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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 16:45 Uhr

Mali-Einsatz : Aufklärung am Rande der Wüste

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Soldaten des Eckernförder Seebataillons sind zurzeit im Mali-Einsatz. Presseoffizier Konrad Wolf erzählt nach drei Monaten vom Leben in der Sahelzone.

Eckernförde | Es ist heiß in Mali, dem westafrikanischen Staat, über den sich zu einem großen Teil die Sahelzone erstreckt. 45 Grad im Schatten herrschen, das bedeutet 62 Grad in der Sonne. Wer hier eine lange Hose und Stiefel trägt und über sein T-Shirt noch eine 17 Kilo schwere Schutzweste mit Waffenmagazinen streift, hat guten Grund dazu. So wie die deutschen Soldaten, die seit Januar im Auftrag der Vereinten Nationen hier ihren Dienst versehen.

Konrad Wolf ist einer von ihnen. Von März bis Mai war der Kampfschwimmer und Presseoffizier aus Eckernförde im Einsatz, hat Artikel geschrieben und Journalisten betreut. Aber er ist nicht der einzige Soldat aus Eckernförde in dem Land, in dem 2012 ein bewaffneter Konflikt zwischen Tuareg-Rebellen, Islamisten und Regierungstruppen ausbrach und dessen Friedensprozess die UN-Sicherheitskonferenz mit der Entsendung von über 15  000 Soldaten (MINUSMA) unterstützt. 650 von ihnen sollen aus Deutschland kommen, rund 400 sind schon da, einige davon auch aus Eckernförde.

Während es im Süden des Landes um die Ausbildung von malischen Soldaten geht, dominiert im Norden die Aufklärung. Vier Soldaten des Feldnachrichtenzuges des Seebataillons in Eckernförde sind seit Mitte Mai im Camp nahe der Stadt Gao, wo Soldaten verschiedener Nationen untergebracht sind. Der Alltag der Eckernförder besteht in Erkundungstouren. Dabei steuern sie in gepanzerten Wagen Dörfer an, um über einen Dolmetscher mit den Einheimischen zu sprechen: Wie ist die Sicherheitslage? Gibt es Rebellen in der Nähe? Wenn ja, wo? Etwa 200 Kilometer nördlich von Gao liegt die Stadt Kidal, die als Rückzugsgebiet der Islamisten gilt.

„Die Dörfer bestehen aus 20 bis 200 Lehmhütten mit Blech oder Zweigen als Dach“, sagt Konrad Wolf. „Meistens gibt es nur einen Wasseranschluss, Strom gar nicht.“ Die Menschen leben von der Landwirtschaft, halten Ziegen und Rinder und betreiben Ackerbau. Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Hauptstadt Bamako liegt im Süden des Landes. „Im Norden kommt wenig Hilfe an, weshalb die Einwohner keine Freunde der Regierung sind“, weiß der 34-Jährige. Dennoch: Zu den UN-Soldaten sind die Menschen freundlich, nachdem ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde. „Besonders die Kinder umringen die Soldaten, jedoch ohne zu betteln. Stattdessen freuen sie sich, wenn sie fotografiert werden. Mit dieser Offenheit hatte ich nicht gerechnet.“

Ganz so einfach ist der Einsatz dann aber doch nicht, denn es gibt nur zwei befestigte Straßen in Nordmali, der Rest sind Pisten in der Steppe und Wüste. Für unwegsames oder gefährliches Gelände können die Soldaten auf unbemannte Foto- und Video-Drohnen mit einer Reichweite von 80 Kilometern zurückgreifen. Die gewonnenen Erkenntnisse finden ihren Niederschlag in Berichten, die der UN-Führung zukommen. „Drei- bis viermal pro Woche fahren die Aufklärer raus. Der Rest der Zeit geht für Vor- und Nachbereitung drauf.“

Es heißt, dass der Mali-Einsatz einer der bislang gefährlichsten für die Bundeswehr und die UN-Blauhelme ist. Konrad Wolf wägt ab: „Die Lage kann sich täglich ändern. Es kann sein, dass sich unterschiedliche Gruppen zusammenschließen und die UN-Truppen angreifen.“ Häufiger sind aber Anschläge auf afrikanische Soldaten: „Sie sind schlechter ausgerüstet und schlechter ausgebildet“, erklärt Konrad Wolf. „Da ist ein Erfolg wahrscheinlicher.“ Im Dezember habe es den letzten Anschlag auf ein Camp gegeben, in dem auch deutsche Soldaten untergebracht waren. „Rebellen hatten das Lager mit Raketen beschossen, aber nicht getroffen. Oftmals können sie im Vorfeld woanders zwar Raketen, aber keine Abschussvorrichtung erbeuten.“ Und selbst, wenn eine Rakete ihr Ziel erreichen sollte: „Unsere Unterkünfte sind geschützt. Die Stahlcontainer halten auch einen Raketenbeschuss ab.“

Im Vergleich zu seinem Afghanistan-Einsatz fühlte sich der 34-Jährige in Mali sicherer. Eine gewisse Gefahr sei zwar immer da, „aber das ist Berufsrisiko“. Dennoch: „Ein Spaziergang war das nicht.“ Allerdings haben sich die Unterkünfte verbessert. Zu dritt teilen sich die Soldaten einen 12 Quadratmeter klimatisierten Container. „Und es gibt europäisches Essen im Camp – von einem internationalen Catering-Unternehmen.“

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erstellt am 30.Jul.2016 | 06:04 Uhr

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