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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 05:00 Uhr

„Auf einmal war alles zugepflastert“ : Neue Regelung auf dem Parkplatz vor Aldi und Rewe stößt auf Unverständnis

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Parkverbote: Die neue Regelung auf dem Parkplatz vor Aldi und Rewe stößt auf Unverständnis in Barmstedt. Es wird auf Missbrauch verwiesen.

Barmstedt | Bei Rewe und Aldi am Barmstedter Küsterkamp kauft Katja Militzer fast täglich ein. Doch als sie neulich mit ihrem Fahrrad auf den Parkplatz einbog, traute sie ihren Augen nicht: „Der ganze Platz war gepflastert mit diesen Schildern“, sagt die Barmstedterin. Auf insgesamt 13 blau-weißen Tafeln werden Autofahrer darauf hingewiesen, dass das Parken während der Geschäftszeiten nur noch für 1,5 Stunden und mit Parkscheibe kostenlos erlaubt ist. Andernfalls werden 15 Euro fällig. Wer unberechtigerweise auf einem Behindertenparkplatz parkt, muss mit 20 Euro, wer die Markierungen überfährt, mit 30 Euro Strafe rechnen. Bei „mehrfacher Zuwiderhandlung“ werde das Fahrzeug kostenpflichtig abgeschleppt, heißt es.

Der Parkplatz am Küsterkamp teilt sich in drei Bereiche auf: Direkt vor Rewe und Aldi gibt es etwa 80 Kunden-Parkplätze. Die Stellplätze hinter dem Volksbank-Komplex liegen ebenfalls auf privatem Grund, während die Stellplätze auf der Fläche hinter dem ehemaligen Kino öffentlich sind.

Nicht nur sie, sondern auch viele andere seien wie vor den Kopf geschlagen gewesen, sagte Militzer. Sie habe etliche Autofahrer beobachtet, die auf die Eingänge von Aldi oder Rewe zugingen, dann die Schilder gelesen, gestutzt hätten, zurückgingen „und verzweifelt eine Parkscheibe gesucht haben“. Den Sinn der Regelung „versteht keiner“. Der einzige Zeitraum, an dem der Parkplatz voll sei, sei Donnerstagvormittag, „wenn Wochenmarkt ist. Ansonsten ist hier doch immer was frei.“

Rewe habe mit der Regelung auf Fremd- und Dauerparker reagiert, teilte Pressesprecher Thomas Bonrath auf Anfrage unserer Zeitung mit. Grundsätzlich ermögliche das Unternehmen den Kunden „stets ein kostenloses Parken auf den eigenen Parkplätzen der Supermärkte“. Dieser Service werde allerdings „an einigen wenigen exponierten Standorten in Städten von Fremd- und Dauerparkern ausgenutzt“, schreibt er. An solchen Standorten gebe es folglich „massive und andauernde Probleme mit Langzeitparkern, die entsprechende Kundenbeschwerden nach sich ziehen oder aber dazu führen, dass Rewe-Kunden mit Auto deswegen dem Markt fernbleiben, weil sie keinen Platz mehr finden“.

Katja Militzer hat an ihrem Fahrrad eine Parkscheibe angebracht.
Katja Militzer hat an ihrem Fahrrad eine Parkscheibe angebracht. Foto: Meyer

Bei den „Fremd- oder Dauerparkern“ in Barmstedt soll es sich laut Stadtsprecher Wolfgang Heins vornehmlich um Mitarbeiter nahegelegener Geschäfte gehandelt haben. „Manche sollen sechs bis acht Stunden lang auf dem Parkplatz vor Aldi und Rewe gestanden haben“, sagte er. Als „Gegenmaßnahme“ sei „die Einführung einer Parkplatzregelung ein geeignetes Mittel“, so Bonrath. Die Parkscheibenregelung gewährleiste den Kunden „ein weiterhin kostenloses Parken, ausreichend Zeit für einen Großeinkauf im Supermarkt und Fluktuation auf dem Parkplatz“.

Rechtlich seien die behördlich anmutenden Schilder nicht zu beanstanden, sagte Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung. „Es sind zwar offizielle Verkehrszeichen abgebildet, aber in der Größe sind die unkritisch.“ Auch die angedrohten Strafzahlungen seien Sache der Unternehmen. „Das können sie handhaben, wie sie wollen.“ Da es sich um ihr eigenes Gelände handle, sei die Durchsetzung allerdings ebenfalls ihre Sache, so Carstens. „Damit haben weder die Verwaltung noch die Polizei etwas zu tun.“ Nach Informationen unserer Zeitungen sollen bereits Kontrolleure unterwegs gewesen sein. Bonrath erklärte dazu, er könne das zwar nicht explizit bestätigen, „aber welchen Sinn macht eine Regelung, wenn sie nicht kontrolliert wird?“ Aldi reagierte auf die Anfrage unserer Zeitung nicht.

Einige Kunden empfinden das Vorgehen der Unternehmen als Abzocke. „Das ist Raubrittertum. Die brauchen wohl Geld und machen dazu ihre eigenen Gesetze“, vermutete ein Elmshorner. Andere stören die Schilder nicht weiter. „Ich fahre meist mit dem Fahrrad her“, sagte ein Barmstedter, der am Heederbrook wohnt. Zudem halte er eineinhalb Stunden für ausreichend, um die Einkäufe zu erledigen. „Und andere Supermärkte machen das doch auch.“ Militzer indes hat sich als Reaktion etwas Besonderes einfallen lassen: An ihrem Fahrradkorb hängt jetzt eine Parkscheibe. „Das ist aber als Scherz gemeint“, betont sie.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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