zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 00:11 Uhr

Göthebyer Landwirt in Not : Biogas kostet Biobauern die Existenz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Biolandwirt Paul Nennecke steht vor dem Aus. Bei den Verhandlungen über die neuen Pachtpreise konnte der 57-Jährige nicht mithalten.

Götheby | Paul Nennecke fühlt sich als „König ohne Land“. Der Biolandwirt aus Götheby sieht sich in seiner Existenz bedroht. Das idyllische Gefüge von Landwirtschaft, Reitschule und Bioladen wird es in dieser Form bald nicht mehr geben. Schon im vergangenen Jahr hat Nennecke knapp 30 Hektar seiner seit 1986 gepachteten landwirtschaftlichen Flächen am Möhlhorster Weg an einen Betreiber einer Biogasanlage verloren. Dort, wo jahrelang Gemüse wuchs und gedieh, steht jetzt der Mais. „Der Flächendruck ist enorm“, sagte der 57-Jährige. Bei dem Angebot des Konkurrenten habe er nicht mithalten können, das wäre desaströs gewesen, so Nennecke gegenüber der Eckernförder Zeitung. Doch als Nennecke sich mit diesem Flächenverlust weitestgehend abgefunden hatte, gab es den nächsten Rückschlag für ihn. Ende des Jahres läuft ein weiterer Pachtvertrag nach zwölf Jahren aus, weitere knapp 30 Hektar. Das Gespräch mit der Flächeneigentümerin führte Nennecke gemeinsam mit dem Selker Landwirten Claus-Jürgen Andresen, mit dem Nennecke schon seit Jahren kooperiert. Seine Bio-Kartoffeln kann Nennecke nur alle vier Jahre anbauen, in den Jahren dazwischen bewirtschaftet Andresen im Rahmen der ökologischen Fruchtfolge die Felder mit anderen Früchten, unter anderem Eiweißfutter für seine Legehennen.

Im Gespräch mit der Eigentümerin wurden den beiden Partnern schnell klar, dass der Pachtpreis deutlich steigen werde. „Wir wollten aber in den sauren Apfel beißen, alle Parteien waren sich einig“, so Nennecke. Man habe darum gebeten, noch eine Nacht über das Angebot schlafen zu können. Als sie dann den Vertrag unterschreiben wollten, war es zu spät – vermietet an einen Landwirt aus der Region, der nach Informationen von Paul Nennecke nochmals Geld draufgepackt hatte. Zumindest auf Teilflächen soll auch hier Mais angebaut werden. Damit war Nennecke seine Flächen los. Sechs Hektar besitze er noch unmittelbar an seiner Hofstelle, die ein befreundeter Gemüsebauer überwiegend für die Direktvermarktung bewirtschaftet. Für Paul Nennecke ist klar: Die Preisexplosion ist einem Gesetz geschuldet – dem Erneuerbare Energien Gesetz, kurz EEG genannt. Dieser subventionsbedingte Konkurrenzvorteil von Biogas gegenüber dem Ökolandbau bedroht den Göthebyer in seiner Existenz.

Seine Kartoffeln, darunter viele alte Sorten, wie den Angeliter Tannenzapfen, Hermanns Blau oder das Bamberger Hörnchen, wird Paul Nennecke bald nicht mehr anbauen können. Rund 500 Doppelzentner waren es pro Jahr. Freunde hätten ihm schon Fläche angeboten, doch um unter dem Siegel Bio wirtschaften zu können, brauche es nach der Umstellung vier Jahre, bis man die Anerkennung erhalte.

Mit Vorwürfen gegenüber seinen Kollegen, die ihn überboten haben, hält sich Nennecke zurück. Das nachbarschaftliche Verhältnis solle nicht leiden. Enttäuscht ist der Göthebyer aber über das Verhalten der Landeigentümerin, die trotz Zusage, ihr Angebot wieder zurückgezogen hätte. Und über die Politik, die diese Entwicklung erst möglich gemacht hätte. Gerade die Grünen in der Regierung können diesen Zustand nicht gewollt haben, kritisiert auch Nenneckes Ehefrau Sybille die politische Prioritätensetzung. Mit dem Verlust der Flächen verliert der Göthebyer sind nur seine Arbeit, die er jahrelang mit viel Idealismus betrieben hat , sondern natürlich auch die Subventionen und damit sicher geglaubte Einnahmen. „Wir Biobauern können allmählich einpacken“, befürchtet Paul Nennecke und betont dabei: „Wir produzieren für den Teller und nicht für den Tank.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte Sönke Wendland vom Landwirtschaftsministerium unserer Zeitung mit, dass es sich bei dem EEG, das unter anderem die Einspeisevergütungen für Biogasanlagen regelt, um ein Bundesgesetz handele. Sie sei unabhängig von der Form des landwirtschaftlichen Betriebes, auch Biobetriebe könnten Biogasanlagen betreiben. Des Weiteren sei die Vergütung für Biogasanalgen abhängig vom Inbetriebnahmejahr und der Anlagengröße, eine einheitliche Vergütung gebe es nicht. Der deutsche Durchschnittswert der EEG-Vergütung für Biomasse lag 2012 bei 18,3 Cent pro Kilowattstunde. Die Vergütungssätze seien durch Gesetzesnovellen und Degression permanent gesunken. Seit August 2014 betragen die Fördersätze für Biogasanlagen je nach Leistung zwischen 13,46 Cent (150 kW) und 5,65 Cent (20MW)

Die Förderung des ökologischen Landbaus geschehe hingegen auf Grundlage der bewirtschafteten Fläche und Art des Anbaus. Beide Formen der Förderung würden sich also grundsätzlich voneinander unterschieden und ließen sich folglich nicht ohne weiteres vergleichen.

Dennoch: Das Land will aber die Fördersätze für den Ökolandbau ab 2015 anheben. Je nach Art und Dauer der Nutzung sollen die Summen pro Hektar steigen. Der Göthebyer Biohof würde dann statt bislang 180 Euro 234 Euro erhalten. Doch das ändere nichts an dem Gefälle, betont Nennecke. Die Abwicklung seines Bioanbaus sei beschlossene Sache. Der Reitbetrieb seiner Frau und auch die Existenz der Biokiste sollen aber davon verschont bleiben.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 17:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen