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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Zugeparkter Blindenleitstreifen : Beirat wird aktiv: Abstand halten!

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das dauerhafte Zuparken des Blindenleitstreifens in der Langebrückstraße ist für sehbehinderte und blinde Menschen ein Ärgernis. Der Beirat für Menschen mit Behinderung hat jetzt Schilder aufgestellt.

Eckernförde | Die verkehrsberuhigte Langebrückstraße ist als Falschparkzone berüchtigt. Täglich wird massenhaft gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, weil die Auto widerrechtlich an der Seite geparkt werden, obwohl dort keine Parkflächen ausgewiesen sind. Und nur auf diesen darf in verkehrsberuhigten Bereichen geparkt werden. Schlimmer noch: nicht wenige Autofahrer parken zusätzlich den weißen Blindenleitstreifen zu, der vom Steindamm bis zum Jungfernstieg verlegt ist, um sehbehinderten und blinden Menschen Orientierung zu bieten und ihnen ein gefahrloses Begehen der viel befahrenen Passage zu ermöglichen. Die Folge: unerwünschter, unter Umständen schmerzhafter Kontakt der Sehbehinderten und Blinden mit Kotflügel oder Außenspiegel.

Das Problem besteht seit dem Ausbau der Langebrückstraße zur verkehrsberuhigten Zone und damit schon mehreren Jahren. Gute Worte und verteilte Info-Flyer hätten zwar kurzfristig geholfen, aber zu keiner nachhaltigen Verhaltensänderung bei den Autofahrern geführt. Jetzt hat der Beirat für Menschen mit Behinderung im wahrsten Sinne des Wortes gleich zwei Zeichen gesetzt und mit Unterstützung der Stadt Hinweisschilder an der südlichen Straßenseite aufstellen lassen: „Blindenleitstreifen freihalten! 1,20 m“ prangt in großen Lettern mit einem Pictogramm auf dem blauen Schild in Höhe Nicolaistraße und Kieler Straße. Und es scheint bitternötig zu sein, obgleich selbst dieser eindeutige Hinweis von etlichen Autofahrern frech missachtet wird, wie sich gestern bei einem Ortstermin zeigte. Eine ältere Dame und ein junger Mann schossen dabei den Vogel ab, indem sie ihre Karossen direkt vor dem Schild abgestellt hatten und keine Einsicht zeigten.

Seit Montag stehen die beiden Hinweisschilder in der Langebrückstraße. „Es ist aber schon viel besser geworden, viele Autofahrer halten jetzt mehr Abstand“, sagt Beiratsmitglied Klaus-Dieter Rediske (53), der aufgrund einer Erbkrankheit stark sehbehindert ist, irgendwann voll erblindet sein wird und seit 36 Jahren als Kreditsachbearbeiter bei der Sparkasse arbeitet. Es gehe nicht darum,, Autofahrer „anzuschwärzen“, sondern aufzuklären und Verständnis dafür zu entwickeln, „dass auch wir als sehbehinderte oder blinde Menschen am Leben teilhaben möchten“. Barbara Davy sitzt im Elektro-Krankenstuhl und spricht die Falschparker oft direkt an. Nicht immer sind die Antworten freundlich, aber sie erntet für ihr ehrenamtliches Eintreten für Minderheitenrechte auch viel Verständnis. Bei der älteren Dame allerdings, die gestern „nur mal eben schnell“ irgendwo hinwollte, konnte sie gestern nicht landen. Und der junge Mann gegenüber des Ochsenkopf fuhr wortlos davon. Es sind die kleinen Besorgungen in den zahlreichen Geschäften oder den Geldinstituten, die die Autofahrer dazu animieren, abseits der aufgewiesenen Stellplätze zu parken. Sie nehmen Verstöße billigend in Kauf, die mit Ordnungsgeldern zwischen 10 und 30 Euro geahndet werden, sofern sie denn aktenkundig werden und von der Polizei oder den Ordnungskräften der Stadtverwaltung notiert werden.

Zwar haben die ortsansässigen Fahrschulen das Befahren der Langebrückstraße und das richtige Verhalten in verkehrsberuhigten Zonen unter Beachtung der Blindenleitstreifen ins Ausbildungsprogramm aufgenommen, doch zahlreiche Autofahrer wissen eben nicht, wie sie sich korrekt verhalten, oder verstoßen wissentlich dagegen. Die Initiative des Beirats für Menschen mit Behinderung hofft, dass die neuen Hinweisschilder nachhaltig aufklären und zu einer Verbesserung der Situation führen. Störend und behindernd wirken sich auch Werbeaufsteller aus, die hier und da auch schon mal in die Nähe der Leitstreifen gestellt werden, hat der Beirat beobachtet. „Was soll der ganze Aufwand für ein paar Blinde“, hat Barbara Davy schon mal zu hören bekommen.

Der Beirat ist im Übrigen froh, dass er in der Politik und Verwaltung immer wieder Gehör findet und die Belange von behinderten Menschen in Eckernförde ernst genommen werden, sagt die Vorsitzende Anke Braun.

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erstellt am 13.Aug.2016 | 06:12 Uhr

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