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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 10:48 Uhr

Nach historischem Flaschenfund im Bokeler See : Von hier stammt das Mineralwasser

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Marina Bertschus lebt mit ihrer Familie in der alten Fabrik von Heinrich Riep an der Hamburger Straße in Barmstedt.

Barmstedt | Die Geschichte über eine alte Mineralwasserflasche aus dem Bokeler See und das ehemalige Barmstedter Mineralwassergeschäft von Heinrich Riep ist bei den Leser der Barmstedter Zeitung auf großes Interesse gestoßen. Besonders genau hat sich Marina Bertschus aus Barmstedt den Artikel vom vergangenen Mittwoch durchgelesen. Denn sie wohnt zusammen mit ihrer Familie in dem Haus an der Hamburger Straße, in dem Riep früher seine Getränke herstellte.

Einzelne Details am und im Haus würden noch an die ehemalige Nutzung erinnern, so Bertschus. Zudem sei das Gebäude von außen fast unverändert geblieben. Nur der große Schriftzug an der Vorderseite des Hauses sei nur noch sehr schlecht zu lesen. Und auch bei der Adresse hat sich etwas getan: Auf einer Zuckerabrechnung von 1949 lautet die Anschrift noch „Hamburgerstr. 42“. Heute trägt das Haus die Nummer 45.

Von der Geschichte des Gebäudes habe sie vor allem durch Ernst-Heinrich Düvel erfahren. Er war Sohn des Mineralwasserfabrikanten Ernst Düvel, der später Inhaber der Fabrik von Heinrich Riep war. „Düvel wusste viel über die Geschichte zu berichten. Es war sein Elternhaus.“ Von der Einrichtung der Mineralwasserfabrik ist nämlich nichts mehr übrig geblieben. Nur beim Graben im Garten würden hin und wieder alte Verschlüsse zu Tage gefördert werden, so Bertschus.

Seit dem Jahr 2000 wohnt Marina Bertschus gemeinsam mit ihrer Familie in dem Haus an der Hamburger Straße 45. In dem Gebäude war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Mineralwasserfabrik Heinrich Riep untergebracht.
Seit dem Jahr 2000 wohnt Marina Bertschus gemeinsam mit ihrer Familie in dem Haus an der Hamburger Straße 45. In dem Gebäude war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Mineralwasserfabrik Heinrich Riep untergebracht. Foto: Uthoff
 

„Und auch unsere Hühner bringen beim Scharren immer mal wieder den ein oder anderen Deckel zum Vorschein.“ Bei den Verschlüssen mit Aufschriften wie „J. Kröger, Barmstedt“ oder „Karl Burmeister, Elmshorn“ könne es sich eventuell um die Überreste von Leergut handeln, so Barmstedts Stadthistoriker Peter Steenbuck.

Beim Graben im Garten finden Marina Bertschus und ihre Familie immer wieder alte Verschlüsse. Vermutlich stammen sie von Leergutflaschen, die auf dem Fabrikgelände gesammelt wurden.
Beim Graben im Garten finden Marina Bertschus und ihre Familie immer wieder alte Verschlüsse. Vermutlich stammen sie von Leergutflaschen, die auf dem Fabrikgelände gesammelt wurden. Foto: Uthoff

Das Grundstück an der Hamburger Straße ist nicht breit, aber sehr lang. Dort an der Straße, wo heute das Wohnhaus steht, sei auch zu Zeiten Rieps und Düvels die Wohnung gewesen, so Bertschus. Weiter hinten im Hof sei das Leergut gelagert und gespült geworden. Auch einen Brunnen habe es auf dem Grundstück gegeben. Noch erhalten sind die zwei Ringe am Ende der Hofeinfahrt, an denen damals die Pferde für die Fuhrwerke angebunden wurden, berichtet Bertschus.

Mit dem Fund einer alten Flasche im Bokeler See hatte die BZ-Geschichte um die Barmstedter Mineralwasserfabrik Heinrich Riep vor Kurzem ihren Lauf genommen. Ein Osterhorner hatte das Gefäß vor einiger Zeit beim Abfischen gefunden. Über den Bokeler Heimatforscher Helmut Trede gelangte die Flasche zu Stadthistoriker Peter Steenbuck nach Barmstedt. Er stellte fest, dass die Flasche aus einer ehemaligen Mineralwasserfabrik stammte, die 1906 von Riep gegründet worden war. Das Brause-Pulver zur Getränke-Herstellung importierte er unter anderem aus den USA. Die im Bokeler See gefundene Flasche soll künftig im Barmstedter Rathaus ausgestellt werden.
Eine Anzeige von Heinrich Riep: Der Barmstedter stellte Mineralwasser und Brausen her.
Eine Anzeige von Heinrich Riep: Der Barmstedter stellte Mineralwasser und Brausen her. Foto: Repro: Steenbuck

In einem Kellerraum wenige Meter weiter sei die Brause hergestellt worden. Im Vorraum waren die fertigen Getränke gelagert worden. „Zum Wohnen sind die Räume nicht ideal“, so Bertschus. „Es wird trotz Heizung in jedem Raum nicht richtig warm. Auch im Sommer bleibt es kühl.“ Für die Brause-Herstellung seien die Bedingungen allerdings ideal gewesen – die Getränke hätten immer kalt gestanden. In der Einfahrt wurden die Kutschen und später die Lastwagen beladen.

Bis Anfang der 70er-Jahre soll die Fabrik laut Bertschus bestanden haben. Die Getränke seien wahrscheinlich an die Gaststätten in der näheren Umgebung geliefert worden. Ihre Vermieterin und die jetzige Eigentümerin lege großen Wert darauf, dass die Gebäude in einem guten Zustand erhalten blieben, so Bertschus.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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