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Barmstedter Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:25 Uhr

Ungewöhnliche Aktion in Bilsen : Mit dem Reisebus durch den Wohnort

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bilsens Bürgermeister Peter Lehnert und Rainer Ute Harms zeigen Bürgern bei Rundfahrt die Gemeinde.

Bilsen | Mit etwa 740 Einwohnern gehört Bilsen zu den kleinsten Gemeinden im Kreis Pinneberg. Dass der Ort auf eine lange Geschichte zurückblicken kann und mehr zu bieten hat, als auf den ersten Blick zu erkennen ist, haben die Teilnehmer während einer ungewöhnlichen Dorfrundfahrt am vergangenen Sonnabend erfahren. „Die Idee dahinter war, den Neubürgern ihren Wohnort zu zeigen und den Alteingesessenen zu verdeutlichen, was sich verändert hat“, erläuterte Bürgermeister Peter Lehnert (CDU) Gemeinsam mit seinem langjährigen Vorgänger Rainer Ute Harms (CDU) arbeitete er eine Tour aus und lud die Bürger ein. „Die Resonanz hat uns überrascht“, gab Lehnert zu – statt des gemeindeeigenen Kleinbusses charterte er einen Reisebus, um alle 34 Interessenten mitnehmen zu können.

Startpunkt war das Dörpshuus. „Bis Anfang der 1970er-Jahre war hier die Grundschule, seitdem ist sie in Hemdingen“, berichtete Harms. Der Anbau, in dem die beiden Fahrzeuge der Feuerwehr untergestellt sind, sei später hinzugekommen. „Inzwischen wird der Gemeinschaftsraum im Dörpshuus beispielsweise vom Senioren-Club oder für Yoga-Kurse genutzt“, führte Harms weiter aus.

„Wir haben hier kürzlich die Fenster modernisiert und eine Nottür angebracht“, ergänzte Lehnert. Angesichts der fehlenden Kita-Plätze werde derzeit überlegt, in dem Raum eine Gruppe unterzubringen. „Die könnte dann auch den Spielplatz nutzen“, erklärte der Bürgermeister.

Anhand einer alten Karte wurde deutlich, wie sich der Ort im Lauf der Jahre verändert hat und gewachsen ist. „Auf dieser hier sind zwei Häuser in der Alvesloher Straße eingezeichnet – heute sind es 60“, zeigte Harms. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich die Bevölkerung verdoppelt. „Drei Siedlungen sind damals entstanden – wir werden später sehen, wie sie heute aussehen“, kündigte Harms an. Bereits während der Bronzezeit siedelten sich Menschen in der Umgebung an. „Davon zeugt ein großes Hügelgrab am Ortsrand“, berichtete Harms. Die dort gefundene Urne befinde sich heute im Landesmuseum.

Die erste urkundliche Erwähnung Bilsens sei 1148 zu finden, etwa um 1300 sei der Ort an ein Hamburger Kloster verkauft worden. „1803 tauschte der dänische König Alsterdorf gegen Bilsen ein – und damit wurde Bilsen dänisch“, erklärte Harms. Die größte Veränderung für die Bevölkerung habe darin bestanden, dass die jungen Männer fortan Wehrdienst leisten mussten.

Die erste Station, an der der Bus anhielt, war die Pferdeklinik am nördlichen Rand der Gemeinde. Tierarzt Dirk Fister begrüßte die Gäste und führte sie durch die Räume: Operationssäle, Intensiv-Station, Laufbänder unter Wasser, Rotlicht-Boxen und ein großer Reitstall wurden von den Gästen bestaunt.

Die Fahrt zum nächsten Ziel, dem Jungpflanzenbetrieb Kordes, führte über den Mühlenweg. „Dies war die erste befestigte Straße im Dorf, sie führte zur Mühle“, erläuterte Harms. Aus historischem Grund sei das Granitpflaster erhalten worden.Inhaber Christian Kordes berichtete über die Anfänge des großväterlichen Betriebs in den 1950er-Jahren. „Wir sind sozusagen der Kindergarten für Pflanzen“, erläuterte Kordes. Nachdem die Besucher auf Loren Platz genommen hatten, konnten sie sich während einer Rundfahrt auf dem weiträumigen Gelände einen Eindruck von der riesigen Anzahl von Pflanzen verschaffen.

Auch beim nächsten Halt, dem Romantik-Hotel Waldfrieden, ließ es sich Inhaber Siegmund Baierle nicht nehmen, die Gäste persönlich zu begrüßen. Das 1902 erbaute Haus an der Grenze zu Quickborn im Bilsener Wohld blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und beschäftigt heute 40 Mitarbeiter.

Der letzte Besuch galt dem bäuerlichen Familienbetrieb von Matthias Gülck. „Von ehemals 30 landwirtschaftlichen Höfen sind heute noch vier übrig“, berichtete der Landwirt. Noch reichten die Erträge zum Leben. „Wir bewirtschaften insgesamt etwa 150 Hektar Land und halten 100 Milchkühe“, beschrieb er seinen Hof. Nach knapp zweieinhalb Stunden kehrten die Teilnehmer zum Dörpshuus zurück. Einhellige Meinung der Bürger: „Das hat richtig Spaß gemacht.“

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erstellt am 20.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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