zur Navigation springen

Barmstedter Zeitung

01. Juli 2016 | 01:10 Uhr

Fracking in Barmstedt : „Wir wollen die hier nicht“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Bürgerinitiative Frackingfreies Auenland informiert in Barmstedt über die Möglichkeiten zum Widerstand.

Barmstedt | Am Ende seiner Rede versagte Reimer Offermann fast die Stimme. „Nerven Sie Ihre Politiker, schreiben Sie Ihnen, immer wieder!“, forderte er die Zuhörer auf. „Sonst fragen unsere Kinder und Enkel uns später: ,Was habt ihr dagegen getan?’“ Vor den etwa 80 Besuchern des Info-Abends über Fracking im „Heeder Damm“ hatte der Heeder Bürgermeister das Wort ergriffen, um vor den Gefahren der umstrittenen Gas- und Ölfördertechnik zu warnen. In den USA seien durch Fracking viele Gegenden unbewohnbar, sagte Offermann. Barmstedt und den umliegenden Gemeinden könnte ein ähnliches Schicksal drohen, warnte er: „Den Firmen geht es nämlich nicht darum, ob der Kreis Pinneberg schön ist – die wollen nur Profit machen.“

Heede könne bereits von den vorbereitenden Arbeiten für mögliche Förderungen betroffen sein, stellte Offermann fest, denn zwei der Linien, an denen entlang das Unternehmen PRD Energy den Boden auf Erdölvorkommen untersuchen will, verliefen durch die Gemeinde. Er ärgerte sich zudem darüber, dass das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) den Konzernen „im Hau-Ruck-Verfahren“ eine die Erlaubnis erteilt habe, die Flächen aufzusuchen, in denen Erdöl vermutet wird. „Das ging ganz fix. Aber wenn wir ein Baugebiet um fünf Meter erweitern wollen, ist das ein riesiger Prozess.“ Da die Behörden den Konzernen ihre Aktivitäten nicht untersagt hätten, bliebe zunächst nur der Widerstand der Bürger, so Offermann.

In dieselbe Richtung zielt die Bürgerinitiative (BI) Frackingfreies Auenland aus Brande-Hörnerkirchen, die den Info-Abend organisiert hatte. „Wir wollen es den Konzernen so unbequem wie möglich machen, damit sie das Handtuch werfen“, sagte Christa Neumann-Wilken und wurde deutlich. „Wir wollen die hier nicht.“ Er frage sich, weshalb das Unternehmen überhaupt im Bramstedter Raum nach Öl suchen wolle, sagte der Referent, BI-Mitglied und Geologe Siegfried Sensch. „Im alten Ölfeld  können maximal noch 160.000 Tonnen lagern. In ganz Deutschland werden jährlich 150 Millionen Tonnen Mineralölprodukte verbraucht. Wozu also der ganze Kampf?“ Er fürchte allerdings, dass es kein Zurück mehr gebe, sagte Sensch. „Wenn der Zug erstmal rollt, ist er nicht mehr zu stoppen.“ PRD habe für zwei Millionen kanadische Dollar Daten gekauft, um die Flächen auszuwerten.„Doch die Daten allein werden dafür nicht ausreichen. Sie werden den Boden untersuchen wollen – und zwar bald.“ In Gebieten, die die dafür notwendigen, 50 Tonnen schweren Spezialfahrzeuge nicht erreichen können, seien unterirdische Sprengungen nötig. „Da fragt man sich, was zum Beispiel mit Drainagen passiert, die im Weg sind.“ Zudem verliefen die Linien für die seismischen Untersuchungen teilweise durch Naturschutzgebiete oder ökologisch wertvolle Landschaften – etwa nahe des Bokeler Sees.

„Dürfen Eigentümer den Unternehmen verbieten, ihr Grundstück zu betreten?“, wollte ein Zuhörer wissen. Heike Otto (BI) empfahl dafür die Hinweisschilder, die auf der Internetseite der BI (www.frackingfreies-auenland.de) heruntergeladen werden können. „Wenn die überall stehen, schreckt das ein Unternehmen sicher ab“, sagte Sensch. Pressesprecher Sönke Wendland vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, Eigentümer dürften den Zutritt verweigern. „Dann wird sich das Unternehmen im Zweifel eine andere Fläche suchen.“ Allerdings könne auch ein Antrag beim LBEG gestellt werden – nach dessen Genehmigung dann des Grundstück betreten werden dürfe.

Konzern will Bedenken zerstreuen

PRD-Sprecherin Gabriele Junker sagte auf Anfrage, der Konzern suche stets das Gespräch mit den Eigentümern, „um eventuelle Bedenken zu hören und den gesamten Vorgang zu erklären. Die bisherige Erfahrung bei anderen Projekten zeigt, dass eine gemeinsame Erörterung die nachvollziehbaren Bedenken meist zerstreut.“ Unabhängig davon, betonte Junker, sei derzeit noch nicht klar, ob PRD das Erlaubnisfeld überhaupt seismisch untersuchen werde.

Die BI zeigte sich mit der Resonanz auf den Abend zufrieden. „Es ist schön, dass so viele da waren – auch wenn es für Barmstedt an sich zu wenig sind“, sagte Neumann-Wilken. Ziel sei es, eine eigene Regionalgruppe für Barmstedt zu gründen.

Laut PRD-Sprecherin Gabriele Junker wertet der Konzern seit einem Jahr Unterlagen von Unternehmen aus, die früher im Erlaubnisfeld Bramstedt tätig waren. „Das dauert ein bis zwei Jahre. Sollte die Bewertung dazu führen, dass wir Erkundungsmaßnahmen für erforderlich halten, möchten wir die zuständigen Kreise, Gemeinden und Bürger involvieren. Darüber hinaus steht erst ab diesem Zeitpunkt fest, ob wir eine Seismik, also eine Messung des Untergrunds mittels Schallwellen, durchführen. Dafür ist ein gesonderter Antrag nötig. An der Seismik und deren Auswertung werden auch der Kreis und die Gemeinden beteiligt. Sollten wir aufgrund der Seismik zu dem Schluss kommen, dass es ein Ölreservoir gibt, bei dem es ökonomisch und unter unseren hohen Sicherheitsstandards – auch für die Natur – möglich ist, eine Probebohrung niederzubringen, würden wir sie beantragen. Erst nach positivem Bescheid können wir sie durchführen. Abhängig vom Ergebnis entscheiden wir, ob wir zu einer längerfristigen Produktion übergehen. Auch dafür ist eine  Bewilligung nötig. Bei all diesen Schritten kann es dazu kommen, dass wir beschließen, dass wir die Aufsuchung nicht weiterverfolgen können oder wollen. Dann geben wir die Aufsuchungserlaubnis vorzeitig ans Bergamt zurück.“
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 17.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen