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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Ausbaubeiträge : Ausbaubeiträge schocken Anlieger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anlieger der Straße Neuseeholz sind geschockt von möglichen Ausbaubeitragskosten / Hoffnung auf andere Lösung zur Straßensanierung bleibt

Holzdorf | „Die Leute sollen wach werden“, sagt Horst Daniel und „wissen, was wir zahlen sollen“. Der alteingesessene Landwirt weiß seine Nachbarn in der Straße Neuseeholz hinter sich. In der Vorwoche hatten die 18 Anlieger der rund 660 Meter langen Straße in persönlichen Gesprächen eine grobe Schätzung für ihre zu zahlenden Straßenausbaubeitragskosten erhalten. Die Gemeinde plant die Straße auszubauen. „Wir müssen grob 60  000 Euro zahlen“, berichtet Daniel. Sein Cousin Detlev Daniel erwarten etwa 4000 Euro, Iris Dahl bereitet sich auf gut 5000 Euro vor, Familie Ratzlaff geht von rund 5200 Euro aus und Landwirt Manfred Ost, der in der Straße Neuseeholz einzig eine Zufahrt hat, sein Hof liegt im Ortsteil Holzdorf, der rechnet mit gut 25  000 Euro Kosten.

Sie seien erst sprachlos gewesen, als sie die Zahlen mitgeteilt bekamen, dann entsetzt und inzwischen voller Sorge, wie sie so viel Geld beschaffen sollen, sagt Horst Daniel. Enttäuscht sind die Anlieger von der Aufteilung der zu erwartenden Kosten von grob geschätzt 170  000 Euro, die die Anlieger tragen müssen. So teilten sich 14 Anlieger innerorts etwa die Hälfte der Kosten aber nur drei, beziehungsweise ein weiterer Anlieger mit nur wenig Kostenanteil, die andere Hälfte außerorts, ergänzt Detlef Daniel.


Anlieger erst sprachlos, dann entsetzt und nun in Sorge


Die Anlieger können nicht verstehen, warum die Gemeindevertretung den Ausbau mit aller Macht durchsetzten will. Aus ihrer Sicht würde es Sinn machen, die Straße vernünftig zu flicken, oder aber die Oberschicht abzufräsen und eine neue Asphaltdecke aufzuziehen. Die dafür anfallenden Kosten müssten dann auch nicht auf die Anlieger verteilt werden. Dass die Straße über 25 Jahre alt und sanierungsbedürftig sei, das würden sie nicht anzweifeln, sagt Horst Daniel. Und auch die Pflicht der Gemeinde zur Anwendung einer Straßenausbausatzung, die das Land vorschreibe, sei rechtlich unanfechtbar. Aber sie meinen, dass ein Vollausbau nicht nötig sei. Da gäbe es andere Straßen, die es nötiger hätten. Sie hätten mit vielen alteingesessenen Holzdorfern gesprochen, die beim Neubau der Straße samt Unterbau dabei waren. „Der Unterbau ist noch gut, sagen sie “, berichtet Martina Daniel. Rechtlich gesehen sei der Gemeindevertretung in ihrem Vorgehen nichts vorzuwerfen, meint Detlef Daniel, aber moralisch sei sehr fraglich.

Das sieht auch Iris Dahl so. Alle Gemeinden im Amt Schlei-Ostsee, die bereits über eine Straßenausbaubeitragssatzung verfügten, hätten dort die niedrigsten Sätze angesetzt. Nur Holzdorf habe die Sätze hoch gesetzt, so Dahl. Für Haupterschließungsstraßen (wie Neuseeholz) zieht das Land die Grenze zwischen 35 und 50 Prozent, Holzdorf legte 50 Prozent Anteil für die Anlieger fest. „Das geht doch nicht“, meint Martina Daniel, die enttäuscht ist von den Gemeindevertretern, die sich bisher noch nicht bei ihnen gemeldet hätten. Das seien doch auch ihre Gemeindevertreter, die zu ihrem Wohl handeln sollten, ergänzt Regina Daniel.


Hoffnung auf andere Sanierungslösung


„Wir hoffen, dass nicht ausgebaut wird“, stellt Horst Daniel fest. Und es wäre sehr menschlich, wenn die Gemeindevertretung noch einmal über ihre Bauabsichten nachdächte und zurückruderte. Stattdessen hörten sie immer wieder: „Auf Einzelschicksale könne keine Rücksicht genommen werden“, heißt es von den Anliegern.

Die Resonanz auf ihre Aktion mit dem Anhänger, der an der Zufahrt Morgenstern steht, sei sehr groß. Auf Planen haben einige Anlieger dort ihre zu erwartenden Kosten für den Ausbau öffentlich ausgehängt, damit jeder sehe, um was für Beträge es sich handelt. Viele Mitbürger sprachen sie schon an. Zugleich erhalten sie moralische Unterstützung. Einer von ihnen ist Dieter Knetsch, der feststellt, dass es in der Gemeinde Straßen gäbe, die dringender saniert werden müssten. Die Straße Neuseeholz werde so stark als Durchgangstraße genutzt, da sei es nicht gerecht, wenn die Anlieger so stark an den Kosten beteiligt werden sollen.

Die Anlieger hoffen nun auf Reaktionen und Gesprächsangebote, um gemeinsam eine andere Lösung zu finden. Sollte alles nicht helfen, dann werden Horst und Regina Daniel Land verkaufen müssen, 60  000 Euro seien eben eine gewaltige Stange Geld.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 06:06 Uhr

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