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Barmstedter Zeitung

30. September 2016 | 06:55 Uhr

Hospitation eines Weltenbummlers : Von Südamerika bis nach Bilsen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

20 Jahre alter Student aus Paraguay lebt für mehrere Wochen in Bilsen und hospitiert in der Grundschule Hemdingen.

Bilsen | „In Deutschland herrscht Ordnung, die Straßen sind sauber, und überwiegend sind Verkehrsmittel und Verabredungen pünktlich.“ Manuel Wiebe (20) ist beeindruckt, wenn er über das Leben in der Bundesrepublik redet. Der Lehramtsanwärter aus Paraguay hospitiert drei Wochen an der Grundschule in Hemdingen und wohnt bei der Familie Harms in Bilsen. Er besucht mit weiteren Studenten aus dem südamerikanischen Land insgesamt sechs Wochen Deutschland. Die Studenten gehören zur Mennoniten-Kolonie, die in der Provinz Chaco in Paraguay lebt. Der Aufenthalt in Deutschland nach vier Semestern Studium ist Pflicht.

Die Mennoniten sprechen Deutsch als Muttersprache. Ihre Vorfahren stammen aus Preußen und sind nach Aufenthalten in Russland und Kanada schließlich nach Paraguay ausgewandert. „Es ist kalt in Deutschland“, sagt Manuel, der das dritte Mal hier weilt, allerdings zum ersten Mal im Norden. In seiner Heimat ist jetzt Sommer mit Temperaturen um die 40 Grad.

Als etwas arrogant habe er die Deutschen vorher eingeordnet, sagt Manuel. Aber er habe vor Ort viele offene und gesprächsbereite Menschen vorgefunden. Unterschiede gibt es aber beim Essen: Die Ernährung ist nicht so fleischlastig, wie er es von zu Hause gewohnt ist. Er habe sich mit etlichen Deutschen darüber unterhalten, die ihm sagten, sie würden auf viel Fleischkonsum verzichten, weil hier viele Tiere nicht artgerecht gehalten würden. „Bei uns leben die Tiere ausschließlich im Freien und ernähren sich von dem, was sie dort finden“, so Manuel. Als Leckerlis erhielten sie Salzsteine, an denen sie gern schleckten.

Faszinierend findet der geschichtsinteressierte junge Mann die Vehemenz der Deutschen, ihre jüngere Vergangenheit aufzuarbeiten. „Es ist erstaunlich und bewundernswert, wie intensiv sie sich mit dem Dritten Reich beschäftigen“, sagt er. Als Hospitant in der Schule macht Manuel positive Erfahrungen. „Ich wurde sehr nett aufgenommen und gleich fest in den Unterricht eingebunden.“

In Paraguay lebt er mit zwei Geschwistern und den Eltern in Loma Plata. Der Vater hat außerhalb der Stadt Land, auf dem er Viehzucht betreibt. Seine Geschwister sind bereits Lehrer. Manuels Hobbys sind außer Geschichte die Fotografie, zudem spielt er leidenschaftlich gern Theater. Vor dem Hospitieren war er mit seiner Gruppe eine Woche zur politischen Bildung in Berlin. Silvester erlebte die Gruppe am Brandenburger Tor. „Es war toll, aber wir standen dort sieben Stunden“, so Manuel. Nach dem Aufenthalt in der Hauptstadt besuchte die Gruppe in der Nähe von Ravensburg zwei Wochen lang eine pädagogische Hochschule. „Wir unternahmen per Zug einen Ausflug nach Rom“, sagte Manuel. Unterwegs erlebte er im Zug Flüchtlingsströme an der deutsch-österreichischen Grenze. „Das kannte ich bisher nur aus Zeitungen“, so Manuel.

Bei der Familie Harms in Bilsen fühlt er sich wohl. „Sie wurde mir von anderen Studenten ans Herz gelegt, die auch dort wohnten. Ich habe hier ein lebendiges Familienleben, und Rainer Ute Harms zeigt uns die kulturellen Sehenswürdigkeiten in Hamburg und Schleswig-Holstein“, sagt er. Was nimmt er mit nach Hause? Manuel packt Winterkleidung in seinen Koffer. „Die ist bei uns schwer zu beschaffen“, sagt er, der noch Souvenirs und Geschenke für Familie und Freunde verstauen will.

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erstellt am 01.Feb.2016 | 16:07 Uhr

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