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Barmstedter Zeitung

10. Dezember 2016 | 08:07 Uhr

Plattdeutsche Lesung in Barmstedt : Von Tante Dora und ihren Anchovis

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Christa Heise-Batt las im Humburg-Haus vor etwa 60 Zuhörern humorvolle Geschichten aus dem Leben vor.

Barmstedt | Plattdeutsch vom Feinsten haben am Sonntagnachmittag etwa 60 Besucher im Barmstedter Humburg-Haus genossen. „Sie ist der Popstar der plattdeutschen Sprache“, stellte der Vorsitzende vom Verein Humburg-Haus, Jörg Dittmer, die Autorin Christa Heise-Batt vor. Diesem Anspruch wurde sie gerecht, fanden die Zuhörer. Sie las aus dem Leben gegriffene Geschichten vor, die sie aus subtiler Beobachtung heraus in humorvolle Sätze gekleidet hatte. Auch Kindheitserinnerungen aus ihrem Dorf in Dithmarschen kamen vor.

Die Zuhörer amüsierten sich über die Erzählung über den norddeutschen Winter, der nur eines bedeutete: Nachbarn „visiterieren“ und dort jede Menge Kuchen essen. Hatte der eine fünf Torten gebacken, offerierte der andere am nächsten Tag eine mehr. Ablehnen sei gar nicht gegangen, sagte Heise-Batt – es sei prompt die Frage gekommen: „Schmeckt es nicht?“ Liebevoll nahm sie das Dorfleben aufs Korn und charakterisierte etwa Tante Dora, „lütt un rund mit’m Dutt“. In ihrem kleinen Laden gab es alles, natürlich auch Bonsche in leuchtenden Farben. Eine vornehme Frau von außerhalb sei einmal gekommen und habe Anchovis verlangt. Sie habe das Wort derart gespreizt ausgesprochen, dass niemand sie verstanden habe. „Tante Dora schärfte mir ein, so ein unanständiges Wort ja nie auszusprechen“, so Heise-Batt.

Ihre Grundeinstellung von Toleranz und dass alle Menschen gleich seien, verpackte Heise-Batt in zahlreiche Geschichten, in denen Vorurteile Konjunktur haben – etwa, wenn im Dorf ein Bauernsohn eine Asiatin heiratete. „Een swatte Frau kümmt“, ging es wie ein Lauffeuer herum, weil das Telegramm des Sohnes vom Postboten überall vorgelesen wurde. Höchst erstaunt seien die Dörfler gewesen, als beim Einzug ganz banale und normale Dinge aus dem Umzugswagen geholt wurden.

Auch ihre geschäftlichen Auslandsaufenthalte in Mittel- und Südamerika streifte Heise-Batt. So habe sie Anfang der 50er-Jahre einmal als einzige Frau im Flugzeug gesessen, weil Geschäfte ja ausschließlich Männersache gewesen seien. Ihre Erlebnisse mit teils ernstem Hintergrund trug sie locker, leicht und oft mit einem Augenzwinkern vor. „Jeder Mensch hat eine Seele, und Vorurteile lassen sich immer aus dem Weg räumen“, lautete ihre Botschaft.

„Ihre Stimme ist sehr angenehm, man merkt ihr die Freude an der Sprache an“, sagte Besucherin Helga Wendt, und Luise Steen ergänzte: „Ich finde es toll, dass sie diese schöne Sprache erhält.“ Die beiden Elmshornerinnen kauften anschließend Bücher und ließen sie von der Autorin signieren.

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