zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 10:58 Uhr

Unruhe in der Gemeinde : Anwohner lehnen Standort der Naturkindergruppe ab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Interessengemeinschaft wehrt sich gegen „Unwahrheiten“ und den geplanten Standort einer Schutzhütte.

Felm | Zur Zeit sind neun Kinder in der Naturgruppe der kommunalen Kindertagesstätte, aber die Liste der Anmeldungen verspricht Vollauslastung in den nächsten Monaten. „16 Kinder dürfen wir in den ersten zwei Jahren aufnehmen, für 17 haben wir schon Anfragen“, berichtet Bürgermeister Friedrich Suhr (CDU) und blickt zufrieden auf die Entwicklung. Es sei eine kostengünstige Lösung gewesen, mit der die Gemeinde der gesetzlichen Forderung nach Betreuungsplätzen nachkommen konnte, so Suhr weiter. Ein Kindergartenneubau sei durchgerechnet worden, aber 700  000 Euro hätte die angespannte Haushaltslage gesprengt.

Ein wenig verzögert habe sich der Bau der geplanten Schutzhütte. Entgegen ersten Informationen wurde eine B-Plan-Änderung notwendig. Bis gestern lag der Entwurf dafür im Amt Dänischer Wohld aus. Gut eine Handvoll Anregungen von Privatpersonen seien eingegangen. Auch mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Stiftung Naturschutz habe man sich inzwischen über die Nutzung eines etwa einen halben Hektar großen Grundstücks einigen können, teilte Suhr mit, er warte nur noch auf die schriftliche Bestätigung.

Aber: Seit Donnerstag vergangener Woche herrscht Unruhe in der Gemeinde. Die „Interessengemeinschaft Felm“ hat Schreiben in viele Haushalte verteilt, in dem die hohen Kosten für die Naturkindergartengruppe, die Einschränkungen der Lebensqualität der direkten Anwohner und die sture und undurchsichtige Arbeit der Gemeindevertreter kritisiert wird – „es war uns ein Anliegen, dieses noch einmal proaktiv transparent zu machen“ heißt es in dem Schreiben, für das es zunächst keinen konkreten oder ansprechbaren Absender gab.

In dieser Woche meldete sich ein Anwohner der Straße Bökeneck zu Wort: „Aufklärung betreiben“ wolle man mit dem Schreiben, erklärt Stephan Steiner. Er wirft der Gemeindevertretung vor, Tatsachen zu verfälschen. Die Naturgruppe mit der Schutzhütte, das sei bei weitem nicht die kostengünstigste Möglichkeit gewesen, aber die Lösung, die die Kommunalpolitiker um jeden Preis durchboxen wollten. „Es liegen konkrete günstigere Angebote vor – uns und den Gemeindevertretern“, so der 41-Jährige. Besonders die Größe der Schutzhütte und ihr geplanter Standort ist der Interessengemeinschaft ein Dorn im Auge. Es sei nachweisbar geplant, sie fest in den Tagesablauf einzubauen und nicht nur in Ausnahmesituationen zu nutzen, klagt er an. Lärm durch Kinder gebe es rechtlich zwar nicht, aber die Baugrundstücke seien den Anwohnern damals mit dem Argument der Ruhe und der unverbaubaren Grünfläche schmackhaft gemacht worden. Hier kommt auch der befürchtete Bringverkehr zum Tragen. Durch die Gemeinde ist vorgesehen, dass die Waldkinder immer an der Kita abgeliefert werden und zu Fuß kommen. „Im Moment sind alle sensibilisiert. In ein paar Jahren interessiert das Verbot hier keinen mehr“, befürchtet Steiner. Auch in der Umwidmung der Streuobstwiese sieht die Interessengemeinschaft eine Einschränkung, denn Hunde sind dort nun verboten. Von den Vorwürfen der Kinderfeindlichkeit distanziert sich Steiner, selbst Vater von zwei Kindern (14 und elf Jahre). „Wir begrüßen es, dass Kinder in den Wald und die Natur gehen“, sagt Steiner. Aber: „Eine neue Gruppe im Kindergartenanbau unterzubringen, die so oft es das Wetter zulässt, in den Wald geht, scheint sinnvoller zu sein“.

In Sorge über den Inhalt des Schreibens sind die Felmer Eltern, die die Naturkindergartengruppe nutzen oder noch nutzen wollen. Die Elternvertreterinnen Christine Fuhrmann, Daniela Czapp und Stefanie Pralle loben die Arbeit der Erzieher Olaf Gradert und Petra Ingwersen, die die Kinder behutsam und umsichtig an die Natur mit Wald und Tümpeln, Tieren und Pflanzen heranführen. „Emma geht sehr gern in die Gruppe. Sie sagt selbst, sie sei kein Kindergartenkind mehr, sondern ein Waldkind“, so Fuhrmann über ihre vierjährige Tochter. Stefanie Pralle freut sich, dass ihre Tochter Anike (4) wie ausgewechselt ist, seit sie mit in den Wald geht. Über das Schreiben der Interessengemeinschaft seien sie enttäuscht und traurig. „Schließlich sind es ja die Kinder, die darunter leiden, wenn sich der Bau der Schutzhütte noch weiter verzögert“, sagt Czapp, deren Sohn Justus (3) zu der Gruppe gehört. Die drei Mütter bedauern die eigenartige Stimmung, die in den letzten Monaten in der Gemeinde herrscht. „Einige Bürger grüßen plötzlich nicht mehr“, sagt Pralle und berichtet sogar von Vandalismus am provisorischen Schutzzelt der Kinder: Es wurden Heringe entfernt und Halteseile durchschnitten.

„Das ist ganz furchtbar und überhaupt nicht unser Weg“, sagt Steiner dazu. Genau wie die jungen Mütter und der Bürgermeister wäre er zu einem konstruktiven Gespräch, vielleicht mit einem Mediator oder Vermittler, bereit. Er zweifelt allerdings an der Kompromissbereitschaft der Gemeindevertretung. Und aufgeben will die Interessengemeinschaft auch nicht. „Wir werden unsere Ziele weiter verfolgen, bei Bedarf auch mit Rechtsunterstützung“, sagt Steiner.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 29.Okt.2016 | 05:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen