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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Ein oder zwei ö : Ausschuss setzt Antrag ab: Eckernföör“ bleibt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Mitglieder des Gremiums für Jugend, Kultur, Bildung und Sport sehen keinen Handlungsbedarf, die Ortsschilder zu ändern.

Eckernförde | Geht es nach der Politik, bleibt es bei der bestehenden Schreibweise auf den Ortsschildern: Eckernföör. Unmut und Enttäuschung machte sich unter den Zuhörern im Ratssaal breit, als der Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Kultur, Bildung und Sport, Reiner Bunte, am frühen Donnerstagabend zu Beginn der Sitzung erklärte: „Alle Fraktionen, auch die FDP, sind für die Absetzung des Tagesordnungspunktes 5.“ Unter diesem Punkt sollten die mehrsprachigen Ortstafeln, die Anfang 2008 aufgestellt wurden, thematisiert werden, – genauer, die plattdeutsche Schreibweise des Stadtnamens.

Auch als Reiner Bunte (SPD) die Ausschussmitglieder um ein Votum bat, fiel dieses in offener Abstimmung gegen die Behandlung des Themas im Ausschuss aus. „Es besteht kein Handlungsbedarf“, erklärte Bunte, „das ist (im August 2007, die Red.) beschlossen worden, und wir sehen keinen Grund, das zu ändern.“

Werner Pötzsch, bekannt als Fiete (von Stine & Fiete) und Mitglied der Plattdüütsch Gill, und Lorenz Marckwardt, Vorsitzender der Borbyer Gilde, hatten im Februar bei der Verwaltung den Antrag gestellt, die plattdeutsche Schreibweise des Stadtnamens im Ausschuss zu beraten: „Wir stellen hiermit den Antrag, die Ortsschilder mit der historisch und phonetisch belegten Schreibweise Eckernför zeitnah zu versehen.“ Als Beleg führten die Antragsteller einen Protokollauszug vom 11.7.2007 an, der die Schreibweise Eckernför vorgesehen habe, erklärte Lorne Marckwardt. „Es ist sehr verwunderlich, was hinterher passiert ist“, so Marckwardt in der anschließenden Einwohnerfragestunde. „Das begreifen die Leute nicht, die Schreibweise mit öö“, sagte Pötzsch. Er ging noch einen Schritt weiter. „Es muss jetzt geklärt werden, dass Eckernför nur mit einem ö geschrieben wird“, forderte er. „Hier geht es um ein Stück Heimat“, machte Hermann Wolter, erster Beisitzer der Eckernförder Beliebung von 1629, deutlich. Selbst wenn die Schreibweise mit öö orthografisch richtig sein sollte, „historisch gesehen ist sie falsch“, so Wolter. Sollte es aufgrund der Kosten keine Lösung in dieser Frage geben, schlug Peter Blender, Zwölfer der Borbyer Gilde, vor: „Dann überkleben wir einfach ein ö.“

Werner Pötzsch, Christel Fries (plattdeutsche Stadtführerin Stine) und Klaus-Dieter Tüxen (alle Mitglieder der Plattdüütsch Gill) wollen nicht aufgeben. Fries beruft sich auf ein Schreiben des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen. „Für Ortsnamen ist die schriftliche Überlieferung und damit die lokale Tradition von allergrößter Relevanz. Dieser Faktor hat grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Überlegungen“, lautet die Aussage von Institusleiter Dr. Reinhard Goltz. Wie alle Zuhörer ist auch Fries enttäuscht, dass der Punkt ohne Diskussion von der Tagesordnung abgesetzt wurde: „Eckernför ist unser kulturelles Erbe, weil es historisch gewachsen ist.“ Fries, Pötzsch und Tüxen berufen sich auf das schleswig-holsteinische Wörterbuch von Prof. Dr. Otto Mensing von 1927, in dem der Stadtname Eckernför steht. Für sie ist und bleibt die Schreibweise mit Doppel-Ö unverständlich, da sich sowohl im Emblem der Johann-Hinrich-Fehrs-Gilde (Plattdüütsch Gill) als auch auf der Fahne der Stadtname nur mit nur einem „ö“ findet.

Wenige Tage nach dem Beschluss der Zweisprachigkeit der Ortstafeln im Jahre 2007 hatte der Schleswig-Holsteinische Heimatbund am 7. August der Verwaltung die Schreibung mit „öö“ empfohlen. Begründung: Durch den Wegfall der Endsilbe -de aus dem Wort Förde komme es zu einer Längung der vorangehenden Silbe, nämlich „för“, die durch eine Verdoppelung des „ö“ gekennzeichnet wird. Bürgermeister Jörg Sibbel stellte am Donnerstagabend klar: „Keine der beiden plattdeutschen Schreibweisen ist falsch. Die Verwaltung sieht daher keinen Grund, die plattdeutsche Schreibweise auf den Ortstafeln zu ändern und dafür Haushaltsmittel aufzuwenden.“

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erstellt am 25.Jun.2016 | 06:41 Uhr

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