zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 03:13 Uhr

Interview : Auf Zeitreise mit DJ BoBo

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Musiker auf Jubiläumstour / EZ-Interview im Radiozentrum in Kiel

Kiel | Die 90er erleben gerade ein Comeback. Da darf natürlich DJ BoBo, mittlerweile 48 Jahre alt, nicht fehlen – der Superstar des Eurodance. René Baumann, so sein bürgerlicher Name, wurde mit seinem ersten Hit „Sombody Dance With Me“ im Jahre 1992 bekannt. Seitdem produziert er einen Hit nach dem anderen und darf in diesem Jahr sein 25. Bühnenjubiläum feiern. Vor wenigen Tagen besuchte der Schweizer das Radiozentrum in Kiel und sprach im Interview mit Radio Schleswig-Holstein (R.SH) sowie der EZ-Jugendredaktion über seine Karriere und die Jubiläumstour „Mystorial“.


Was verbindest du persönlich mit den Neunzigern?
Bunte Farben und eine gewisse Leichtigkeit. Die Menschen waren in Aufbruchsstimmung, insbesondere in Deutschland, was wohl auch am Mauerfall lag. Die Neunziger hatten eine sehr unbeschwerte Energie, die Menschen haben sich von äußeren Dingen nicht so sehr beeinflussen lassen.


Du feierst dieses Jahr dein 25. Bühnenjubiläum. Was hat sich in der Zeit von den 90ern bis heute im Musikbusiness am meisten verändert?
Das Musikbusiness ist unglaublich schnell geworden, vor allem durch das Internet natürlich. Damals dauerte es viel länger, einen Song bekannt zu machen. Und dieser blieb dann dementsprechend auch viel länger in den Charts. Heute geht alles unheimlich schnell, ich sehe das auch an meinen Kindern, die sind elf und vierzehn Jahre alt und bei denen ist es genauso. An einem Tag ist „Snapchat“ total angesagt, dann ist es „Musical.ly“ und dann ist es auch egal, was das andere war, denn es ist schon längst vergessen. Das war damals schon anders. Ein Künstler hat es heute viel schwerer, da sich die Jugend auch nicht dafür interessiert, wer hinter der Musik steht, sie kennen die Songs und finden sie gut, aber wer wirklich dahinter steckt, ist nebensächlich geworden. Früher hast du dir auch viel Zeit genommen, dich damit zu befassen, was der Künstler macht, woher er kommt, es war nicht so vergänglich wie heute.


Gibt es Dinge, die du heute anders gemacht hättest?
Ja, hätte ich gewusst, wo die Reise hingeht, hätte ich mir sicherlich beim Namen mehr überlegt. Ob es besser geworden wäre, ist eine andere Frage. „BoBo“ ist ein Spitzname gewesen, der bis heute noch geblieben ist. Ich finde, ein Name wie „Shawn Mendes“ oder „Phil Collins“ klingt gut. Es gibt schon ein paar Künstler, die in derselben Situation waren, z.B. Lady Gaga. Die rauft sich bestimmt auch die Haare, das sie sich so genannt hat. Denn sie ist älter geworden und möchte seriös sein und ernst genommen werden. Damals hat es gut zu ihr gepasst, jetzt wird es etwas schwierig, aber sie muss es nun durchziehen. Bei uns war es damals Prince, der sich umbenannt hat auf „Symbol“. Wir haben uns damals gedacht, dass wir erstmal abwarten, wie es bei ihm mit der Namensänderung läuft und wenn es gut funktioniert, dann wollten wir auch wechseln, wenn nicht, dann lassen wir es bleiben. Man hat gesehen was passieret ist, es hat überhaupt nicht funktioniert. Aber ein Name wie „Shawn Mendes“ oder auch „Jon Bon Jovi“ wäre cool gewesen, denn „bobo“ heißt „Idiot“ auf Spanisch. Aber egal, wir hatten schon eine Tournee in Südamerika und der Name hat nicht geschadet.


Deine neue Tour heißt „Mystorial“. Was können die Fans nächstes Jahr erwarten?
„Mystorial“ ist eine Wortneuschöpfung, die von einem beauftragten Profi entwickelt wurde. Es ist eine Zeitmaschine, wir haben sie endlich erfunden. Wir reisen nicht nur durch 25 Jahre DJ BoBo, sondern auch durch die Menschheitsgeschichte. Wir reisen z.B. zu Kleopatra oder nach Paris im Jahre 1870 und natürlich auch in die Neunziger, wenn alles funktioniert. Auch die Bühne wird dementsprechend präsentiert, inklusive der Kostüme. Das ist sehr tricky, da sich alles innerhalb von Minuten ändern muss. Es wird sehr anstrengend für alle, aber es wird schon klappen. Und ich freue mich auch sehr darauf, denn eine Zeitmaschine wollte ich schon immer.

Wie hältst du dich denn für solch aufwendige Bühnenshows fit?
Ich spiele einmal in der Woche Fußball und das reicht. Und dann kurz vor der Tour fängt man natürlich das Proben an, aber wirklich nur auf die Tour hin. Das ist alles. Ansonsten esse ich auch relativ vernünftig.


25 Jahre ist schon eine Hausnummer. Wie schafft man es über all die Jahre am Ball zu bleiben und musikalisch erfolgreich zu sein, vor allem im Bereich Dance?
Der Schlüssel war bestimmt, dass wir herausgekommen sind aus der Dance-Schiene und zu Pop wurden und somit auch nicht mehr von den ganzen Diskotheken und Clubs abhängig waren. Außerdem sollte man versuchen, nicht zu oft im Gespräch zu sein, denn dann geht man den Leuten auf den Keks. Zwar kann man das nicht immer steuern, aber wenn du es steuern kannst, dann tue es und mach mal zwei oder drei Jahre Pause, das ist schon in Ordnung. Natürlich muss man erst einmal an diesen Punkt kommen, an dem man es sich erlauben kann. Man sollte sich schon trauen, einmal nichts zu tun und langweilig zu sein. Musikalisch sollte man auch nicht versuchen, irgendwelchen Trends hinterherzujagen, denn die sind immer schneller. Man sollte einfach sein Ding machen. Mir macht es auch genauso viel Spaß, hinter den Kulissen zu arbeiten, wie auf der Bühne. Hauptsache ich kann kreativ sein.


Du warst letztens auch Juror bei der RTL-Tanzshow „Dance Dance Dance“. Wie kam es denn dazu? Wie war diese Erfahrung für dich?
Mir wurde das Konzept vorgestellt, dass Videoclips nachgetanzt werden und ich war begeistert, denn so etwas gab es noch nicht im Tanzbereich. Es ist eine visuelle Inszenierung kombiniert mit Tanz. Ich habe sofort zugesagt und es hat mir auch riesig Spaß gemacht. Ich kannte auch meine beiden Jurykollegen Sophia Thomalla und Cale Kalay noch nicht und auch nicht die Teilnehmer. Die anderen saßen da und wussten wer das alles war, aber ich hatte keine Ahnung. Außer Daniela Katzenberger, die kannte selbst ich, der keine Boulevardblätter liest. Aber es war echt eine spannende Erfahrung zu sehen, wie die Leute versuchen, sich im monatelangem Training etwas anzueignen, was sie eigentlich nicht können. Und sie kommen ja auch sehr nah da heran. Es ist schön zu sehen, was mit Wille und Arbeit möglich ist. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.  

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 12.Nov.2016 | 06:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen