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Eckernförder Zeitung

23. Januar 2017 | 03:31 Uhr

Ein halbes Jahr unterwegs : Auf Schleuserjagd im Mittelmeer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Tender Main ist zu einer EU-Operation ins Mittelmeer ausgelaufen. Die Soldaten sollen Schleuser und Waffenschmuggel bekämpfen und Menschen in Seenot retten.

Eckernförde | Er soll Waffenschmugglern und Schleusern im Mittelmeer das Handwerk legen: Gestern ist der Tender „Main“ vom Marinestützpunkt in See gestochen, um im Rahmen der EU-Operation „Eunavfor Med – Sophia“ den Verkehr vor der libyschen Küste zu überwachen. Dazu gehört auch die Rettung von Menschen aus Seenot. „Wir haben in enger Absprache mit der italienischen Operationsführung das Recht, Schiffe aufzustoppen“, erklärte Kommandant Kapitänleutnant Christian Meyer (33). Die Besatzung wird sich dabei nach den Informationen der Nachrichtendienste richten, es können auch Boardingkräfte zum Einsatz kommen, die sich von Hubschraubern auf die gestoppten Schiffe abseilen und diese durchsuchen. Neben der eigenen Bordbesatzung werden auch Ärzte, Militärpolizei, Sprachmittler, Berater sowie Sicherungssoldaten an Bord genommen, sodass die Besatzung insgesamt 105 Frauen und Männer umfasst. Die „Main“ wird Ende März wieder in Eckernförde zurückerwartet.

Der Transit ins Mittelmeer soll zehn Tage dauern. Nach einer Übergabe an den Operationsverbund im Hafen von Augusta (Italien) wird der Tender „Main“ im Seegebiet zwischen Italien und dem libyschen Hoheitsgewässer operieren, um gemeinsam mit weiteren internationalen Marineeinheiten, einen Beitrag zur Bekämpfung der Schleuserkriminalität zu leisten. Er löst dort den Tender „Werra“ ab, der die Aufgabe bislang mit italienischen, französischen und britischen Einheiten erfüllt hat. Bis zu sieben Schiffe sind laut Christian Meyer für diese Aufgabe im internationalen Verbund unterstellt. Der 100 Meter lange Tender „Main“ – eigentlich ein Versorgungsschiff – sei mit seinem Bordkran, dem vielen Platz, zum Beispiel für den Transport von Speedbooten und anderes Material für die Rettung von Schiffbrüchigen, und einem Deck als Hubschrauberlandeplatz besonders gut für diese Aufgabe geeignet.

„Die letzten Wochen und Monate waren geprägt durch Einsatzausbildungsabschnitte und Materialausrüstungen“, so Kapitänleutnant Christian Meyer. „Im Rahmen der Einsatzausbildung und Vorbereitung hat die Besatzung sich sehr flexibel, äußerst leistungsfähig und motiviert gezeigt. Der Einsatz wird uns im Rahmen des operativen Auftrages, aber auch im Rahmen der Seenotrettung viel abverlangen.“

Die Besatzung wurde vom Kommandeur des 1. U-Boot-Geschwaders, Fregattenkapitän Lars Johst, verabschiedet. Er dankte unter anderem den Familien der Soldaten für ihren Rückhalt. „Jeder Seemann kann nur so gut sein, wie die Person, die hinter ihm steht.“

 

EU-Operation Eunavfor med „Sophia“
Seit Juni 2015 beteiligt sich Deutschland an der EunavforMed-Operation „Sophia“. Die Schiffe des Verbands tragen zur Aufklärung von Schleusernetzwerken auf der zentralen Mittelmeerroute bei und können auf hoher See gegen Boote vorgehen, die von Schleppern genutzt werden. Die Soldaten haben außerdem tausende Menschen aus Seenot gerettet. Derzeit sind zwei deutsche Schiffe, die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ und der Tender „Werra“, in dem italienisch geführten EU-Einsatzverband. Die Operation ist nach einem somalischen Mädchen benannt, das am 24. August 2015 an Bord der „Schleswig-Holstein“ zur Welt kam.

   Kernauftrag der Operation ist die Bekämpfung krimineller Schleusernetzwerke vor der libyschen Küste. Dazu werden die Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber der Operation „Sophia“ auf hoher See und im internationalen Luftraum zwischen der italienischen und libyschen Küste eingesetzt. Sie überwachen das Seegebiet und tragen durch Aufklärungsergebnisse dazu bei, dass ein umfassendes Bild über die Aktivitäten von Schleusern entsteht. Die Schiffe dürfen im Rahmen des Völkerrechts, der Mandate und der „Rules of Engagement“ militärische Gewalt zur Durchsetzung ihres Auftrags einsetzen.

   Der Rat der Europäischen Union beschloss am 20. Juni 2016, das Mandat der Operation bis zum 27. Juli 2017 zu verlängern. Der Deutsche Bundestag beschloss daraufhin, dass sich die Bundeswehr weiterhin an der Operation beteiligt. Das Mandat gilt bis zum 30. Juni 2017.

Quelle: www.bundeswehr.de

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erstellt am 18.Okt.2016 | 06:34 Uhr

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