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Eckernförder Zeitung

02. Dezember 2016 | 21:17 Uhr

Als das Geschirrspülmittel noch Pulver war

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wie kindliche Phantasie im Umgang mit dem neuen Spülmittel für eine großen Feuerwehreinsatz sorgte

Opa Stork wohnte – wie ich – in 110, besaß dort ein kleines Lebensmittelgeschäft, Tante Emma Laden. Man nannte ihn Eier-Stork. Das Geschäft in Herford lief wohl mehr oder weniger gut. Meist hinten herum, nach den offiziellen Öffnungszeiten. 48-Stunden-Woche, Arbeitszeit war mit Ladenöffnungszeiten identisch. Die Leute standen nach Feierabend in Schlangen auf unserem Flur mit Einkaufszetteln, hinten herum ließ Opa keinen in den Laden, meist wurde angeschrieben. Jeder Kunde wurde individuell bedient.

Ab und zu hielt die Elektrische vor unserem Haus, auf der anderen Straßenseite, aus Bad Salzuflen kommend, obwohl dort gar keine Haltestelle war. Schaffner und Passagiere stellten Kartons mit Eiern und Butter auf den Gehweg, die irgendjemand in Loose auf die Plattform gestellt hatte und mit Eier-Stork adressiert hatte.

Spüli kam auf den Markt (es muss ’52 gewesen sein). Ein neuartiges Geschirrspülmittel, bisher wurde nur Ata und Imi verwendet. Opa bekam einen großen Karton mit hunderten von kleinen Probetütchen geliefert, damals noch in Pulverform. Flüssig gab es so etwas noch nicht. Auf einer kleinen Ablage unterhalb des Tresens stand der Karton tagelang im Laden, ohne dass ihm und dem Spülmittel einer der Kunden Aufmerksamkeit schenkte. Schließlich stellte Opa das Gebinde mit den Tüten vor seinen Laden, damit Passanten sich diese Proben mitnehmen konnten.

Wir Freunde – Kurt, Willi, Arno und ich –, eigneten uns den Karton an. Gegenüber Dennewitz und Jungfern befand sich eine kleine Stichstraße, die in einem Feldweg überging, der zum Meisenbrink führte. Parallel zu beidem floss ein kleiner Bach, etwa 200 Meter lang, der durch einen senkrechten Rost an der Salzufler in den Regenkanal mündete, der tief, etwa vier Meter, unter der Fahrbahn lag, man konnte das Gefälle hören. Zu viert schleppten wir den Spüli-Karton bergan zur Quelle des Meisenbachs und leerten die mehr als hundert Tüten in das fließende Wasser. Doch der Erfolg blieb aus, Schaum war nicht.

Allerdings hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn am Rost, an der Salzufler, war richtig was los, das Gefälle hatte das Spüli so richtig in Schwung gebracht. Die Barriere der leeren Tüten übernahm die Dosierung. Eine riesige Wurst aus Schaum quoll aus dem Schacht und wälzte sich, vom Wind getrieben über die Straße. Erst, weil nur kniehoch, durchfuhren die Fahrzeuge noch den flachen Schaumteppich, doch als er über zwei Meter in der Höhe anschwoll, war Ende mit Verkehr. Nur die Elektrische (Straßenbahn) donnerte da bimmelnd durch, es kam nicht darauf an, denn deren Gleise waren sowieso mit Toten gepflastert – mit Katzen, Hunden, Rädern, Krädern, Autos und Pferdewagen. Ich war immer wieder erstaunt, dass die Straßenbahn an den Haltestellen zum Stehen kam.

Nach einiger Zeit, weil das Schäumen nicht nachließ, kam die Feuerwehr und setzte noch einen drauf. Weil die Wehrmänner in das Loch spritzen, aus dem der Schaum kam, die Reaktion noch anfachten, dass selbst aus den Gully-Schlitzen jetzt die Gischt quoll. Schließlich bildete sich aber auf der Straße eine Wasserschicht, auf der der Schaum die Dennewitz hinunter, in den dortigen Graben geschoben wurde.

Schade, dass dieses niemand fotografiert hat. Vielleicht aber auch gut so, denn so gibt es keine Beweismittel.


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erstellt am 06.Sep.2016 | 06:20 Uhr

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