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Barmstedter Zeitung

31. Mai 2016 | 02:07 Uhr

Bürgerinitative „Frackingfreies Auenland“ : Widerstand wird immer größer

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Im Norden des Kreises Pinneberg wächst der Widerstand gegen Fracking. Am Dienstagabend gründeten fünf Frauen aus der Region Barmstedt die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“.

Barmstedt | Erfolgreicher Start für die Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“: Etwa 70 Gäste haben während der Gründungsveranstaltung am Dienstagabend in Brande-Hörnerkirchen ihre Absicht zur Mitarbeit in der Initiative erklärt. Das berichtete Marion Ecke aus Brande-Hörnerkirchen – eine der Gründerinnen – gestern auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir sind total überwältigt und geplättet“, sagte sie über die große Resonanz. Die Initiative ist die erste ihrer Art in der Region und setzt sich für ein Gesamtverbot von Öl- und Gasförderung im Bereich des Erlaubnisfelds Bramstedt ein (diese Zeitung berichtete).

Viel Applaus für Referent Reinhard Knof

Großen Applaus erhielten Referent Reinhard Knof und der Nützener Gemeindevertreter Siegfried Sensch während der Veranstaltung. Knof schilderte, was das Förderunternehmen PRD Energy im Bereich des Erlaubnisfelds Bramstedt – in dem auch Barmstedt liegt – plane. Sensch schlug vor, zusätzlich zur Bürgerinitiative eine Interessengemeinschaft auf kommunalpolitischer Ebene zu bilden.

Während seines halbstündigen Vortrags zählte der Chemiker und Geologe Knof verschiedene Szenarios auf, die im 657 Quadratkilometer großen Erlaubnisfeld Bramstedt möglich seien. Dabei brachte er neben dem Fracking (siehe Info-Kasten) auch das sogenannte Enhanced Oil Recovery (EOR) ins Gespräch – eine Technik, die die Ausbeute bei der Ölförderung erhöhen soll. „Das sind durchaus Optionen, mit denen hier gerechnet werden muss“, so Knof.

Warnung vor teilweise giftigen Chemikalien

Die beim Fracking eingesetzten Chemikalien seien teilweise hochgradig giftig, das Grundwasser würde durch ihren Einsatz gefährdet werden. In diesem Zusammenhang warnte Knof unter anderem auch vor einer Zunahme der Luftverschmutzung und des Schwerlastverkehrs: „Die Straßen, die befahren werden, sind in großen Teilen dafür nicht geeignet“, erläuterte er. Zudem gebe es keine Vorsorge und keine Pläne für den Notfall.

Nächster Schritt nach der Erlaubniserteilung ist laut Knof die Seismik. Auf der Suche nach Rohstoffen würden dazu Mikro-Erdbeben erzeugt werden. „Da haben sie ein Klagerecht, das sollten sie nutzen“, gab er den Gästen mit auf den Weg.

Kommunen sollten sofort aktiv werden

Knof forderte Kreise, Ämter und Gemeinden in diesem Zusammenhang auf, sofort aktiv zu werden. „Wer sich nicht frühzeitig bewegt, wird nichts erreichen.“ Möglich sei es, Resolutionen zu verabschieden oder gegen anstehende Betriebsplanverfahren Widerspruch einzulegen. „Das komplizierte Bergrecht und die Unwilligkeit des Landesbergbauamts zur Zusammenarbeit machen es erforderlich, sich frühzeitig rechtlichen Beistand zu holen“, heißt es in seiner Präsentation. Auch die Bürger könnten ihren Teil dazu beitragen. Vor allem an die Landwirte gerichtet sagte er: „Stellen Sie den Unternehmen kein Land zur Verfügung.“ Und weiter: „Arbeiten Sie in der Initiative mit und fordern sie ihre Politiker zum Handeln auf.“

Während der Fragerunde schlug Siegfried Sensch, Gemeindevertreter aus Nützen (Kreis Segeberg) vor, auf kommunalpolitischer Ebene eine Interessengemeinschaft für die Felder Bramstedt und Elmshorn zu gründen. „Das sind fast 100 Kommunen“, so Sensch. „Wenn die ihre Interessen bündeln, haben sie die finanziellen Möglichkeiten, sich juristische Unterstützung zu sichern.“ Ähnlich äußerte sich auch Hans-Jürgen Kütbach, Bürgermeister von Bad Bramstedt: „Wir müssen da ein gemeinsames Ziel entwickeln. Derzeit gibt es keinen Anlass zur Entwarnung. Die Verfahren laufen weiter.“

Gegen Fracking: FWB übergibt 1500  Unterschriften in Kiel

Gegen Fracking, also die umstrittene Öl- und Gasförderung im Erlaubnisfeld Bramstedt, haben sich 1500 Menschen aus Barmstedt und den Umlandgemeinden mit ihrer Unterschrift ausgesprochen. Initiiert hatte die Unterschriften-Aktion die Freie Wählergemeinschaft Barmstedt (FWB). Die Listen überreichten Mitglieder der FWB vor Kurzem  an Andreas Wasieleswki vom Umweltministerium in Kiel. „Die Bürgerinitiativen gegen Fracking in Schleswig-Holstein werden noch gemeinsam vom Umweltministerium eingeladen“, berichtete FWB-Pressesprecherin Susanne Rattay nach dem Treffen in der Landeshauptstadt.

Sie dankte zudem allen Geschäften und Einrichtungen in der Region, die die Unterschriftenlisten ausgelegt hatten. „Wir wollten mit dieser Aktion mehr Leute wachrütteln und sie animieren, über das Fracking und die Folgen nachzudenken“, so Rattay. Schließlich liege Barmstedt samt Umland im Zielgebiet von Bohrungen. Außerdem sei es  die Absicht der FWB gewesen, mit dem bekundeten Bürgerinteresse das Kieler Ministerium zu unterstützen, das sich weiterhin um eine bundesweite gesetzliche Grundlage für ein Frackingverbot  bemühen soll. (hpe)

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erstellt am 07.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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