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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 07:08 Uhr

Auf den Spuren von Frau Clara

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Spuren der wohltätigen Clara von Sehestedt verlieren sich nach ihrem Tod – kein Sterbedatum

Neulich ging ich durch die Frau-Clara-Straße Richtung Hafen. Das Haus, in dem sich die Kultkneipe „Frau Clara“ befand, wurde abgerissen und ein neues Gebäude errichtet, in dem sich ein Bekleidungsgeschäft befindet.

Erinnerungen wurden wach. Hier, in der Kultkneipe habe ich seinerzeit eine Mitternachtslesung gehalten, im Rahmen unseres Projekts „Clara von Sehestedt“, das wir 1995 unter der Schirmherrschaft der Stadt Eckernförde gestaltet haben. Lang, lang ist‘s her. Meine Cousine, Rita Elmholt, hat Bilder gemalt und Pappmach-Figuren hergestellt, ihr Bruder Holger Ceglars, der Fotograf, hatte eine Stummfilmsequenz gedreht, die sich ständig wiederholte, und ich hatte den verbindenden Text geschrieben.

Wir nahmen uns ein Jahr Zeit für die Vorbereitungen. Einmal im Monat schickten wir dem Kulturbeauftragten der Stadt Eckernförde, Sven Wlassack, eine Postkarte von Clara mit Grüßen im Sinne von „Ich komme bald“, um die Neugier anzufachen.

Im Juni 1995 war es dann soweit. Wir hatten eine 14-tägige Ausstellung mit Lesung in der alten Bauschule in Eckernförde (heute „Atavola“). Es wurde mein größter Erfolg.

Historisch gesehen wissen wir nicht viel über Clara. Sie lebte im 16./17. Jahrhundert, war eine geborene „von Ahlefeld“ und verheiratet mit Tönnies von Sehestedt. Sie besaß ein Haus in der Frau-Clara-Straße, das sie nur im Winter bewohnte, und das heute aber nicht mehr existiert. Sie war sehr wohlhabend und tätigte mehrere Schenkungen an die St. Nicolai-Kirche in Eckernförde.

Das Außergewöhnliche ist die Tatsache, dass es kein Sterbedatum von Clara gibt, weder auf dem Familien-Epitaph, noch in den Jahrbüchern der Stadt Eckernförde. Kein einziger Hinweis. In der Gruft der Familie Ahlefeld ist ihr Ehemann Tönnies sehr wohl verzeichnet, Clara aber nicht.

Was hat das zu bedeuten? Ist sie am Ende gar nicht gestorben oder gar eine Wiedergängerin? Da war Raum für Spekulationen, und so ließen wir der Fantasie freien Lauf. Ich entschied mich dann dafür, Clara als Hexe auf dem Scheiterhaufen sterben zu lassen. Nach den Heimatbüchern sind es nur vier Frauen gewesen, die in Eckernförde verbrannt wurden, in der Zeit der Inquisition, eine vergleichbar geringe Anzahl gegenüber anderen Städten.

Möglicherweise wäre das ein Grund dafür gewesen, dass ihr Sterbedatum nirgends verzeichnet wurde. Natürlich reine Fiktion, aber denkbar. So haben wir Frau Clara ein künstlerisches Denkmal gesetzt.

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