zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 11:23 Uhr

Wildunfälle : Brunftzeit ist Zeit der Wildunfälle

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Oktober ist das Damwild unterwegs, auf der Suche nach einem Paarungspartner – und sorgt damit vermehrt für Zusammenstöße mit Fahrzeugen.

Loose | „Dieses Jahr sind es schon neun: Fünf Rehe und vier Damwild.“ Jürgen Sohrt blickt traurig auf die Fotos vergangener Wildunfälle. „Schweine hatten wir bisher noch nicht“, sagt er. Der Jagdpächter, dessen Revier mit 330 Hektar die B 203 im Gebiet Loose umschließt, rechnet damit, dass am Ende des Jahres sogar mehr Zusammenstöße zwischen Autos und Wild in der Statistik stehen werden als im vergangenen Jahr mit seinen 13 gemeldeten Unfällen – würden kleinere Tiere wie Füchse oder Marder mitgezählt, lägen die Zahlen noch deutlich höher. Für Südschwansen im Ganzen ließe sich dazu noch nichts sagen, so Holger Andersch, Hegeringleiter der Region. Bisher seien die Zahlen eher geringer ausgefallen als im Vorjahr. Doch die Hauptunfallzeit beginne gerade erst.

Denn besonders jetzt im Oktober, zur Brunftzeit des Damwilds, ist die Gefahr groß. In der Erntezeit werden die Tiere zusätzlich durch die landwirtschaftlichen Maschinen aufgeschreckt und kreuzen die Straßen, um sich neue Rückzugsorte zu suchen. „Dass soviel Fallwild anfällt, damit müssen wir leider leben“, urteilt Sohrt. „Auch wir als Jäger können wenig ändern. Wir bekommen Abschuss-Vorgaben vom Kreis.“ Ohnehin sei nicht die Anzahl des Wilds das Problem. Vielmehr habe der Verkehr über die Jahre immer mehr zugenommen. „Wo soll das Wild denn noch hin?“

„Wir haben schon alles Mögliche versucht, um die Unfallzahlen zu reduzieren“, sagt der Jäger. So dienen die blauen Reflektoren, die man an den Leitpfosten entlang vieler Strecken sehen kann, nicht der Orientierung der Autofahrer, sondern, um Wild abzuschrecken. „Aber auch an das blaue Licht hat sich das Wild mit der Zeit gewöhnt“, so Sohrt. Tagsüber funktionieren die Reflektoren ohnehin nicht, weil das Sonnenlicht heller strahlt. „Die Reflektoren haben schon etwas gebracht“, sagt dagegen Andersch, räumt aber ein, dass sich die tatsächliche Wirksamkeit nur schwer überprüfen lasse.

Der Zaun, der vor einigen Jahren entlang der Bundesstraße zwischen Vogelsang-Grünholz und Dörphof errichtet wurde, habe zwar die Wildunfälle reduziert, so Sohrt – aber eben nur für diesen Abschnitt. Die Tiere, die am Zaun nicht weiterkämen, würden die Straße nun an anderer Stelle zu überqueren versuchen. „Das Wild sucht immer seinen angestammten Wechsel“, erklärt Sohrt.

Dabei gebe es durchaus erfolgreiche Pilotprojekte. Am Rastorfer Kreuz zwischen Kiel und Plön stehen Sensoren, die erkennen, wenn sich Wild der Straße nähert, und umgehend blinkende Warnschilder für die Autofahrer aktivieren. Im Kreis Segeberg führt seit 2008 eine Brücke speziell für Wild über die A 21 bei Negernbötel. 2013 wurde, ebenfalls an der A 21, ein Wildtunnel gebaut, 52 Meter lang und 37 Meter breit. „Das funktioniert alles sehr gut“, sagt Sohrt. Die Kosten für die Brücke: 2,5 Millionen Euro. Die für den Tunnel: 3,2 Millionen Euro. Zu teuer, um überall umgesetzt zu werden. „Ich sehe keine Lösung“, sagt Jagdpächter Sohrt resignierend. Auch Hegeringleiter Andersch glaubt nicht, dass sich das Problem der Wildunfälle vollkommen beheben lässt. Und so werden die Jäger wohl auch in den nächsten Jahren ihre traurigen Zahlen präsentieren müssen.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Okt.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen