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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 22:28 Uhr

ZUM ABSCHIED EINE EIGENE TAGUNG : Bunte Welt auch im Museum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zu Ehren für den langjährigen Museumsleiter Dr. Uwe Beitz veranstaltete der Museumsverein am Montag eine Tagung. Sieben Referenten waren zu Gast.

Statt eines riesigen Blumenstraußes gab es zum Abschied eine Tagung an seiner alten Wirkungsstätte. „Das Bössenroth-Kompetenzzentrum Eckernförde“ – keine geringeren Worte für die Arbeit von Dr. Uwe Beitz fand Stefan Tischler gestern während der Tagung „Museum im Wandel“, die der Museumsverein als Dank und Anerkennung für den langjährigen Museumsleiter gestern veranstaltet hat. Der Assessor aus München, selbst in Besitz einiger Bilder des Malers Gottlieb Albert Carl Bössenroth (1863 - 1935), war einer von sieben Referenten, die der Einladung des Vorsitzenden des Museumsvereins, Dr. Stefan Deiters, gefolgt waren. In seiner Zeit als Museumsleiter war Bössenroth eines der Lieblingsthemen von Dr. Beitz. Er habe bewiesen, „zu welchen Höchstleistungen ein kleines städtisches Museum in der Lage ist, wenn Einfallsreichtum, Engagement, fachliche Begeisterung und zähes Verhandlungsgeschick auf Fachkompetenz und souveräne Gelassenheit treffen“, sagte der Wirtschaftsjurist und Sammler aus Bayern.

In seiner Begrüßung dankte Dr. Stefan Deiters seinem Vorgänger und jetzigem Ehrenvorsitzenden des Vereins für seine Verdienste um das Museum, betonte aber, dass die Tagung „kein Dr. Beitz-Gedächtnis-Tag“ sein solle. Vielmehr wolle man in die Zukunft schauen und der Frage nachgehen, „Was ist für so ein Haus realisierbar und darstellbar?“

In die Zukunft richtete auch der Beschenkte seine Gedanken. „Ich hoffe, dass die sehr interessanten Vorträge auch dazu beitragen können, die Zukunftsaufgaben vor allem kleinerer Museen den Verantwortlichen bei Trägern und Förderern bewusst zu machen“, so Dr. Beitz. Einen deutliches Signal sandte er an die Stadt: „Hierbei muss die Politik, die über das Wohl und Weh eines Museums entscheidet, nicht nur wollen und fordern, sie muss auch bereit sein, den finanziellen Rahmen für die Umsetzung von Ideen und Konzepten zu schaffen.“

Denkanstöße und Anregungen für ihre Arbeit erhoffte sich auch Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske, die ihre wesentliche Aufgabe zunächst in der Fertigstellung der Museumszertifizierung (Museums-TÜV) und in der Umsetzung des 2014 erarbeiteten Museumskonzepts sieht. Ein wesentlicher Anteil komme dabei dem Bereich Bildung und Vermittlung, der Museumspädagogik zu, einem Aspekt, dem sich Karin Ruhmöller in ihrem Beitrag „Von Pokémon bis Rollator – alte und neue Herausforderungen für die Museumspädagogik“ widmete. „Die Welt ist bunt, die Zielgruppen sind bunt, und das muss sich im Museum widerspiegeln“, so die Referentin für Museumspägdagogik, Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg und Beirätin des Regionalverbandes in Neumünster.

Der Dialog zwischen Besucher und Objekt sei einer der Schwerpunkte in der Vermittlungsarbeit der Museen, so Ruhmöller. Inhalte müssten so veranschaulicht werden, dass der Besucher damit etwas anfangen könne – egal welcher Altersgruppe oder welcher sozialer Herkunft. Zielorientierte Angebote müssten unterschiedliche mediale Vermittlungsformen nutzen, die auch die Verschiedenartigkeit von Lerntypen berücksichtigten. „Mein Vater war Bäcker. Die Texte in den Museen waren viel zu wissenschaftlich. Mein Vater konnte damit nicht viel anfangen“, machte Ruhmöller deutlich. Sei ein Besucher erst einmal frustriert, komme dieser nicht so schnell wieder.

Hier ist die Museumspädagogik ist gefordert, bereits bei der Konzepierung von Ausstellungen „von Anfang an an den Besucher und seine Bedürfnisse zu denken“, sagte die Referentin. Dieser partizipative Ansatz sei in England und Frankreich bereits weit verbreitet.

Mithilfe eines Beispiels aus dem Neumünsteraner Tuchmuseum machte sie deutlich, wie man den Menschen den Zugang zum Museum erleichtern könne. „Wir forderten die Leute auf, Schürzen zu uns zu bringen, versehen mit einer kleinen Geschichte. Wir erhielten Schürzen, verbunden mit einigen sehr persönlichen Erlebnissen. Da versprach eine erwachseneTochter ihrer Mutter am Totenbett, für sie die angefangene Schürze zu Ende zu besticken – und diese Schürze stellte sie uns für die Ausstellung zur Verfügung.“ Diese Ausstellung habe sehr viele Besucher ins Museum gezogen, die ansonsten den Weg dorthin nicht gefunden hätten. Museum sei eben viel mehr als eine reine wissenschaftliche Präsentation der Exponate. „Ich kann mich in dem Museum wiederfinden – dieser Ansatz ermöglicht neue Zielgruppen“, sagte Karin Ruhmöller. Deshalb forderte sie Barrierefreiheit, in physischer, intellektueller und spiritueller Hinsicht. „Denn wir machen eine Ausstellung nicht für die Wissenschaftler, sondern für Besucher, der vom Thema nicht viel weiß, sich aber ernst genommen fühlen muss“, bekräftigte Ruhmöller ihren Ansatz, der von der Runde im Bürgersaal des Museums äußerst positiv aufgenommen wurde. Dass auch Erwachsene im Museum „Hands-on-Stationen“ (zum Anfassen) brauchen, sagte Dr. Dietrich Bieber, Oberkustos a.D. an den Landesmuseen Schloss Gottorf und erster Chef von Dr. Uwe Beitz. Er verriet, dass er seinerzeit in einem Berliner Museum in einem unbewachten Moment Rembrandts Gemälde „Der Mann mit dem Goldhelm“ (wird nicht mehr Rembrandt zugeschrieben) unbedingt berühren musste, „der Goldhelm – ein Erlebnis“, so Dr. Bieber.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 05:50 Uhr

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