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Barmstedter Zeitung

04. Dezember 2016 | 17:16 Uhr

Protestradler in Elmshorn vor Gericht : Radfahrer drückt immer wieder Bedarfsampeln - und landet vor Gericht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Frank B. drückt aus Protest immer wieder auf Bedarfsampeln und behindert den Pendlerverkehr. Er selbst sieht sich als Opfer der Autofahrer.

Elmshorn | Selten waren sich Zeugen und Zuhörer in einer Gerichtsverhandlung so einig: Dieser Radfahrer nervt total. Es geht um Frank B. aus Klein Offenseth-Sparrieshoop. Er stand gleich wegen zwei Anzeigen vor dem Elmshorner Amtsgericht. Einmal wurde er verurteilt, einmal wurde das Verfahren eingestellt. Besonderen Eindruck machte das nicht auf den Mann. Richterin Christine Franzius drohte er mit einem Befangenheitsantrag. 

Frank B., der beim Finanzamt Nienstedten arbeitet, fährt morgens gegen 7 Uhr mit dem Fahrrad in die Elmshorner Innenstadt. Und vor allem in der Straße Kaltenweide, nach Aussagen von Zeugen, recht unorthodox. Mal soll er ganz langsam, mal sehr schnell fahren. Immer aber, so der Vorwurf, behindere er die Autofahrer. Und das ganz bewusst. Die Polizei hatte B. angezeigt, weil dieser in der Kaltenweide auf Bedarfsampeln gedrückt hatte, ohne die Straße überqueren zu wollen. So habe er den Berufsverkehr ohne Grund an etlichen Tagen ins stocken gebracht. Das sagte der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Elmshorn vor Gericht aus. Das ist nicht erlaubt.

B. bestritt das auch nicht. Sah aber nicht ein, dass er dafür bestraft werden sollte und hatte die verhängten 20 Euro Bußgeld nicht bezahlt. Deshalb stand er nun vor Gericht. Das allerdings ist für den Sparrieshooper nicht neu. Sowohl in Hamburg als auch in Elmshorn ist der Radfahrer bereits gerichtsbekannt.

Er bringt die Autofahrer zur Weißglut

Morgens kurz vor 7 Uhr ist die Welt für Autofahrer auf dem Weg von Klein Offenseth-Sparrieshoop in die Elmshorner Innenstadt noch in Ordnung. Doch kurz darauf nicht mehr. Dann taucht Frank B. aus Sparrieshoop mit seinem Fahrrad auf und bringt die Autofahrer mit seiner Fahrweise und dem grundlosen Drücken auf Bedarfsampeln zur Weißglut. So jedenfalls lauten die Aussagen vor dem Elmshorner Amtsgericht und im Zuhörerraum.

Der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Elmshorn, Patrick Melber, hatte B. nach eigener Aussage mehrfach dabei beobachtet, wie dieser die Ampeln, ohne sie benutzen zu wollen, gedrückt hatte. Deshalb hatte er den Sparrieshooper schließlich angezeigt. Weil B. die 20 Euro Bußgeld nicht bezahlen wollte, kam es nun zur Verhandlung vor dem Amtsgericht in Elmshorn.

„Es steht doch alles in Ihren Unterlagen. Wozu soll ich mich äußern“, herrschte er Richterin Christine Franzius gleich zu Beginn der Verhandlung an, als diese seine Personalien wissen wollte.

Der angezeigte Fall hatte sich im Februar dieses Jahres ereignet. Melber hatte auf seinem Weg zum Polizeirevier gesehen, dass B. auf die Bedarfsampel auf Kaltenweide an der Straße Uferkamp gedrückt hatte. „Er hat richtig draufgehauen, das hat man sogar im Auto gehört“, sagte Melber.

Mit dem Fahrrad immer auf der Straße

Denn obwohl es in der Kaltenweide einen Fahrradweg gibt, fährt B. auf der Straße. Das macht er prinzipiell, weshalb er auch in Hamburg schon juristische Auseinandersetzungen hatte. Auf Kaltenweide sei das erlaubt, so die Polizei. Nicht aber das Ampeldrücken, einfach nur so. Das mache er, weil er dann ungefährdet weiterfahren könne, erläuterte B. Denn einige Autofahrer hätten „nicht mal ein Vakuum im Kopf“ und würden ihn beim Überholen extrem gefährden, so der radelnde Diplom-Finanzwirt.

Nach eigener Aussage hat B. das Ampeldrücken ohne die Straße zu überqueren „seit der letzten Gerichtsverhandlung“ sein lassen. Nun halte er an, drücke auf den Ampelknopf, gehe bei Grün auf die andere Straßenseite, mache ein Foto und gehe, bei erneutem Fußgängergrün, wieder zurück und setze die Fahrt mit dem Rad fort. „Die Fotos stelle ich vielleicht mal ins Internet. Das gibt bestimmt ein Kunstwerk“, sagte er.

Da Melber den prinzipientreuen Radfahrer „fast täglich“ bei seinem seltsamen Tun beobachtet hatte, hatte er ihn nicht nur angezeigt, sondern auch schriftlich zum Gespräch gebeten. „Ich wollte mal seine Motive verstehen. Mir ist das Verhalten ein absolutes Rätsel“, sagte der Polizist. So etwas habe er in 20 Jahren Dienstzeit noch nicht erlebt.

Es gebe laufend Ärger wegen B. „Busfahrer, Taxifahrer, Lkw-Fahrer, alle beschweren sich, weil sie ständig behindert werden“, berichtete Melber. Denn B. drücke nicht nur die Knöpfe von Bedarfsampeln, er sorge auch mit seinem Fahrverhalten für Ärger. „Er ist ein sportlicher Fahrer. Er fährt nur langsam, wenn er Autofahrer behindern will“, sagte Melber.

Zum Leidwesen der Fahrgäste

Das kann Sascha Walter, Fahrdienstleiter von „Die Linie“, die den Stadtverkehr in Elmshorn betreibt, bestätigen. „Er behindert uns ständig und massiv zum Leidwesen unserer Fahrgäste, die dann schon mal Anschlüsse verpassen.“ „Mit Zeugen spreche ich nicht“, sagte B. unwirsch auf die Frage der Richterin, weshalb er nicht auf das Gesprächsangebot der Polizei eingegangen sei.

Richterin Christine Franzius hatte genug gehört: B. muss das verhängte Bußgeld zahlen und zudem die Kosten des Verfahrens tragen. Dass B. neuerdings die Bedarfsampeln überquere und nicht mehr im Vorbeifahren drücke, könne durchaus gegen das Rücksichtnahmegebot verstoßen, machte sie dem Radfahrer klar. „Ich sehe das durchaus problematisch. Sollten Sie wieder hier landen, wären Sie keineswegs auf der sicheren Seite“, kündigte sie an. Bei B. stieß sie damit auf taube Ohren: „Dann reiche ich einen Befangenheitsantrag ein.“

Im zweiten Fall war B. angezeigt worden, weil er, wieder auf Kaltenweide, gegen das Rechtsfahrgebot für Radfahrer verstoßen haben soll. Laut Lkw-Fahrer Carsten P. soll er ständig in der Mitte der Straße gefahren sein, um Autofahrer am Überholen zu hindern.

Nach Darstellung von Frank B. habe „ein fetter Lkw“ gedrängelt und versucht, ihn „unter den Hinterrädern zu begraben“. Schließlich habe ihn der Lkw trotz Gegenverkehrs überholt. „Das fand ich cool. Der hat mich ohne Rücksicht auf Verluste überholt“, so der Sparrieshooper. Es hätte Totalschäden geben können. Warum er, wenn das denn so gewesen sei, nicht zur Polizei gegangen sei, wollte die Richterin wissen.

Angeklagter vergleicht Polizei mit Kim Jong-un

Von Polizeibeamten hält der Finanzamtsmitarbeiter nichts, wie er deutlich machte: „Die Polizei ist so parteiisch wie Kim Jong-uns Truppe.“ (Kim Jong-un ist Diktator Nordkoreas, Anmerkung der Redaktion).

Lkw-Fahrer P. schilderte den Vorfall vom Oktober 2015 völlig anders. B. sei sehr langsam in der Mitte der Straße gefahren, um ihn am Überholen zu hindern. Als es schließlich die Möglichkeit gegeben und er zum Überholen des Radlers angesetzt habe, „hat der plötzlich Gas gegeben“. Nur mit Mühe habe er einen Unfall verhindern können. Da es keine weiteren Zeugen des Vorfalls gab, stand Aussage gegen Aussage. Aus diesem Grund wurde das Verfahren eingestellt.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 12:15 Uhr

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