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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 15:32 Uhr

KABARETT : Alles Müller! Ein Abend mit Überraschungen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ob Karl Lagerfeld, Udo Lindenberg oder Karl der Große – Kabarettist Thomas Müller passte in jede Rolle. Das Stadthallenpublikum ging höchst vergnügt nach Hause.

Thomas Müller aus Magdeburg ließ am Freitag die Theaterbesucher in der Stadthalle staunen, zustimmend mit den Köpfen nicken, häufig von Herzen lachen und kräftig applaudieren. Als Kabarettist auf der Bühne – vor dem roten Vorhang – zog er alle Register, witzelte, sang und legte den Finger auf unterschiedliche, heikle und wunde (Polit-) Punkte. Als Meister der Verwandlung begegnete man in ihm nacheinander auch noch Karl Lagerfeld, Friedrich dem Großen und Udo Lindenberg. So konnte man diesen letzten Abend der aktuellen Theatersaison nicht unbedingt als „one-man-show“ definieren.

Allem Anschein nach hatten Kabarettist und Publikum zunächst ein paar Anlaufschwierigkeiten: Das Laute und manchmal schon Bekannte kam anfangs nicht so gut an. Thomas Müllers Spruch „erst schwach angefangen und dann stark nachgelassen“ war allerdings schnell ad acta gelegt. Mit zunehmender Programmdauer entpuppte sich der Kabarettist immer mehr als Tausendsassa, nahm sich eine fragwürdige Situation nach der nächsten vor und hatte bald alle Lacher auf seiner Seite. Balanceakte zwischen richtig böse und verständnisvoll zwinkernd gelangen immer besser, und bald hatte er sein Eckernförder Publikum doch rundum eingefangen.

Immerhin wissen jetzt alle, wo Lotto erfunden wurde – Goethes „Lotto in Weimar“. „Bei mir können Sie denken, was Sie wollen – Hauptsache, Sie denken überhaupt“, und dann fiel er über Bildungsgrade und diminuierten Sprachgebrauch her: „Als“ und „als wie“ als signifikante Anzeichen von Sprachbeherrschung – oder auch nicht. Leiden am Fernsehprogramm, allgemeine Fußballbegeisterung und die Freude an ewig langen Namen bei Politikerinnen wurden ebenso belästert wie Kannibalen bewitzelt. Mit Paris Hilton als „grenzdebiler Kuh“ leitete er über zu Karl Lagerfeld in Paris. Erstaunlich schnell hatte er sich mit wenigen typischen Attributen in den einzigartigen Modezar verwandelt, imitierte dessen unverwechselbare Sprache und Gebärden in frappierender Deutlichkeit. Da ging’s den Frauen zu Leibe: Einparken, Schönheitsoperationen, Reizwäsche –passend dazu gab es den „Pariser Tanga“ gespielt (Gitarre) und gesungen von Thomas Müller.

Im zweiten Teil des Abends lief der Kabarettist zu vollen Formen auf, gleich ob er als der „Alte Fritz“ über Banken und Finanzen wetterte – mit Schwenk zu Siegmar Gabriel und Seitenhieb auf „Wolle“ Schäuble, oder ob er über Ernst August von Hannover und Berlusconi messerscharf herzog, hier war Thomas Müller in seinem Element, hier punktete er mit atemberaubender Wortgewandtheit und stechendem Witz. Über „standrechtliche Exekutionen“ und sein Lied „… gehen wir Bänker vergiften im Park!“ kam er zur Einsicht: „ Nur wer von Herzen negativ denkt, kann positiv überrascht werden.“ Eingestreute Witzchen über – immer wieder mal – Kannibalen und dann auch Schwule leiteten über zur nächsten Paraderolle: Müller mimte Udo Lindenberg. Allein diese Szene machte das aktuelle Abendprogramm der Theatergemeinschaft Eckernförde absolut sehenswert: Hut, Unterlippe, typische Handbewegungen, diese „weichen“ Knie und vor allem dieses ach so vertraute Genuschel. Das Publikum schmiss sich weg vor Vergnügen.






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