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Barmstedter Zeitung

07. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Erntelärm in Hemdingen : Unbekannter geht mit Hammer auf Bauern los

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ein unbekannter Mann ärgert sich über den Erntelärm und schlägt mit einem Hammer auf den Trecker von Harald Münster ein. Landwirte und Kreisbauernverband sind entsetzt. Die Polizei ermittelt.

Hemdingen | Attacke auf dem Feld: Jonas Schenk saß vor Kurzem um 22.15 Uhr nichtsahnend auf dem Trecker, um auf einem Feld im Grenzbereich zwischen Hemdingen und Bilsen gemeinsam mit weiteren Leuten Gras zu häckseln. „Plötzlich kam jemand brüllend angelaufen und haute mit einem Hammer auf die Vorderreifen des Treckers ein“, berichtet der 19-Jährige, der sofort den Motor ausstellte.

Der Mann sei außer sich gewesen und habe geschrien, man solle mit dem Lärm aufhören. Und weiter: „Er fuchtelte mit dem Hammer rum und brüllte, er müsse am nächsten Morgen um vier Uhr aufstehen und könne wegen unseres Lärms nicht einschlafen“, so Schenk weiter. Dann sei der Mann auf das Außentrittbrett der Treckertür gestiegen und habe immer noch brüllend die Scheibe eingeschlagen.

„Ich hatte Todesangst“

„Ich dachte, er wollte mich umbringen“, so Schenk entsetzt. Die anderen drei Fahrer der landwirtschaftlichen Geräte kamen ihm zur Hilfe. „Der Mann stieg auf sein Rad und fuhr weg“, sagt er. Ein Kollege sei ihm mit dem Trecker hinterher gefahren, habe den Radfahrer angeleuchtet, sei ausgestiegen und stellte ihn zur Rede. „Den hat er auch mit dem Hammer bedroht, so dass er schnell zurück in den Trecker stieg“, so Schenk. Der Mann floh unerkannt.

Lohnunternehmer Harald Münster aus Hemdingen, bei dem Jonas Schenk und die anderen Fahrer angestellt sind, ist schockiert. „So etwas ist noch nie passiert“, sagt er kopfschüttelnd. „Wir haben zwar bereits einige Male zu späterer Stunde mit der Polizei zu tun gehabt, aber so eine Attacke?“

Wenn das Wetter umschlage, dürfe auch nach 22 Uhr auf den Feldern gearbeitet werden. Das Gras habe trocken auf den Hof zum Bauern gebracht werden müssen. Das sei vorher witterungsbedingt nicht möglich gewesen. „Der Mann hätte sich bei der Polizei beschweren können, anstatt uns alle zu bedrohen“, kritisiert Münster und setzt hinzu: „Das war geplant, einen Latthammer findet man nicht auf dem Feld.“ Weiter sagt er: „Wir würden auch gern zu dieser Zeit etwas anderes machen, als auf dem Trecker zu sitzen.“

Münster wünscht sich, dass von Seiten der Landwirte mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben werden könnte. „Niemand weiß heute mehr so genau, was in der Landwirtschaft geschieht und warum“, so Münster. Wer sein Glas Milch zum Frühstück trinke und Brot esse, wisse oft nicht, welche Arbeitsschritte vorangegangen seien, um diese Lebensmittel zu genießen.

Hemdinger Landwirt ist schockiert

Der Hemdinger Bauer Peter Krohn, der den Lohnunternehmer beauftragt hatte, ist ebenso schockiert. „Wir bemühen uns, die Flächen an den Dorfrändern früher am Tag zu beackern, das Grashäckseln an diesem Abend war jedoch außerhalb“, sagt er. Aufgrund der Witterung und der zusätzlich angespannten Verkehrslage in Hemdingen wegen der Baustellen habe es keine andere Möglichkeit gegeben. „Ich kann keinen Lohnunternehmer stundenlang im Stau stehen lassen“, sagt er deutlich.

Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Kreis Pinneberg, der Interessenvertretung der Landwirte, sagt, dass 2016 wetterbedingt ein schwieriges Jahr für die Bauern sei. „Die Landwirte haben dann das Privileg, auch an Sonn- und Feiertagen und nachts auf den Feldern zu arbeiten.“ Wenn der Regen über dem Kopf stehe, müsse geerntet werden.

Das Gras, das eingefahren werde, speichere kurz vor der Blüte am meisten Energie. Es werde abgeschnitten, müsse einen Tag trocknen und werde dann gehäckselt. Als Grassilage diene es später den Kühen als Futter. „Wir bemühen uns, bei der Bevölkerung Verständnis für die Arbeit der Bauern zu gewinnen und haben etwa das Projekt gestartet, Schulkindern die Tätigkeiten auf dem Bauernhof zu zeigen“, so Jensen-Nissen.

Der Vorfall mit dem Hammer wurde zur Anzeige gebracht. Der Polizei liegt eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung vor, wie Polizeisprecher Nico Möller bestätigte. Der Schaden am Trecker beläuft sich auf etwa 450 Euro. Jonas Schenk, der Landwirt lernt, wird noch geraume Zeit brauchen, um das Geschehen zu verarbeiten. „Wenn ich mich in den Trecker setze, taucht in meinem Kopf immer wieder dieser nächtliche Hammerschwinger auf.“

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erstellt am 18.Aug.2016 | 13:00 Uhr

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