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Barmstedter Zeitung

29. August 2016 | 19:59 Uhr

Hilfe aus Groß Offenseth-Aspern : Mit Malerei gegen die Alkoholsucht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach einem dramatischen Absturz erreichte das Leben von Jürgen Beckmann seinen Tiefpunkt. Hilfe bekam er in Groß Offenseth-Aspern.

Groß Offenseth-Aspern/Elmshorn | Seit nunmehr 15 Jahren ist der einst alkoholabhängige Jürgen Beckmann (71) abstinent. Wesentlich mit dazu beigetragen hat die Kunst: Mithilfe der Malerei und dem kunsthandwerklichen Schaffen hat der Elmshorner den Weg aus der Sucht hin zum einem normalen geregelten Leben gefunden. Außerdem brachte sich der aus Oberschlesien stammende Maschinenbauer und Ingenieur in verschiedene Projekte ein. So gründete er eine Selbsthilfegruppe, der er noch immer als zweiter Vorsitzender angehört, und leistet Beratung im Büro des Suchthilfezentrums Ahornhof in Groß Offenseth-Aspern in Elmshorn. Nicht zu vergessen seine Mitwirkung beim Umbau der „Gloria“. Damals leitete Beckmann eine Gruppe von 20 schwer vermittelbaren Jugendlichen, von denen viele danach eine Ausbildung antreten konnten. Seit zehn Jahren investiert er zudem viel Zeit und Energie in den Bau seines Schiffes, einem Motor-Boot, wobei ihm einige Bekannte unter die Arme greifen.

Die Geschichte von Beckmanns Alkoholsucht begann mit der Scheidung von seiner ersten Frau und fand ihren Höhepunkt in exzessiven Abstürzen, gewalttätigen Ausbrüchen, alkoholbedingtem Verlust der Arbeit und Gefängnisaufenthalten. „Dank des Kontakts zu einer Selbsthilfegruppe gelang es mir zwar, fünf Jahre lang ein Leben ohne Alkohol zu führen, dann aber begann der dramatische Absturz an meinem 50. Geburtstag“, so Beckmann. „Mein irriger Glaube, im Kreis von Freunden kontrolliert Alkohol trinken zu können, riss mich wieder in den Strudel der Abhängigkeit hinein – und zwar so heftig, dass ich schließlich als Obdachloser durch Norddeutschland tingelte. Diese Zeit habe ich als perspektivlosesten Tiefpunkt meines Lebens erfahren.“

Nach einem bedrohlichen Krampfanfall und einer Entgiftungsbehandlung im November 2000 entschloss sich Beckmann zu einer stationären Behandlung seiner Alkoholsucht im Therapiezentrum Ahornhof – und kam so nach Groß Offenseth-Aspern. Als Mittel zur besseren Aufarbeitung der dort geführten therapeutischen Gespräche begann er zu zeichnen und später zu malen. Er war von sich selbst überrascht und setzte alles daran, sein Talent zu entwickeln – ein Prozess, der bis heute anhält.

Dieses Werk von Jürgen Beckmann spiegelt die Schönheit der Insel Hiddensee wider. (Foto: Schilling)
Dieses Werk von Jürgen Beckmann spiegelt die Schönheit der Insel Hiddensee wider. (Foto: Schilling)
 

Mittlerweile kann der Elmshorner auf ein Œuvre von etwa 1000 Werken – Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder – verweisen. „Meine ersten Arbeiten spiegeln meine Auseinandersetzungen mit meiner Suchterkrankung wider“, berichtet Beckmann. „Diese wirken natürlich entsprechend finster.“ Hinzugekommen sind im Laufe der Zeit landschaftliche Darstellungen, die aus einem anderen, optimistischeren Lebensgefühl heraus entstanden sind, und zahlreiche Porträts.

Die Elmshorner hatten bereits häufiger Gelegenheit, während Beckmanns Ausstellungen seine Werke zu betrachten. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen, so der 71-Jährige. Er sei stolz, wieder ein Leben führen zu können, das er bestimmt – und nicht der Alkohol.

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erstellt am 23.Jan.2016 | 15:00 Uhr

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