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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Biologische Gartenvielfalt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie ein Garten zu einem Refugium für die Natur und die Erholung werden kann

Meine Tochter Holle und ihr Lebensgefährte Jens Kordes haben mich anlässlich eines Besuchs mit der Neugestaltung ihres Gartens überrascht. Sie haben sich mit viel Fleiß und Wissen den Garten zur Lebensanschauung gemacht: Hinausgehen und immer etwas zu essen haben, das Auge und die Seele erfreuen, einfach Ruhe nach der Arbeit oder was zum Naschen finden. Von der Vielfalt her wusste ich gar nicht, worüber ich mehr staunen sollte: Über den sinnvollen Gartenaufbau oder das Vereinen von Nutzen und Freude.

Darüber hinaus wird so ein biologischer Garten neue Tierarten anlocken – Schmetterlinge, Käfer, Insekten, Frösche und viele Singvögel. Diesem Zweck dient insbesondere das große Insektenhotel, das gleichzeitig ein Blickfang für den Garten ist. Der Standort und die Anzahl der Insekten sind so wichtig für das Leben in der Natur. Ein kleiner Seerosenteich, umrahmt von blühenden Pflanzen, ist das Auge des Gartens, wenn sich das Blau des Himmels darin spiegelt. In der „Kräuterschnecke“ nennen kleine, selbst gefertigte Schildchen die Namen der Kräuter. Einige sind mir geläufig wie Petersilie, Schnittlauch, Majoran, Salbei, Estragon, Liebstöckel, Kümmel, Bärlauch und Rosmarin, aber Baldrian, Oregano, Curry- und Barbarakraut, verschiedene Kresse-Arten, Wasabi und Ysop, Salzmelde oder Lakritz-Kalmus waren mir bisher weniger bekannt. In einem besonderen Wildhochbeet wächst neben Beifuß die Knoblauchrauke, Gundermann und Schabziegerklee, der den Quark oder das Brot würzt. Die Beete werden noch durch ein „Teebeet“ ergänzt. Ingwer, Minze, Fenchel, Kamille, Anis und Melisse sind ja allgemein bekannt, aber wer erkennt auf Anhieb Süßdolde, Colakraut, Schokominze und Wermut?

„Man sieht nur das, was man kennt!“ Wie wichtig kann für das Glück eines Menschen der Einklang mit der Natur sein? Wo kann der Städter Wachsen, Werden, Frucht und Vergehen unmittelbarer als in seinem Garten erleben? Je größer die Vielfalt, desto stärker das Erlebnis. Das Gemüsehochbeet in ihrem Garten verspricht eine gute und gesunde Ernte von Möhren, Mairübchen, Pastinaken und Wasabi-Rucola. Selbstverständlich finde ich neben Beerensträuchern auch alle gängigen Gemüsearten im Anbau.

Spannend finde ich den Versuch, Weinstöcke in unserer Gegend zu ziehen. Zwar ist die Sorte Bleu-Muskat gerade gut angewachsen, aber wird sie auch tragen?

Der Anbau von Spalierobst wie Feige, Knorpelkirsche, Mirabelle und Goji-Beere ist in unseren Breiten etwas Besonderes. Dagegen hat sich die Apfelsorte Roter Boskop längst bewährt.

Einen Clou im Garten bildet die Zucht verschiedener Speisepilze. Da gibt es die Braunkappe, die im Geschmack dem Steinpilz ähnelt. Der Austernpilz und der Kräuterseitling gehören zur Familie der Seitlinge (Pleurotus), die als gute, mild schmeckende Speisepilze gelten. Während der Letztgenannte in der Natur hier nur selten vorkommt, ist der Austernpilz weit verbreitet. Wichtig und interessant ist die Zubereitung des Bodens, auf dem die Pilze wachsen sollen. Die Braunkappe bezieht ihre Nahrung über einen Strohballen, der mit der Erde verbunden sein muss. Dagegen bevorzugt der Austernpilz Buchen- oder Pappelstämme als Nährboden. Beim Parasolpilz, besser als Riesenschirmling bekannt, wird Waldboden und Wiese mit dem sogenannten Myzel „geimpft“. Shiitake lässt sich auch hier auf Birkenstämmen züchten. Man braucht dazu nicht erst nach China zu reisen.

Natürlich darf im Garten ein angemessenes Ruheplätzchen oder Grill- und Lagerfeuerstelle nicht fehlen. Umgeben von einem Kirschlorbeerbogen und einer Feldsteinkante wird der Garten zum Ort der Erholung nach getaner Arbeit. Eines gilt für alles: „Ohne Fleiß, kein Preis!“

Ich wünsche den beiden allzeit eine reiche Ernte als Lohn für ihre Idee.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 06:02 Uhr

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