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Barmstedter Zeitung

07. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

Diskussion über Milchpreise : Viele Sorgen und eine gute Nachricht

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ole Schröder hat in Westerhorn mit Landwirten aus der Region über aktuelle Probleme gesprochen.

Westerhorn | Der niedrige Milchpreis sorgt für Existenzängste in der Landwirtschaft. Um sich ein Bild von der aktuellen Situation der Landwirte zu machen, hat der Kreis Pinneberger CDU-Bundestagsabgeordnete Ole Schröder den Hof der Familie Reimers in Westerhorn besucht. Lars Reimers und Christof Kirst vom Kreisbauernverband Pinneberg übermittelten Schröder dabei ihre Sorgen, Forderungen und Fragen. Unter anderem fordern die Landwirte im Kreis Pinneberg, dass die Politik nicht direkt in den Markt eingreift und die Bürokratie abbaut. Beim Milchpreis gibt es aber auch eine gute Nachricht.

Offenbar sei beim Milchpreis die Talsohle durchschritten, so Kirst, der selbst einen Milchviehfutterbau in Brande-Hörnerkirchen besitzt. Mittlerweile sei der Preis wieder von 19 auf 21 Cent pro Liter gestiegen. „Der Markt kippt aktuell. Wir rechnen mit 30 Cent im Dezember am Spotmarkt.“ Zurückzuführen sei das unter anderem auf eine Reaktion am Markt. So ist laut Kirst bundesweit im Mai dieses Jahres 3,5 Prozent weniger Milch produziert worden als im Mai 2015. Die Frage sei nun, wie schnell der Milchpreis wieder steige.

Denn mitnichten sei nun alles wieder gut, so Kirst weiter. Bei einem Milchpreis von 20 Cent würden den Landwirten zehn Cent fehlen, um alle Kosten zu decken, und erst bei 35 Cent sei es möglich, Gewinne zu erzielen und Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden. Für einen Betrieb wie den in Westerhorn würde die derzeitige Lage fehlende Einnahmen in Höhe von 200  000 Euro im Jahr bedeuten.

1,3 Millionen Euro hatte Familie Reimers vor zwei Jahren in einen neuen Stall investiert. „Im Vordergrund steht, dass die Kuh älter wird“, so Lars Reimers. Somit sei auch die Nutzungsdauer länger. 175 Milchkühe würden derzeit zum Viehbestand zählen. Der Hof sei ein typischer Wachstumsbetrieb, erläuterte Kirst. Es gebe viel Komfort für die Tiere und viel Arbeitskomfort. Aber von Milchpreisen um die 20 Cent könnten Betriebe wie Reimers, die investiert haben, nicht leben. „Und die, die nicht investiert haben, verdienen auch kein Geld, müssen aber auch keine Schulden zurückzahlen. Da kommt es dann auf guten Kontakt zur Bank an.“

Zweifel an der CDU, die die Landwirte laut Kirst mittlerweile hätten, versuchte Schröder zu zerstreuen. „Es ist eine Gefühlslage, die da eine Rolle spielt“, hatte Kirst gesagt. Die Partei sei selbstverständlich für die Landwirte da. So sei zum Beispiel ein Treffen mit dem Landesbauernverband geplant. Für die CDU sei es wichtig, sich dort mit der Thematik auseinander zu setzen. „Wenn es der Landwirtschaft schlecht geht, geht es dem ländlichen Raum schlecht“, so Schröder. Wichtig sei es auch, dass man an den Fakten gemessen werde. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CDU) habe bereits 100 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt. In einem Positionspapier, erklärte Schröder, fordere die Unionsfraktion außerdem unter anderem weitere Liquiditätshilfen auf EU-Ebene und steuerliche Erleichterungen. Das Ganze sei im Kabinett noch nicht beschlossen, soll nach der Sommerpause aber nach Vorstellung der CDU zügig umgesetzt werden.

Direkte Eingriffe in den Milchmarkt – wie etwa durch staatliche Mengenregulierungen – wolle man bei den Landwirten nicht, so Kirst weiter. Auch Schröder betonte, dass niemand zu einer Milchquote – die auch in den Jahren 2008 und 2009 einen starken Preisverfall bei der Milch nicht verhindert hatte – oder zu einer Mengenbegrenzung zurück wolle. Kirst forderte zudem eine Entbürokratisierung zum Beispiel bei Anträgen, den Abbau von innerdeutschen Wettbewerbsverzerrungen und die Ausgleichsregelung bei Bauvorhaben zu überdenken. Gerade im Kreis Pinneberg stünden die Landwirte wegen der Kompaktheit unter Druck, sagte auch Schröder. Eine Lösung wäre zum Beispiel, dass Ausgleichsflächen nicht immer in unmittelbarer Nähe liegen müssten.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 11:47 Uhr

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