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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

4000 Jahre Pfahlbauten: So lebten unsere Vorfahren

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einblicke in eine versunkene Welt / Historische Pfahlbauten in Unteruhldingen sind Weltkulturerbe der Unesco

Wie haben unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit und Bronzezeit gelebt, wie war ihr Alltag, ihre Kultur und welche Techniken beherrschten sie? Baden-Württemberg gehört zu den reichsten archäologischen Fundlandschaften Deutschlands und Mitteleuropas, die uns hierüber Aufschluss geben können. Die zum Unesco-Welterbe zählenden Pfahlbauten in Oberschwaben und am Bodensee sind eindrucksvolle Beispiele dieses archäologischen Reichtums.

In der großen Landesausstellung Baden-Württembergs – „4000 Jahre Pfahlbauten“ in Bad Schussenried und Bad Buchau – wird man in eindrucksvoller Weise mit diesem Teil unserer Menschheitsgeschichte vertraut gemacht. Die prähistorischen Pfahlbauten in den Seen und Mooren geben uns Einblicke in die versunkene Welt der frühen Bauern Europas, ihr tägliches Leben, Landwirtschaft, Viehzucht und technische Innovationen in der Zeit vom 5. bis 1. Jahrtausend vor Christus. Unter Luftabschluss in ständig nassem Milieu ergaben sich ausgezeichnete Erhaltungsbedingungen insbesondere für organische Materialien. So wurden Architekturteile, Holzwerkzeuge, Fischernetze, Musikinstrumente, Textilien, Keramiken und verkohlte Essensreste gefunden. Mit Filmen, Computeranimationen und interaktiven Angeboten werden die Entwicklungen anschaulich gemacht. Hochkarätige Exponate aus namhaften nationalen und internationalen Sammlungen ergänzen die Ausstellung.

Die frühen Getreidesorten Emmer und Einkorn waren das wichtigste Grundnahrungsmittel der sesshaften Bauern. Auch Fleisch und Fisch standen auf dem Speiseplan. Man erfährt auch, dass Kaugummi keine Erfindung der modernen Industriegesellschaft ist. Es gab ihn schon vor 6000 Jahren. Er war aus Birkenpech und ursprünglich nicht dafür gedacht, um auf ihm herumzukauen, sondern um Steinwerkzeuge an Holzschaften zu befestigen und Einbäume damit abzudichten.

Die Menschen der Steinzeit (6000 bis 2200 v. Chr.) lebten in kleinen Gemeinschaften. In allen Pfahlbausiedlungen lassen sich durch Importstücke Kontakte nachweisen zur Ostsee, nach Süditalien, Frankreich und Ungarn. Die meisten Dinge wurden wohl zu Fuß mit Rucksäcken (ein Exemplar eine urzeitlichen Rucksacks ist zu bewundern) oder in Einbäumen über Wasser transportiert.

Eines der ältesten Räder der Welt mit Achse aus der Zeit zwischen 3300 und 3100 v. Chr. ist beeindruckend. Aus den Fundstücken der Bronzezeit (2200 - 800 v. Chr.) kann man verfolgen, wie Wagen und Räder ständig verbessert wurden, Pferde domestiziert und als Reit- und Zugtiere genutzt wurden. Mit der Erfindung der Bronze, einer Kupfer-Zinnlegierung, begann die Herstellung von Waffen und Werkzeugen aus diesem Material. Steinerne Stelen und Mehnhire der Steinzeit sowie Mondidole und andere Motive der Bronzezeit, die zum Kreis der Sonnensymbolik gehören, sind zu sehen. Grabfunde geben Einblick in Totenritual und Jenseitsvorstellungen.

Die Ausstellung 4000 Jahre Pfahlbauten, die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Gauck steht, kann noch bis zum 9. Oktober 2016 besucht werden. In Bad Schussenried werden die jungsteinzeitlichen Siedlungen und Pfahlbauthemen vorgestellt, während in Bad Buchau die Bronzezeit im Mittelpunkt steht.

Eine vorzügliche Rekonstruktion von Pfahlbauten befindet sich in Unteruhldingen, am nicht weit entfernten Bodensee, in einem der größten Freilichtmuseen Europas.


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erstellt am 20.Jul.2016 | 17:52 Uhr

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