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Barmstedter Zeitung

08. Dezember 2016 | 17:11 Uhr

Brande-Hörnerkirchen : Steinerne Erinnerungen an die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Heimatforscher Helmut Trede hat die Geschichte der Denkmale von Hörnerkirchen aufgearbeitet.

Brande-Hörnerkirchen | Am Rande, fast versteckt in einer Ecke und nicht besonders gepflegt, fristet das Ehrenmal des Kirchspiels Hörnerkirchen ein Schattendasein. Bis vor wenigen Jahren führte zumindest noch ein Kiesweg vom benachbarten Marktplatz dorthin. Dabei hat die Anlage eine lange und interessante Geschichte. „Hierzu muss man wissen, dass das älteste Ehrenmal, der Vor-Vorgänger dieses Denkmals, nicht hier, sondern auf dem benachbarten Marktplatz stand“, weiß Heimatkundler Helmut Trede, der die Geschichte der Denkmale akribisch aufgearbeitet hat und dabei auf fünf vergessene Frauen gestoßen ist.

1922 entstand eine neue Anlage

Das Ursprungs-Denkmal erinnerte an die Schleswig-Holsteinische Erhebung und den Krieg der Herzogtümer gegen das Dänische Reich in den Jahren 1848 bis 1851 sowie an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. „Es ähnelte in seiner Form einem kleinen, separat aufgestellten Kirchturm mit Turmspitze und vier kleinen Nebenspitzen, einem Kirchturm en miniature“, so Trede. Gebaut und eingeweiht wurde die Anlage 1874. „Dieses Denkmal war Anfang der 1920er Jahre allerdings schon ziemlich brüchig und zerfallen. Es wurde daher zu dieser Zeit grundlegend repariert und teilweise umgestaltet.“

Eine völlig neue Anlage, parallel zum ersten Ehrenmal, entstand 1922 an der Südwand der alten Hörnerkirchener Kirche nach dem Entwurf des in Kiel gebürtigen Bildhauers Heinrich Mißfeldt.

Im Mittelpunkt der neuen Anlage stand ein figürliches Relief Mißfeldts. Es ist aus hellem Stein gefertigt und zeigt in der linken Ecke einen gefallenen oder verletzten Soldaten, dessen Helm, das Symbol für die Soldaten des Ersten Weltkrieges, auf einem Podest, dem „Altar des Vaterlandes“, liegt. Darunter, nur schwer zu erkennen, liegt ein Schwert. Ein dahinter stehender Mann, die „Gestalt der Hoffnung“, weist mit erhobener Hand eine von den fünf, in lange Umhänge gekleidete Frauen mit Kränzen in den Händen, an, den Helm mit ihrem Kranz zu zieren. Die vordere Frau legt bereits ihren Lorbeerkranz auf den Helm.

Unterschiedliche Interpretationen

„Zu dieser Szenerie gibt es unterschiedliche Interpretationen, die sich in späteren Beschreibungen und Erläuterungen widerspiegeln“, hat Trede recherchiert. Was heute kaum noch bekannt sei, „dürfte die These sein, dass die fünf trauernden Frauenfiguren die fünf Dörfer des Kirchspiels Hörnerkirchen (Bokel, Bokelseß, Brande-Hörnerkirchen, Osterhorn, Westerhorn) symbolisieren sollen“. Aber es erscheine im Nachhinein durchaus logisch und stelle noch heute für den Betrachter aus der Region eine gewisse Nähe zu diesem Relief her.

Die Denkmaleinweihung erfolgte am 25. Juni 1922. Die alte Hörnerkirchener Kirche brannte am 19. September 1934 nach einem Blitzschlag bis auf die Grundmauern nieder. Das Ehrenmal an der Außenmauer überstand das Flammeninferno jedoch relativ unbeschadet. Das figürliche Relief und die Namenstafeln mit den Opferangaben konnten abgenommen und weiter verwendet werden.

Doch wo sollte jetzt ein neues Ehrenmal entstehen – und wie sollte es aussehen? „Die Lösung, so wie wir sie heute vorfinden, war seinerzeit durchaus strittig“, sagt Trede. „Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass in dieser Zeit nach dem Kirchenbrand 1934 das Dritte Reich seinem Höhepunkt entgegenstrebte. Die NS-Ideologie machte bekanntlich auch in kleinen Dörfern und sogar im kirchlichen Bereich ihren Einfluss geltend. Zunächst war angedacht, das Ehrenmal in das Innere der neu zu erbauenden Kirche zu verlegen. Aber hierzu kam es nicht. Vielmehr fand man einen neuen Platz in der Nordostecke des alten Kirchhofes.“

Die immer noch vorhandene Gedenkstätte entstand fast zur gleichen Zeit wie der Neubau der abgebrannten Kirche, also etwa 1935/36. Gestaltet wurde sie als eine abgerundete halbhohe Backsteinmauer, an deren Front fünf nach oben herausragende Steinplatten befestigt sind. Hier ist in der Mitte das beeindruckende Figurenrelief des alten Ehrenmals von der Kirchenmauer zu sehen. Darunter sind zwei Steinplatten mit den Opfern des Deutsch-Dänischen und des Deutsch-Französischen Krieges angebracht mit den übertragenen Namen und Daten vom ersten Denkmal auf dem Marktplatz. An beiden Seiten dieser zentralen Anordnung sind die Tafeln mit den Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu finden. Ergänzt wurden später zwei große Schrifttafeln mit den Namen der insgesamt 198 Verstorbenen des Zweiten Weltkrieges aus dem Kirchspiel Hörnerkirchen.

Symbol für Trauer um die Opfer

Das alte Marktplatz-Denkmal wurde 1936 endgültig abgetragen und eingeebnet. Damit war die 14 Jahre andauernde Phase mit zwei parallel bestehenden Ehrenmalen im Zentrum Brande-Hörnerkirchens beendet. „Die fünf trauernden, gegenwärtig allerdings kaum noch wahrgenommenen Frauen auf dem Relief symbolisieren für den aufmerksamen Betrachter aber noch heute das Andenken und die Trauer für die Opfer von inzwischen weit zurückliegenden und manchmal schon fast vergessenen Kriegen“, sagt Trede. Ein ausführlicher Artikel über Entstehung und Entwicklung des Hörnerkirchener Ehrenmals ist für das übernächste Heimatkundliche Jahrbuch des Kreises Pinneberg 2018 vorgesehen.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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