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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 19:32 Uhr

Kultur : Bergstraße 12: Ein rätselhaftes Haus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heimatgemeinschaft Eckernförde sucht mit Hilfe der EZ-Leser Antwort auf Fragen ungeklärter historischer Zusammenhänge

Eckernförde | Bei ihrer kulturhistorischen Forschungsarbeit stoßen Bürger aus Eckernförde und dem Altkreis immer wieder auf historische Bauten, auf Denkmäler und Bilder, die sie nicht vollständig deuten können. Die Eckernförder Zeitung zeigt in unregelmäßig erscheinender Serie Fotos von solchen Objekten, die die Heimatgemeinschaft Eckernförde und ihre „Arbeitsgemeinschaft Foto Dokumentation“ aufgespürt haben. Die Leser werden gebeten, bei der weiteren Recherche über Hintergründe und Details zu helfen. Wer etwas zu Ursprung, Inhalt, Alter, ehemaligem Standort und anderen Aspekten der abgebildeten Motive beitragen kann, wird gebeten, diese Informationen der Heimatgemeinschaft mitzuteilen (Barbara Schäfersküpper Tel. 04351/85427 oder 04351/907366).

Eines der historisch wie architektonisch bedeutendsten Gebäude der Stadt ist das Haus Bergstraße 12. Wie eine Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt, bestand die Liegenschaft aus zwei Häusern: das eine ist das Wohnhaus mit zweigeschossigem Mittelrisalit sowie zwei Seitenbauten mit links und rechts außen rundbogig abgeschlossenen Blendfeldern, das andere ist ein giebelseitig platzierter Bau mit mehr landwirtschaftlichem Charakter (Stalleingang, Dachgaube für Getreide, Futter etc.; das Gebäude ist vor einigen Jahren abgerissen worden). Die zurückhaltend-klassizistische Architektur dieses Landsitzes erinnert an Bauten der Ära Christian Frederic Hansen, seit 1784 Landbaumeister für Holstein, seit 1805 als Oberbaudirektor des dänischen Königreiches auch für das Herzogtum Schleswig zuständig. Auffallend ist ein Schmuckmotiv mit Girlanden um eine Lyra als gekonnt gestaltete Stuckarbeit im Giebel des Mittelbaus.

Besitzer war die Familie von Wasmer. Die bekannteste Persönlichkeit der von Wasmer ist Lorenz Jacob von Wasmer, Obristleutnant und Chef des „Jägercorps Eckernförde“. Verheiratet ist er mit Sophia Henningia von Brockdorf, zum Vater aber machte ihn Anna Elisabeth Helms, die nach dem Tode ihres Mannes Carl Friedrich Stein von ihrer Wohnung Frau Clara-Straße 14 nach Borby zog und wahrscheinlich half, den Haushalt des Wasmer zu führen. Von den mindestens drei unehelich geborenen Kindern ist Lorenz von Stein (1815 – 1890) von Wasmer besonders gefördert und schließlich ein Wissenschaftler europäischen Formates geworden. Bis mindestens 1877 ist die Bergstraße 12 von Familie Wasmer bewohnt. Professor Lorenz von Stein ist immer wieder nach Borby zurückgekommen, so am 21. April 1838 kurz vor seinem juristischen Examen, dann am 6. April 1849, um für die Presse über die am Vortage stattgefundene „Schlacht von Eckernförde“ zu berichten und 1872, um nach der Sturmflut für Wiederaufbau zu spenden.

Zu den großen Namen, die sich mit der Bergstraße 12 verbinden lassen, gehört Hauptmann Eduard Jungmann, der als Kommandant der 5. Festungsbatterie als Sieger des „Tages von Eckernförde“ gilt. Jungmann, der wie von Stein Jura studieren wollte, dann aber zur preußischen Artillerie ging, ist auf einem kleinen Gemälde zu sehen, das eine historische Briefmappe ziert (heute im Museum Eckernförde). Erkennbar ist der Wohnsitz der Wasmer, wie er heute noch besteht, davor ist der Artillerie-Offizier zu sehen und ein Diener, der das Reitpferd heranführt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jungmann selbst das Bild malte, denn es gibt in diesem Stil ein Bild der Seeschlacht mit den Schiffen „Christian VIII.“ und „Gefion“, das ihm zugesprochen wird.

Das Gemälde des Hauses Bergstraße 12 deutet an, dass die außen liegenden rundbogigen Vertiefungen einstmals Kunstwerke enthielten, dass sie bemalt oder mit einer Plastik gefüllt waren. Ein plastischer Schmuck am Sitz der Wasmer ist vor allem denkbar, da Lorenz von Stein 1846 Dorothea Steger heiratete, deren Bruder Friedrich Steger Bildhauer war und später mit von Stein nach Wien übersiedelte, wo er für den Juraprofessor mehrere Plastiken schuf. Wenn sich herausstellen sollte, dass das Haus der Wasmer Steinfiguren schmückten, ist dabei an Steger zu denken.

Der Arbeitskreis „Foto-Dokumentation“ wendet sich zu diesem Thema an die Leser der EZ: Wer besitzt Kenntnis über die Verzierungen, die auf dem Gemälde von 1849 deutlich erkennbar sind – wer besitzt ein frühes Foto des Hauses, wer ist in Archiven auf dieses Thema gestoßen?



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erstellt am 30.Nov.2016 | 06:06 Uhr

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