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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 15:31 Uhr

Bankschliessung : Bankfiliale schließt Ende November

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Raiffeisen-Geschäftsführung nennt wirtschaftliche Gründe / Brekendorfs Bürgermeister empört über Informationspolitik des Geldhauses

Brekendorf | Es ist nicht die erste, und es wird sicher nicht die letzte sein: Mit der Raiffeisenbank in Brekendorf schließt zum 30. November eine weitere Bankfiliale im ländlichen Raum, wo sich das Geschäft offenbar immer seltener rechnet. Auf diese schlichte Tatsache reduzieren lassen sich letztlich auch die verschiedenen Begründungen der Geschäftsleitung: ob nun gestiegene Sicherheitskosten, anhaltender Niedrigzins oder rückläufige Besucherzahlen. Gerhard Guthardt, Bürgermeister von Brekendorf, will sich mit der Schließung nicht so einfach abfinden. Er hat zu einer Informationsveranstaltung am 3. November aufgerufen, auf der sich die Bankleiter den Fragen der Kunden und Bürger stellen sollen.

„Wir haben uns mit der Entscheidung sehr schwer getan“, betont Hans-Jürgen Dörner, einer der zwei Geschäftsführer der Raiffeisenbank eG Owschlag. „Aber die Besucherzahlen der Zweigstelle gehen seit Jahren zurück. Immer mehr Kunden nutzen Online-Banking.“ Die Geschäftszeiten wurden deshalb immer weiter reduziert – zuletzt auf je drei Stunden an drei Wochentagen. „Bisher haben wir immer gesagt: Wenn das Gesamtergebnis stimmt, tragen wir die Filiale in Brekendorf mit“, so Dörner. „Aber das anhaltende Niedrigzinsumfeld drückt wie im gesamten Finanzwesen auf unsere Ertragslage, und wir rechnen nicht mit einer baldigen Zinssteigerung.“ Zudem würden die Auflagen der Aufsichtsbehörden immer umfangreicher. „Uns, als kleines Institut mit einer Bilanzsumme von 43 Millionen Euro, fällt die Umsetzung besonders schwer.“

Das Fass zum Überlaufen gebracht habe schließlich ein Überfall auf den Bankautomaten in der Hauptniederlassung in Owschlag Anfang April und die damit verbundenen Konsequenzen. Dörner: „Die Berufsgenossenschaft und der Sachversicherer verlangen seitdem höhere Sicherheitsstandarts.“ Sicherheitsglas, eine Geld-Schleuse, elektrische Türöffnung, und auch der Geldautomat müsste umgebaut werden. Auf bis zu 200  000 Euro würden sich die geschätzten Investitionskosten belaufen, so Dörner – zu viel für die Ein-Mann-Zweigstelle.

„Am Ende war es eine wirtschaftliche Entscheidung“, fasst Aufsichtsratvorsitzender Dirk Harder zusammen. „Wir müssen unsere Kosten im Griff halten. Nur so können wir die Selbstständigkeit der Raiffeisenbank erhalten.“ Er gibt auch zu Bedenken: „Letztlich müssen andere Kunden die Verluste durch die Niederlassung in Brekendorf mitbezahlen.“

„Dass unsere Bankfiliale schließt“, sagt Bürgermeister Guthardt, „ist schlimm. Die Kommunikation der Bank ist noch schlimmer. Dass die Banken Schwierigkeiten haben, sei ihm bewusst. „Aber die Art und Weise, wie mit dem Fall umgegangen wird, finde ich nicht gut.“ Ihn stört vor allem, dass er und die Bankmitglieder nicht früher über die Entscheidung informiert oder in diese eingebunden wurden. „Das hat bei den Mitgliedern Unverständnis und Entsetzen ausgelöst“, so Guthardt. „Viele Leute sind sehr, sehr sauer. Mehrere Brekendorfer riefen bei mir an und haben sich beschwert. Sie stellten Fragen, die ich nicht beantworten kann.“ Auch er selbst habe erst unmittelbar vor der allgemeinen Bekanntgabe am 14. Oktober die traurige Nachricht erhalten. „Wir wollten jeden gleichzeitig informieren“, erklärt Dörner, und Harder ergänzt: „Die Spanne zwischen der endgültigen Entscheidung und ihrer Bekanntgabe war sehr kurz.“ Jene sei einen Monat zuvor Mitte September gefallen.

„In Brekendorf haben wir eine Menge Mitglieder der Reiffeisenbank“, so Bürgermeister Guthardt. „Darunter sind viele ältere Leute, die noch nicht einmal eine Scheckkarte haben, geschweige denn Onlinebanking betreiben. Mit uns allen hätte man vorher reden müssen. Dann hätte man vielleicht eine andere Möglichkeit gefunden.“ Harder hierzu: „Die Mitglieder entscheiden letztlich nicht, der Bankvorstand muss dies tun.“ Hätte man Unentschiedenes vorzeitig in den Raum geworfen, so der Aufsichtsratvorsitzende, hätte dies nur zu unnötiger Unruhe und Gerüchten geführt.

Noch vor zwei Jahren, sagt der Bürgermeister, habe es von Seiten der Raiffeisenbank geheißen: Die Zweigstelle bleibt. Auch bei der Generalversammlung im Sommer sei die Schließung mit keinem Wort erwähnt worden. Im Sommer, erklärt Geschäftsführer Dörner, sei noch nichts beschlossen gewesen, auch weil die ausschlaggebenden Forderungen der Versicherer noch nicht vorgelegen hätten.

Die beiden Bankmitarbeiter, die bisher wechselweise in Brekendorf tätig waren, werden ab Dezember in der Hauptfiliale in Owschlag weiterbeschäftigt.




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erstellt am 27.Okt.2016 | 06:09 Uhr

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