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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 15:15 Uhr

Bizarre Lebensgeschichte des Frauenmörders Fritz Honka

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heinz Strunk stellt seinen Serienmörder-Roman „Der goldene Handschuh“ in der Stadthalle vor

Rot war der Hintergrund der Lesebühne. Rot war auch das Tischtuch des Lesepultes, von dem der Musiker, Schauspieler und Schriftsteller Heinz Strunks alias Mathias Halfpape am Donnerstagabend aus las. Und Rot war auch das viele Blut, das in Strunks jüngsten Roman „Der goldene Handschuh“, aus den vielen Frauenkörpern, die dem Romanprotagonisten Fritz „Fiete“ Honka, zum Opfer fallen, nur so zu sprudeln scheint. Das zahlreiche zur letzten Lesung Strunks in diesem Jahr erschienene Publikum war gut auf den Abend vorbereitet. Beinah jeder zweite Zuhörer hatte sein eigenes Exemplar des Romans zur anschließenden Signierung mitgebracht, der im Hamburger Kiezmilieu der 1970er Jahre angesiedelt ist.

Anders als in Strunks sieben vorhergegangenen literarischen Werken greift Strunk in seinem jüngsten Roman inhaltlich nicht auf autobiografisches Material zurück, sondern bedient sich als Sujetgrundlage einem einst medial Aufsehen erregenden Kriminalfall des Hamburger Serienmörders Fritz Honka (1935-1998). Honka, dessen Lebenslauf aus Strunks Sicht zutiefst traurig und deprimiert interpretiert wird, lebte ein Leben im Rotlicht St. Paulis, das eher einem Dahinvegetieren glich. Armut, Mangel an Bildung und menschlicher Zuneigung sowie Exzesse prägten sein Leben, ob diese nun sexuell-abnormer oder alkoholischer Natur waren. Es gipfelte in vier grausamen Morden an vier Frauen im mittleren Alter aus dem Trinkermilieu der Reeperbahn.

Durch 18 dicht gefüllte Prozessordner hat sich Strunk bei seiner Recherche für seinen Roman wühlen müssen. Zuzüglich „ermittelte“ er an den Originalschauplätzen des Verbrechens, in der Hamburger Kiez Kult-Kneipe „Zum goldenen Handschuh“ und am vermeindlich idyllischen literarischen Anti-Topos der Handlung, dem Milieu wohlhabender und traditionsbewusster Hamburger Reedereifamilien in Blankenese. Diese etwas zu gewollt gewählte Gegenwelt, so Strunk, hatte er in seine Interpretation des Kriminalfalles Honka eingebaut, um aufzuzeigen, dass „das Elend auch in anderen Ständen haust.“ Schelmisch schmunzelnd gab Strunk zu Protokoll, dass er selbst circa 150 Stunden im „Goldenen Handschuh“ verbracht habe, um als Schriftsteller garantieren zu können, dass sich „der Roman auch sprachlich in dem Milieu aufhält, in dem er spielt.“

Und Strunk wäre nicht Strunk hätte er dieses skurrile und sonderbare Milieu, das seine Fans schon aus seinen Performances rund um die Telefonstreiche mit „Studio Braun“ in Ansätzen kennen, nicht auch während der Lesung zum Leben erweckt. Mit verstellten Stimmen lies er den Protagonisten „Fiete“ mit einer seiner Eroberungen aus dem Goldenen Handschuh, „Säberalma“ Gerda, über ihren Schmiersuff und Raumspray streiten, den Hafenrundfahrtsbespaßer „Kudddel“ klischeehaft mit Finkenwerder-Mütze und seinen Flachwitzen Hamburger Coleur ordentlich Eindruck bei Honka schinden oder das Stammpersonal im legendären „Goldenen Handschuh“ Lebensweisheiten und Gedankengänge zum Besten zu geben. Er beschloss die Lesung – typisch Strunk – mit einer Moritat-ähnlichen Solovariation über Adamos Schlagerhit „Es geht eine Träne auf Reisen“ live auf seiner Querflöte.


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