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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Sport und Erholung : Bergläuferin tankt Kraft in Waabs

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Thüringerin nutzt Urlaub in Waabs zur Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft im Berglauf / 250 Kilometer zum Training gelaufen

Waabs | Gut 750 Kilometer wird Nicole Kruhme (31) in ihren Ferien gejoggt und mit dem Rad gefahren sein. Die Extremsportlerin macht 14 Tage Urlaub in Waabs und bereitet sich auf die Deutschen Meisterschaften im Berglauf in Füssen im August vor. Und sie hat ein Ziel : erneut auf dem Treppchen zu stehen. Kruhme ist Deutsche Vizemeisterin 2015 im Berglauf. In 48.15 Minuten bewältigte sie die 9,5 Kilometer lange Strecke, die 776 Höhenmeter misst. In ihrer Altersklasse war sie nicht zu schlagen und auch mit der Deutschen Nationalmannschaft im Berglauf wurde sie Deutsche Meisterin. Bei der Europameisterschaft 2015 auf Madeira wurde sie 23. in der Einzelwertung und 5. mit der Nationalmannschaft.

Waabs kennt sie schon seit 1992, als sie als junges Mädchen mit ihren Eltern erstmals im Ort Urlaub machte. Fast jährlich kam die Medizinisch-technisch-radiologische Assistentin, die nur wenige Kilometer vom Rennsteig und Oberhof in Thüringen entfernt wohnt, seitdem nach Waabs. Seit 2010 ist ihr Mann David (32) dabei, der sie beim Radfahren begleitet und sie bei allen Wettkämpfen unterstützt. Nach Ferienwohnungen in Kleinwaabs wohnen sie nun bei Hans Sörensen in Großwaabs.

2015 war ihr erfolgreichstes Jahr, sagt die junge Frau, und das, obwohl sie Mitte 2014 am Tiefpunkt angelangt war. Im MRT wurde bei ihr ein Kreuzbeinermüdungsbruch festgestellt. Schon lange vorher hatte sie über Rückenschmerzen geklagt, ohne die Ursache zu wissen. Im Zuge der Untersuchungen wurde dann bei ihr eine angeborene Unverträglichkeit von Gluten und Histamin festgestellt. Der Bruch wurde dann auf ihre Mangelernährung zurückgeführt.

Die richtige Ernährung macht ihr immer noch Sorgen. Durch die Kombination der beiden Unverträglichkeiten, die bei ihr zu Schocks führen können, kann sie weder Kohlenhydrate aus Getreide aufnehmen noch jegliche Art von Fisch und Fleisch sowie einen Großteil Milchwaren. „Ich esse vor allem Obst und Gemüse, wie ein Brötchen schmeckt, das weiß ich gar nicht mehr“, sagt Kruhme. Da sie so keine Energiespeicher zu sich nimmt, versorgt ihr Mann sie entlang der Laufstrecken in kurzen Abständen mit Frischobst. Nur dank seiner Hilfe kann die knapp unter 40 Kilogramm leichte Frau überhaupt noch bei Bergläufen und auch Marathon-Bergläufen starten.

Ohne von ihrer Erkrankung zu wissen, war sie im Frühsommer 2014 noch bei zwei Halbmarathons und zwei Marathons (unter anderm dem Brockenlauf) gestartet. Als dann der Kreuzbeinbruch diagnostiziert wurde, musste sie ein halbes Jahr aufs Laufen verzichten. Da entdeckte sie das Mountain-Bike und fuhr rund 5000 Kilometer im Rennsteigrevier, denn bewegen musste sie sich. Aufs Rad wechseln, will sie aber auf keinen Fall, laufen sei einfach besser. Seit ihrer Kindheit sei sie sportlich gewesen, sie konnte wohl eher Ski-Langlaufen als Radfahren. Auch wenn sie in 2015 18 Bergrennen als Volksläufe gewann, so ist es nicht ihr Ziel, die oftmals von ihr gesetzten Bestzeiten zu verbessern. „Ich laufe, um den Kopf frei zu bekommen“, sagt sie und sie muss auf ihre Gesundheit achten.

Auch wenn es nur ihr Hobby ist – sie hat einen Vollzeitjob im Klinikum Erfurt – so braucht sie doch Sponsoren. Etwas Unterstützung bekommt sie, aber davon muss sie halbjährlich neue Laufschuhe kaufen. Sechs Paar trägt sie permanent im Wechsel, damit sich die Gel-Polster erholen.

Im Jahr läuft sie etwa 4600 Kilometer, 250 Kilometer davon jetzt in Waabs. Vor dem Frühstück ging es von Großwaabs bis zur Gemeindegrenze bei Gast, etwa 16 Kilometer – „Es ist ja Urlaub“. Zuhause sei es mehr – länger und schneller. Nachmittags folgten dann etwa 40 Kilometer lange Radtouren. David und Nicole Kruhme sind von der Landschaft an Schlei und Ostsee begeistert. Als Anregung für ihren Verein, den GutsMuths-Rennsteiglaufverein, nimmt sie den „Lauf zwischen den Meeren“ im nächsten Jahr mit. Das wäre eine schöne Sache und nur halb so lang wie der Rennsteiglauf, an dem ihr Team auch teilnimmt.

Gelingt es Nicole Kruhme erste oder zweite bei den Deutschen Meisterschaften zu werden, dann wäre sie für die Weltmeisterschaft im September in Bulgarien qualifiziert. Trainieren und Erholung in Waabs führten zum Erfolg Sie kommt wieder, das sei klar.

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erstellt am 03.Aug.2016 | 06:55 Uhr

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