zur Navigation springen

Kirche : Angekommen in Schinkel: Pastor Dirk Schulz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schulz ist Experte für das Leben und Werk von Theologe und Widerstandskämper Dietrich Bonhoeffer.

Schinkel | Seit fast elf Monaten ist Dirk Schulz jetzt Pastor in Schinkel und den umliegenden Orten, oder wie es ganz offiziell heißt: im Pfarrbezirk III der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Jürgen Gettorf. Aufgewachsen ist er zusammen mit zwei Schwestern in Geesthacht an der Elbe, in Otjiwarongo in Namibila, Süd-West-Afrika und in Quickborn in Holstein. In den christlichen Glauben ist er von frühester Kindheit an hinein gewachsen. Sein Vater war Jugenddiakon. Bereits kurz vor dem Abitur war für ihn klar, dass er später als hauptamtlicher Mitarbeiter der Kirche die Frohe Botschaft verkündigen will. Dazu kam sein ausgeprägtes Interesse an Geschichte. „Im Theologiestudium studiert man auch die Geschichte der Religionen“, so Schulz. Nach dem Zivildienst studierte er deshalb in Hamburg und Heidelberg evangelische Theologie.

Im Dezember 1993 heiratete er seine Frau Peggy Kersten, die ebenfalls Pastorin ist. Beide haben inzwischen drei gemeinsame, fast erwachsene Kinder. Als er im Februar vorigen Jahres wieder zurück nach Schinkel kam – er war schon als Vikar zur Ausbildung für zwei Jahre hier – konnte er bereits auf vielfältige Berufserfahrungen zurückgreifen.


Vielfältige Berufserfahrung


Vor dem Vikariat war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Evangelische Sozialethik bei Prof. Dr. Wolfgang Huber, dem späteren EKD-Ratsvorsitzenden (Evangelische Kirche in Deutschland). Dort beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit dem Leben und Werk von Dietrich Bonhoeffer. Der bekannte Widerstandskämpfer und bis heute weltweit angesehenste deutsche Theologe war einen Monat vor Kriegsende auf persönlichen Befehl von Hitler hingerichtet worden. Schulz wurde Mitherausgeber des Bandes 14 und Herausgeber des Bandes 15 der Dietrich- Bonhoeffer-Werke.

Nach dem Vikariat arbeitete er als Gemeindepfarrer, als Studienleiter und Projektmanager an der Akademie Sankelmark, war zu Vortragsreisen in Polen, Japan und Österreich unterwegs. Schließlich war er persönlicher Referent des Bischofs in Schleswig, Kiel und Schwerin. Und jetzt Schinkel. Für Dirk Schulz gehört beides zusammen: „Die Kirche in der großen weiten Welt und die Kirche im Dorf sind zwei Seiten einer Medaille, die immer aufeinander bezogen sein müssen.“

Dirk Schulz freut sich über das Vertrauen, das ihm entgegen gebracht wird und die offenen Türen in der Gemeinde. Er versteht sich vor allem als Seelsorger. Ein Vers aus dem Römerbrief von Paulus ist ihm deshalb besonders wichtig: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Er will nahe bei den Menschen sein und das von Anfang an. Erfährt er von der Geburt eines Kindes in seinem Gemeindebezirk, besucht er die Eltern und nimmt sechs Flaschen Malzbier mit – unabhängig davon ob die Eltern zur Kirche gehören oder nicht. Angst, dass er jemanden vergisst, hat er nicht. Ohne Hinweise von Dritten funktioniert das nicht, sagt er. Inzwischen hat sich seine Aktion herumgesprochen und die Hinweise kommen immer öfter. Die Aktion kommt an.

Die Kirchengemeinde Gettorf erlebt er als ausgesprochen lebendig: Eine Gemeinde, in die er sein theologisches Profil gut einbringen kann. Neben seiner seelsorgerlichen Tätigkeit ist es ihm wichtig, Glauben und Verstand immer wieder zusammenzubringen. Die Verbindung von Glaube und Vernunft sei ein wichtiges Erbe der Reformation von Martin Luther, das immer wieder neu unter die Leute gebracht werden müsse, so Schulz.

Der Bonhoeffer-Experte Dirk Schulz wünscht sich, dass von Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers Impulse in unsere Zeit hinein strahlen. Konkret denkt er dabei an „die zentrale Verbindung zwischen Gewaltlosigkeit und unserer Rede von Gott. Gott und Gewalt gehen nicht zusammen. Leute, die Gewalt ausüben, können sich nicht auf Gott berufen.“ Es quält ihn, dass in unserer Zeit Gott ideologisch benutzt wird zur Begründung von Gewalt. Freilich kennt auch das Alte Testament Gewalt. Doch „Gott steht immer auf der Seite der Unterdrückten, damals auf der Seite der von den Ägyptern versklavten Israeliten.“




Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen