zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 07:03 Uhr

Sommerfest im Räuchereimuseum : Am besten frisch aus dem Rauch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Sommerfest der Museumsräucherei lockte zahlreiche Besucher in das alte Gebäudeensemlbe in der Altstadt. Der „Sprottenchor“ brachte auch auswärtige Gäste zum Mitsingen.

„Kopp af, Steert af, Grat rut un af in de Schnut“, empfiehlt Uwe Bengius seinen Zuhörern, und macht auch gleich vor, wie es geht. Worum es geht? Es ist die Sprotte, die einst den Eckernfördern zu Wohlstand verhalf und landläufig als Kieler Sprotte bekannt ist. Die Geschichte um den einstigen Eckernförder Exportschlager konnten die Besucher am Sonnabend beim Museumsfest in der Alte Fischräucherei in die Gudewerdtstraße 71 hautnah erleben.

Kalte Hände hat Anja Ketelsen, einzige Räucherfrau im Team um Räuchermeister Hartmann Hesse, nicht, aber durch Handauflegen auf den warmen Stahl überprüft sie, ob die Temperatur hinter den eisernen Türen des Altonaer Räucherofens stimmt. Während immer mal wieder eine Schaufel Buchenspäne in den Ofen wandert, wird „Opsteckfru“ Stine alias Christel Fries nicht müde, den ständig wechselnden Besuchern, Details des Museums zu erläutern. „Mehr als 40 Schornsteine haben früher über Eckernförde geraucht“, wird den staunenden Zuhörern erzählt. Was es mit der Dorsch-/Sprottenschaukel auf sich hat, erfahren die Besucher aus dem Mund von Uwe Bengius: Mit salzhaltigem Wasser aus der Nordsee kommt der Dorsch in die Ostsee und frisst die Sprotten, ändert sich die Strömung und der Salzgehalt nimmt ab, kommen die Sprotten zum Zug und fressen den Laich der abziehenden Dorsche.“

Während der Schornstein hoch oben über dem Hof weißen Räucherqualm über die Altstadt entlässt, erfuhren Kinder praxisnah im Hof, was es im vergangenen Jahrhundert bedeutete, als „Nageljunge“ sein Geld zu verdienen. So konnten die Kids unter Anleitung von Hans Willomitzer kleine Sprottenkisten zusammennageln und erfuhren dabei, dass es für 100 fertige Kisten 50 Pfennig gab. „Krumme Nägel wurden vom Lohn abgezogen“, so Willomitzer.

„Das ist ja hier ein richtiges Kleinod“, schwärmte Gabi Meggers, Besucherin aus der Pfalz und verglich die Gartenidylle unter schattigem Blätterdach mit Kaffee, Kuchen, Wein und Fischfrikadelle mit den Winzergärten in ihrer Heimat. Musikalisch lud der „Sprottenchor“ unter Leitung von Jörg Lüttjohann zum Mitsingen ein. Damit es auch für die auswärtigen Besucher mit dem norddeutschen Liedgut klappte, wurden vorbereitete Textseiten verteilt.

Noch ist nicht alles fertig, aber dank geschickter Hände von 180 Mitgliedern, die sich individuell einbringen, geht es stetig voran mit dem Projekt Alte Fischräucherei. „So ist der Nagelboden als Ausstellungsraum in Arbeit, aber auch der vordere Gebäudeteil mit dem Obergeschoss nimmt Gestalt an“, berichtet die Vorsitzende Katharina Mahrt. Regelmäßige Führungen, jeweils Sonnabendvormittags sind gut besucht und so manches liebevoll restaurierte Detail lässt erahnen, mit wie viel Herzblut die ehrenamtlichen Macher in diesem einzigartigen Museum dabei sind.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen