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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 23:18 Uhr

Ernte : Alles dreht sich um den Mais

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil zehn: Auf dem Hof Köhn ist die Maiskampagne 2016 geschafft / Gute Ernte und Qualität für die Anlage der Futtersilage

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Die Erleichterung auf dem Hof Reimer Köhn ist groß. Die diesjährige Maisernte ist geschafft – die Qualität und Quantität gut bis sehr gut und das Wetter spielte auch mit. „Damit ist das Rinderfutter für das nächste Jahr sicher“, sagt Reimer Köhn. Hinter der Familie, ihren Mitarbeitern und Helfern liegen anstrengende Tage. An vier Tagen an zwei Kampagnen wurden über 80 Hektar Mais geerntet. Der Ertrag liegt bei 40 bis 45 Tonnen je Hektar, rund 3000 bis 3500 Tonnen Maissilage wurden eingefahren.

Ohne die technische Unterstützung von Subunternehmern wäre so etwas nicht möglich, sagt Köhn. Dabei setzt Köhn auf Rüdiger Bahr, der mit seinen modernen Maishäckslern Hektar um Hektar mäht. Im Fünfminuten-Takt werden die beladenen Anhänger gewechselt, die neben dem Häcksler fahren und das 5 bis 8 Millimeter kleine Häckselgut auffangen. Zugleich werden die Maiskörner in der Maschine zermalmt, damit die Rinder später die Maisstärke (Energie) des Futters besser verwerten können.

Und während Köhns Mitarbeiter Martin Buschkowsi und Rüdiger Burkowski im Wechsel die gefüllten Anhänger zum Hof fahren, werden sie dort vom Walzer erwartet. „Das ist mit die wichtigste Aufgabe“, sagt Köhn. Der Walzer verteilt das Häckselgut und walzt es mit dem rund 15 Tonnen schweren Trecker platt. Dessen Räder sind mit Wasser gefüllt und er führt ein mehrere Tonnen schweres Gewicht mit, damit möglichst viel Luft aus dem Maisschredder heraus gepresst wird. Dann kommt eine dünne Folie darüber, auf die dann eine dickere Folie folgt. Über alles wird dann ein Netz gelegt, das mit Reifen und Sandsäcken belegt wird. „Luft und Wasser dürfen da nicht hinein“, erklärt Köhn, worauf es ankommt bei der Anlage einer Silage. Sobald die Abdeckung ein Loch hat, und Wasser und Luft eintritt, beginnt ein Gärprozess, der das Futter ungenießbar für die Tiere macht. Daher legt Köhn viel Wert auf sauberes Arbeiten.

Nun hofft Reimer Köhn, dass das Wetter noch ein paar Tage im Oktober trocken bleibt. Sie wollen einen möglichst großen Anteil der Maisflächen mit der Kreisselegge bearbeiten und so die Maisstümpfe aus der Erde holen und zerkleinern. Dort hinein wird dann Roggen eingesät. Vorteil der Variante sei, dass die Stumpen im Winter durchfrieren und mit ihnen auch die Larven des Maiszünzlers. Ein Schädling, der die Entwicklung der Pflanze schwächt und zu Ernteausfällen führt. Noch sei er im Norden nur selten anzutreffen, so Köhn. Dennoch ist er von der Begrünung der Flächen vor der erneuten Aussaat von Mais im Folgefrühjahr überzeugt ist. Gerade auf leichten Böden sei Mais auf Mais ideal. „Der Mais hat zu unrecht einen schlechten Ruf“, sagt Reimer Köhn, da er optimal Nährstoffe aufnehme. Zugleich benötige die Pflanze nur maximal zweimal Pestizide, das sei sehr viel weniger, als bei anderen Kulturen.

Was an den Arbeitstagen anliegt, wer was macht, das wird oft am Frühstückstisch besprochen. „Um 9 Uhr ist Frühstück, und um 12 Uhr ist Mittagessen“, sagt Gerda Köhn. Die Zeiten sind gesetzt. Gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter Silke kümmert sich die 81-Jährige um die Versorgung der Mannschaft. Wenn der Arbeitstag um 6 Uhr mit dem Melken beginne, dann sei das Frühstück absolut wichtig, bestätigt die Mannschaft umgehend. Am Tisch wird dann auch über die Milchkrise geredet, die endlich zu Ende gehen müsse. Man warte sehnsüchtig darauf, dass die Auszahlungspreise endlich wieder stiegen, so Reimer Köhn. Ihre Hoffnung: „Am Milchspott-Markt in den Niederlanden und in Italien wurden schon 40 Cent je Kilogramm Milch gezahlt, vor drei Wochen waren es erst 35 Cent.“ Im September bekamen sie 26 Cent.

Noch geplant für Oktober ist ein weiterer Schnitt des Grünlands, die Ausbringung von Gülle und die Herrichtung des Schweinestalls zur Aufnahme von 500 Ferkeln zur Mast. Quasi nebenbei kümmert sich die Familie täglich um die Versorgung und Betreuung der rund 350 Rinder und das täglich zweimalige Melken der etwa 170 Milchkühe. Zu tun gibt es immer etwas, wenngleich sich die Familie auf den Winter freut, dann ist auf Acker und Grünland Pause.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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