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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:27 Uhr

Familientreffen : Auf den Spuren gemeinsamer Vorfahren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Famlienzusammenführung in den Hüttener Bergen mit rund 80 Nachkommen von Jürgen und Anna Reimer

Viel Lob haben Heidrun und Peter Reimer für die Organisation des ungewöhnlichen Familientreffens erhalten. Den knapp 80 Gästen, über 30 von ihnen aus den USA und Kanada genossen die vergangenen Tage in Eckernförde, den Hüttener Bergen und der umliegenden Region. Für alle war es gleichzeitig auch eine Reise zu den eigenen Wurzeln.

Angefangen hatte alles vor etwa fünf Jahren mit einem gut 100 Jahre alten Schwarz-Weiß-Foto, auf dem das Bahnhofshotel Reimer in Brekendorf abgebildet war, wie es 1904 von Jürgen Heinrich Reimer gebaut wurde. Will Reimer aus Pewaukee/USA hatte das Foto aus dem Nachlass seines Großvaters vor vielen Jahren erhalten. Durch eine Notiz auf der Rückseite des Bildes erfuhr er, dass dieses Haus in Brekendorf stand und das neu erbaute Stammhaus der Familie Reimer in Deutschland zeigt. 2009 machte er sich auf die Suche nach der Herkunft seiner Vorfahren. Über das Internet fand er in Brekendorf den Namen Reimer und stieß so auf Hans-Heinrich Reimer, den Enkel und letzten Inhabers des „Hotel Hüttener Berge“. Ihnen schrieb er einen Brief mit dem Foto. Hans Heinrich und sein Bruder Peter Reimer aus Eckernförde konnten mit Hilfe des eigenen, vom Großvater Jürgen Heinrich erstellten Stammbaumes, die verwandtschaftlichen Zusammenhänge klären.

Will Reimers Großvater, Hans Hinrich (1849-1928), war 1882 in die USA ausgewandert. Er war eines von insgesamt neun Kindern von Jürgen Reimer (1814-1898) und Anna Reimer (geb. Jöns, 1821-1899), von denen vier in die USA und Kanada ausgewandert sind.

Vor allem Peter Reimers Frau Heidrun war es, die begann, die Geschichte der Familie aufzurollen. Sie recherchierte im Auswandererzentrum Hamburg, auch das Internet lieferte reichlich Informationen. So erfuhr sie, dass vier der neun Kinder von Jürgen und Anna Reimer Ende des 19. Jahrhunderts auswanderten. Ein weiterer Sohn, Johann Gerhard Peter Reimer (1844-1890), ist Urgroßvater ihres Mannes Peter und ihres Schwagers Hans-Heinrich. „Der Urgroßvater meines Mann war der Bruder von Wills Großvater“, so Heidrun Reimer. Zusammen mit Will in den USA stieß sie auch auf Johann Jürgen Reimer, der 1888 nach Alabama auswanderte.

Im Juni 2010 fand die erste Zusammenführungsfeier, die Reimer-Reunion-Party, in Pewaukee/Wisconsin statt. Rund 60 waren gekommen, viele sahen sich zum ersten Mal (wir berichteten). 2012 wurde erneut gefeiert, dieses Mal kamen gut 70 Nachfahren der Reimers zum zweiten Internationalen Familientreffen nach Fairhope/Alabama. 2014 traf man sich in St.Jacobs/Ontario.

Wieder zwei Jahre später, 2016, waren nun Heidrun und Peter Reimer selbst an der Reihe, ein Treffen in Deutschland, dort wo alles begann, auf die Beine zu stellen. „Vor etwa einem Jahr haben wir mit den Vorbereitungen begonnen“, erzählt Heidrun Reimer. Rechtzeitig wurde das Datum festgelegt, Zimmer gebucht und die Einladungen verschickt. Die Reimers erstellten farbige Buttons für die Großfamilie, so konnte jeder gleich sehen, wer aus der Linie Jürgen Reimers Kinder Margaretha, Catharina, Johann Jürgen, Hans-Heinrich, Johann Gerhard oder Jürgen Reimer stammt.

Ein abwechslungsreiches Programm haben sie für alle organisiert. Eine Stadtführung mit Stine und Fiete. „Die dauerte aufgrund der englischen Übersetzung länger als sonst“, erzählt die Eckernförderin. Eine Fahrt nach Glücksburg, zum Gut Ludwigsburg und natürlich nach Brekendorf sowie in die Hüttener Kirche standen auf dem Programm. „Leider ist ja in Brekendorf nicht mehr viel an der Stelle zu sehen, wo das Haus mal stand“, bedauert Heidrun Reimer. Auf der Anzeigentafel des Busses stand während der Fahrt immer „Reimer Reunion“

Der Besuch in der Hüttener Kirche sei gerade für die amerikanischen Gäste ein ganz besonderer emotionaler Moment gewesen. „Viele waren ergriffen, in der Kirche zu sitzen, in der schon die Vorfahren getauft und konfirmiert wurden“, sagt Heidrun Reimer. Pastorin Kerstin Hansen-Neupert hat auf Englisch über die Historie des Gebäudes erzählt. Aus den alten Kirchenbüchern hatte sie Aufzeichnungen gefunden, die die Taufen von Johann Jürgen Reimer 1880 und Margaretha Reimer 1842 dokumentierten. Elaine Bend aus den USA spielte auf der Orgel, abwechselnd auf Deutsch und Englisch wurde Psalm 23 aufgesagt, Günther Pankoke aus der Lüneburger Heide spielte auf der Trompete „Nun danket Gott“. „Viele der Deutschen waren vor dem Treffen skeptisch und hatten Berührungsängste“, berichtet Heidrun Reimer. Doch nach dem Wochenende hätten auch sie das Gefühl entwickelt, eine große Familie zu haben.

„Dieser Tag wird in der Geschichte der Familie Reimer ein ganz besonderer sein“, betonte Heidrun Reimer. „Nach rund 130 Jahren treffen sich heute zum ersten Mal die Nachkommen von Jürgen Reimer (geb.1814) aus Übersee und Deutschland hier in Brekendorf wieder, in dem Ort, von dem einmal alles ausging.“ 


 

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erstellt am 16.Jul.2016 | 08:57 Uhr

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