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NEUE SPEKULATIONEN : Carl Lambertz und der Schwertertanz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der ehemalige Jungmannschüler Christian Wagner erinnert sich an Carl Lambertz als Maler. Dieser arbeitete monatelang an Käte Lassens „Schwertertanz“.

Das Interesse an der Käte-Lassen-Ausstellung im Museum Eckernförde und dem Wandgemälde „Nordischer Schwertertanz“ in der Aula der Pestalozzischule ist weiterhin groß. 50 Besucher nahmen am Sonntag an der Führung durch die Ausstellung teil, die die Kuratorin Dr. Christina Kohla leitete. Viele von ihnen kamen im Anschluss in die Pestalozzischule, um sich das 40 Quadratmeter große Wandgemälde anzusehen, das junge nordische Männer mit gestählten Körpern zeigt, die an einem Strand mit „Schwertern“ – angespitzten Holzstöcken – einen kultischen Ritualtanz vollführen.

Am 28. Januar 1939 wurde das Gemälde in der neu gestalteten Aula der damaligen Jungmannschule in Anwesenheit der Künstlerin enthüllt und diente den Nazis als Hintergrund für ihren Rassenwahn. Unter anderem deshalb hatte es immer wieder Kritik an der Künstlerin gegeben, die in die Nähe der Nationalsozialisten gerückt wurde – tatsächlich hat sich Käte Lassen nie öffentlich zu der Nazi-Ideologie geäußert. Aber es wurde auch von anderer Seite Kritik geübt, nämlich von den Nazis selbst, denen die Bilder Käte Lassens nicht heroisch genug waren. Auch gefielen ihnen die groben Formen für die „feinsinnigen“ Mitglieder der „Herrenrasse“ nicht.

Neuen Nährboden für Spekulationen hat jetzt Christian Wagner bereitet: Der 87 Jahre alte Eckernförder hat das Bild seit über 70 Jahren nicht gesehen, kann sich aber an einige Besonderheiten erinnern. „Ich bin 1940 an der Jungmannschule eingeschult worden und kann mich erinnern, dass ungefähr im Jahr 1943 oder 1944 zwei Lehrer an dem Bild gearbeitet haben“, sagt er. „Carl Lambertz und ein Herr von Heekern waren Lehrer an der Schule und haben mehrere Monate von einem Gerüst aus das Gemälde großflächig bearbeitet.“ Daran erinnere er sich genau. „Sie waren Soldaten und dafür freigestellt worden. Bei Fliegeralarm mussten sie immer schnell zur Batterie Zack im Brennofenweg, um das Flakgeschütz zu bedienen.“

Was genau sie an dem Gemälde gemacht haben, weiß Christian Wagner nicht mehr, nur, dass er das Bild „viel heroischer“ in Erinnerung hat. „Das Gemälde wirkte nicht so statisch wie heute, es war mehr Leben drin.“ Auch seien die Pferde im Hintergrund unterschiedlich ausgerichtet gewesen.

Dass das Gemälde von Käte Lassen stammt, steht fest. „Aber es ist bekannt, dass es durchaus Kritik daran gegeben hat“, sagt Christina Kohla. „Die Hände waren einigen Betrachtern zu groß, andere störten sich an der Nacktheit, und viele Schüler sollen sich darüber amüsiert haben, wie die Männer die Schwerter halten.“ Als Gedankenspiel nennt die Kuratorin die Möglichkeit, dass Carl Lambertz das Gemälde eventuell abändern sollte oder sogar – wenn er mit seinem Kollegen monatelang daran gearbeitet hat – großflächig übermalt hat. „Das würde auch erklären, warum das Bild von Käte Lassen so gut erhalten ist.“ Schließlich wurde es nach 1945 übertüncht und später tapeziert. Beim Ablösen der Tapete und Freilegen des Bildes im Jahr 1989 könnte das darüberliegende Lambertz-Bild mit abgelöst worden sein und so das Lassen-Original geschützt haben. Aber das ist Spekulation. „Vielleicht gab es auch ganz einfach einen Wasserschaden, der das Gemälde beschädigt hat, und Carl Lambertz hat es restauriert“, so Christina Kohla.

Marliese Egge dagegen kann sich kaum vorstellen, dass Carl Lambertz tatsächlich an dem Bild gearbeitet hat. Die Eckernförderin hat 1938 ihr Abitur abgelegt und nach Kriegsende an der damaligen Jungmannschule als Lehrerin gearbeitet. „Carl Lambertz hat ganz anders gemalt als Käte Lassen.“ Allerdings kann auch sie nicht hundertprozentig Aufschluss geben, denn in der besagten Zeit war sie nicht an der Schule.

Umso mehr bittet Dr. Christina Kohla Zeitzeugen, sich im Museum zu melden. Besonders der neue Aspekt der Arbeit Carl Lambertz’ an dem Bild interessiert sie.

> Museum Eckernförde, Rathausmarkt 8, Tel. 04351/71  25  47.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 06:35 Uhr

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