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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 08:52 Uhr

Alles hat seinen Platz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Warum manche Menschen alles an ihren gewohnten Platz stellen und andere nicht

Sie wird oft deswegen auf den Arm genommen – alles hat seit Jahren, eher Jahrzehnten, seinen angestammten Platz. Ihre Tochter sagt, sie könne im Haus auch nach Jahren der Abwesenheit alles blind wiederfinden…

Ist diese Marotte nun Ordnungsliebe? Oder Phantasielosigkeit? Oder, und dazu tendiere ich, ist alles so wie es ist, einfach nur optimal angeordnet und untergebracht? Vielleicht hängen bei Trixi die Bilder da, wo sie hängen, genau richtig, passend zu Schrank, Wand und Einrichtung. Vielleicht muss der Kerzenständer genau neben dem Sofa stehen, weil es so einfach am gemütlichsten ist. Warum soll man Dinge ändern, wenn sie einem gut gefallen? Und in der Küche hat die Ordnung ja wirklich ihren Sinn, das sehe ich genauso.

Obwohl – das einzig Beständige im Leben ist der Wandel, sagte Schopenhauer, auch Heraklit soll sich schon vor 2500 Jahren so geäußert haben. Und Sprichwörter, das wissen wir ja alle, bergen immer auch ein Quäntchen Wahrheit in sich.

Bartholomäus Grill, einer meiner Lieblingsautoren, der Afrika und seine Menschen gut kennt und sehr mag, war einmal in Südafrika zu Gast bei einem Lehrerehepaar und wusste nicht so recht, wo er Platz nehmen sollte. Alles war seit Jahren mit Plastikhüllen geschützt vor Beschädigung und Abnutzung, es sollte weißen Wohnstil repräsentieren, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit, und wurde selbstverständlich niemals umgeräumt. Ausgeprägte Ordnungsliebe und Sauberkeit fand mein Schriftsteller so manches Mal auch bei seinen Besuchen in den hintersten Urwalddörfern. Es scheint beileibe keine preußische Urgewohnheit zu sein.

In seinem Buch „Wer Meer hat, braucht weniger“ beschreibt Marc Bielefeld, ein Journalist und passionierter Segler, was Unordnung während eines sehr stürmischen Segeltörns anrichten kann. Nach dieser Lehre zog, Originalton Bielefeld, „eine wunderbare Form der Ordnung“ auf seinem Boot ein. Er wusste seitdem genau, wo jedes Ding verstaut war.

Naja, auch ich mag es, wenn ich Sachen immer dort, wo sie bisher ihren Platz hatten, wiederfinde. Und doch muss ich ab und zu in meiner Wohnung andere Blickwinkel schaffen, das eine oder andere Bild umhängen, was natürlich nach sich zieht, dass die anderen dann auch anders angeordnet werden und Löcher in der Wand abgedeckt werden müssen. Vasen, Kissen, auch Bücher und anderer Dekorations-Kleinkram werden schon mal umgeräumt.

Oster- und Weihnachtsdekorationen unterliegen ja eh einer gewissen Flexibilität, leider, denn ich verstaue dann „alle Jahre wieder“ die sich immer noch mehrenden Deko-Artikel an anderen Plätzen im Keller. Eine Lichterkette suche ich seit Jahren, Trixi eben nicht, die findet alles auf Anhieb - wie Marc Bielefeld auf seinem Segelboot.

Trixi ist allerdings seit dem Einzug in ihr Haus vor über dreißig Jahren nie mehr umgezogen. Das mag erklären, warum alles immer noch seinen Platz hat. Vieles spricht ja auch dafür, denn nur dann findet man wirklich alles sofort wieder. Ich dagegen bin dann doch – siehe Lichterkette –, öfter auf der Suche. Ganz kompliziert ist es, wenn ich Dokumenten oder Geld einen anderen, weil vielleicht in meiner Einbildung besseren Platz zugedacht habe. Dann habe ich manchmal tagelang meine Wohnung auf den Kopf gestellt. Trixi kann sich freuen, denn das passiert ihr nie!

Auch wenn ihre Tochter sie mit ihren Äußerungen immer wieder mal auf den Arm nimmt – Trixi bleibt sich treu, und das finde ich sehr liebenswert. Aber wenn nun alles seinen Platz hat, „so hat auch alles seine Zeit“, steht ja schon in der Bibel. Wer weiß, vielleicht steht demnächst doch zur Verblüffung der Tochter der Kerzenständer ganz woanders…

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erstellt am 30.Sep.2016 | 20:06 Uhr

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