sie die Eigentumsverhältnisse nicht so genau. Der eine hat zu viel, der andere zu wenig. Da müssen denn auch schon mal „de Strümp vun Naver sien Wäschelien“ daran glauben. Und wenn so ein „lütter Kaninkenbraden op’n Disch“ steht, muss nicht hinterfragt werden, wo der herkommt. Doch der boshaften Hauswirtin Elfriede Schütt (Gunda Gey) ist jedes Mittel Recht, die beiden Mieterinnen zu vertreiben. Sie will ihr Haus endlich verkaufen und lieber im Süden leben. So kommt Kalle (Hermann Hebekerl) gerade Recht. Sie stiftet den etwas tüffeligen Einbrecher an, zur Tat zu schreiten, damit beginnen zahlreiche Verwirrungen. Und dann kommt Chantalle (Sigrun Kramer), Kalles Schwester, die vor vielen Jahren nach Paris ausgewandert ist, als Übernachtungsgast. Mit ihrem französischen Akzent hat sie alle Lacher auf ihrer Seite. Mit dem Ausspruch „Je ne parle pas Platt“, war kein Halten mehr beim Publikum, immer wieder gab es Zwischenapplaus. Gesetzeshüter Gerd (Olaf Petersen) bekommt am Ende doch Klarheit und Ruhe in das Verwirrspiel. Ende gut alles gut.

Für die Besucher war es ein Abend voller Training für die Lachmuskeln. Tosenden Applaus gab es für das Ensemble und Toseggerin Martina Goos. Für Gunda Gey steht fest, der Weg, eigene Stücke zu schreiben, bietet die Möglichkeit, die Charaktere der einzelnen Rollen richtig zu belegen.

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