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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 08:53 Uhr

Beste Freundinnen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schulfreundschaft mit Happy End: Wiedersehen nach 66 Jahren

Christa und Irene trafen sich 1947 und verstanden sich sofort. Sie hatten einen weiten Weg hinter sich. Christa wurde mit ihrer Familie aus Berlin evakuiert, Irene floh mit ihren Eltern aus Ostpreußen. Ihre Wege kreuzten sich in Haby. Beide wurden 1948 eingeschult, Irene erinnert sich noch heute daran, wie sie ohne Strümpfe, Schuhe und Ranzen zur Schule ging. Sie lebte mehr schlecht als recht mit 14 anderen Personen auf dem Speicher eines Gutshauses. In den folgenden zwei Jahren entwickelte sich eine Freundschaft, die tiefer nicht sein konnte. Umso mehr traf sie die unvermeidliche Trennung. Irenes Vater hatte Arbeit im Hunsrück gefunden, wo sie heute noch lebt. Die Freundinnen erinnern sich immer noch an den Schmerz, den sie damals empfanden. Christa war dabei, als der Bus morgens um 7.05 Uhr abfuhr. Sie versuchte, ihn aufzuhalten, rannte ihm hinterher.

Beide haben sich nie vergessen. Irene schrieb ihrer Freundin sofort, erhielt nie eine Antwort. Sie wusste nicht, das auch Christa ihr schrieb, jeden Tag. Ihre Mutter gab ihr nicht das Geld für Briefmarken.

So lebten beide ihr Leben, bis der Zufall (oder die Bestimmung) sie wieder zusammenführte. Eigentlich eine Reihe von Zufällen. Irene besuchte ein Opalgeschäft in der Nähe von Idar Oberstein, kam mit dem Inhaber ins Gespräch und erfuhr, das sie mit ihm das Schicksal der Vertreibung teilte. Beide stammen aus Ostpreußen. Daraufhin schenkte sie ihm ein Buch, in dem sie und ihre Mutter ihr Schicksal schilderten. Dieses Buch fand den Weg zu seiner Schwester, meiner Frau, Barbara Schäfersküpper, in Eckernförde. Erstaunt las sie von der oben geschilderten Geschichte.

Beim nächsten Besuch bei ihrem Bruder besuchte sie Irene. Die beiden verstanden sich sofort. Sie erzählte von Haby, wie sie im Wittensee schwimmen lernte und in Eckernförde das erste Mal die Ostsee sah und von ihrer Freundschaft zu Christa. Gerne erinnerte sie sich an ihre damalige Lehrerin, Frau Unterseher, die selbst aus Ostpreußen geflohen war, und die Flüchtlingskinder unterstützte. Meine Frau bot an, ihr bei der Suche nach Klassenkameraden zu helfen. Eine große Hilfe war Irenes Poesiealbum, und meine Frau schrieb sich die Namen auf. Da einige einheimische Kinder dabei waren, sollte es möglich sein, den einen oder anderen zu finden. Ihr größter Wunsch war, Christa zu finden, ihre beste Freundin aus dieser Zeit.

Wieder daheim, begann die Spurensuche. Wo beginnen? Hier half ihre Tätigkeit bei der Heimatgemeinschaft Eckernförde, das große Wissen ihrer Kolleginnen und Kollegen und ein bisschen Glück, denn im Jahrbuch 2013 erschien ein Aufsatz über die Lehrer Habys im 20. Jahrhundert. Ein Absatz beschäftigte sich mit der oben erwähnten Olga Unterseher, die noch lange als Lehrerin in Eckernförde gearbeitet hat. Der Autor verwies sie an einen Kenner der Geschichte von Haby, der alle Personen aus dem Poesiealbum kannte. Irenes Freundin Christa hatte geheiratet und lebt in Eckernförde. Meine Frau setzte sich mit ihr in Verbindung.

So stand einem Wiedersehen nichts mehr im Wege. Sie konnte gar nicht glauben, das sie mit ihrer alten Schulfreundin Kontakt hatte. Als Christa Irene anrief, war es, als ob sie erst am Vortag abgereist wäre. Beide besuchten sich gegenseitig und telefonieren jede Woche miteinander. Bei einem der Besuche gingen sie mit alten Schulkameraden den Schulweg ab und besuchten den Hof, auf dem Irene damals lebte. Sie sind sich sicher, das der Kontakt nicht mehr abreißen wird. Im Juli 2014 schrieb die Eckernförder Zeitung über das Geschehen, und auf dem veröffentlichtem Bild der beiden Freundinnen steht ihnen das Glück über die Wiedervereinigung ins Gesicht geschrieben.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 06:02 Uhr

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