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Kreis will neu ausschreiben : Busverkehr als Millionen-Geschäft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die europaweite Ausschreibung des Überlandverkehrs im Kreisgebiet steht bevor. Das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag.

Wenn der Bus kommt, sehen die Fahrgäste an der Haltestelle rot. In dieser auffälligen Farbe sind die Fahrzeuge der Firma Autokraft lackiert, und die übernimmt schon seit Mitte der 1990er-Jahre den Überlandverkehr im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Ob das so bleibt, ist offen. Denn der Betrieb des Netzes muss neu ausgeschrieben werden. Die Verwaltung steckt bereits mitten in den Vorbereitungen für das europaweite Verfahren. Am Ende könnte ein ganz anderes Bus-Unternehmen den Millionen-Auftrag übernehmen. Das hat die Erfahrung aus der Ausschreibung des Stadtverkehrs Rendsburg im vergangenen Jahr gezeigt.

Es geht um ein riesiges Gebiet und um hohe Summen: Knapp 80 Linien umfasst der Überlandverkehr im Kreis, inklusive einiger Verbindungen über die Grenzen hinaus. Deshalb tauchen Kiel, Neumünster und Itzehoe ebenso in der langen Netz-Liste auf wie Rendsburg, Eckernförde, Nortorf, Breiholz und Gettorf sowie unzählige weitere kleine Orte. Dem im Dezember 2016 vorgelegten Bericht der Kreisverwaltung zufolge legten die Busse der Autokraft und einiger Sub-Unternehmen im Jahr 2015 insgesamt 5,8 Millionen Kilometer zurück. Das entspricht in etwa 145 Erdumrundungen auf dem Äquator. Den öffentlichen Personennahverkehr lässt sich der Kreis einiges kosten: 2015 erhielten die Bus-Firmen mehr als 7,4 Millionen Euro. In dieser Summe sind allerdings noch die Stadtverkehre Rendsburg und Eckernförde berücksichtigt, die nicht zum Überlandverkehr gehören. Gut 4,7 Millionen Euro davon kamen als Kommunalisierungsmittel vom Land. Dass die Schülerbeförderung den Löwenanteil der Busfahrten im Kreis ausmacht, lässt sich bereits daran erkennen, dass dafür 4,4 von den 7,4 Millionen Euro zu Buche schlugen. Laut Volker Breuer vom Fachdienst Regionalentwicklung beim Kreis gibt es Linien, die zu 90 Prozent aus Schülerverkehren bestehen.

Wegen der enormen Kilometerleistungen sei die Verwaltung verpflichtet, den Überlandverkehr europaweit auszuschreiben, erklärt Breuer. Ein zwischenzeitlich in Kraft getretenes Gesetz erfordere das Prozedere im Zehn-Jahres-Turnus. Bislang war der Fachbereich davon ausgegangen, dass das Gebiet aufgegliedert werden kann, um nacheinander in vier Losen auszuschreiben (wir berichteten). Doch davon seien die Planer inzwischen nicht mehr überzeugt. „Da die Buslinien stark vernetzt sind und auch über die Kreisgrenzen hinausgehen, ist die wettbewerbliche Vergabe als Gesamtpaket sinnvoller“, sagt Volker Breuer. Als Voraussetzung für die Ausschreibung sollen Experten in einem Gutachten klären, welche Leistungen von den Unternehmen gefordert werden können. Denn seitdem das Streckennetz vor mehr als 20 Jahren aufgelegt wurde, hat sich einiges geändert. Allein die Schullandschaft habe einen enormen Umbruch hinter sich, so Breuer. Auch neue Haltepunkte auf der Bahnstrecke zwischen Rendsburg und Kiel sind hinzugekommen. Zudem habe sich die Einwohnerzahl vieler Orte durch die Ausweisung von Baugebieten gewandelt. Wie sich die Linien ändern, lasse sich noch längst nicht sagen, erklärt Breuer. Das Gutachten soll noch in diesem Frühjahr in Auftrag gegeben werden, Ergebnisse sind in einem Jahr zu erwarten. Ausgeschrieben wird im vierten Quartal 2019. Dann können alle interessierten Unternehmen Angebote abgeben, wobei das wirtschaftlichste den Zuschlag erhält, den Überlandverkehr ab Januar 2021 zu übernehmen. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor der Verwaltung und den Kreistagspolitikern. Sie müssen sich zunächst darauf einigen, was der neue Betreiber leisten soll. Über den gesamten Prozess hinweg werden zudem Elternvertreter und Schulträger beteiligt.

Dass mit der Neuvergabe ein ähnlich hohes Einsparpotenzial wie beim Stadtverkehr Rendsburg zu erwarten ist, glaubt Volker Breuer nicht. Der Betrieb, der zu Jahresbeginn von der heimischen Firma T.H. Sievers auf den Konzern Transdev übergegangen ist, kostet den Kreis nun rund eine Million Euro weniger. „Es geht nicht darum, Kosten zu sparen“, sagt Breuer.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 06:31 Uhr

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