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Barmstedter Zeitung

10. Dezember 2016 | 04:08 Uhr

Erntebeginn im Kreis Pinneberg : Landwirte hoffen auf gutes Wetter

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Im Kreis Pinneberg startet die Getreide- und Rapsernte. Die Erdbeersaison ist laut Kreisbauernverband durchwachsen verlaufen.

Barmstedt | Trocken und sonnig bei bis zu 28 Grad: So wie am gestrigen Tag sieht für die Landwirte im Kreis Pinneberg und ganz Schleswig-Holstein das ideale Erntewetter aus. Bei Gerste und Raps stehe man in den Startlöchern, berichtet Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband Pinneberg. „Die Qualität entscheidet sich jetzt in diesen Tagen. Bleibt das Wetter regenreich, kann die Qualität schlechter sein. Es wäre also besser, wenn es trocken bleibt und wir einen schönen Sommer haben.“

Im Kreis Pinneberg gehe man – was die Erträge angeht – von einem normalen Erntejahr aus, so Jensen-Nissen. „Im Herbst hatten wir keine guten Bedingungen. Aber wir sind gut aus dem Winter rausgekommen, hatten viel Regen und keine Trockenheit“ Vielleicht – so der Geschäftsführer – würden die Erträge – sogar leicht über dem Schnitt der vergangenen Jahre liegen. Wichtig dafür sei aber jetzt das passende Wetter mit überwiegend Sonne und nur wenig Regen. „Wir freuen uns über Regen. Aber bei zu viel Wasser, da gibt es Probleme.“ Die Befahrbarkeit der Böden wäre dann eingeschränkt. Zudem könnten die Pflanzen schwer mehr atmen, wenn sich die Sandböden mit Wasser voll gesogen hätten.

Gerste und Raps sind die ersten Pflanzen, die jetzt geerntet werden, so Jensen-Nissen. Anfang August würden dann Weizen und Roggen folgen. Die Lage auf dem Weltmarkt würde dabei auch Einfluss auf die Landwirte im Kreis haben, berichtet der Geschäftsführer. „Auch im Kreis Pinneberg wird viel Getreide exportiert, weil nicht alles verbraucht wird.“ Weltweit werde aber wieder eine große Getreideernte erwartet, teilte die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mit. Das bedeute in der Tendenz eher niedrige Preise, so Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer (siehe Info-Kasten). „Der Preisdruck ist da“, sagt auch Jensen-Nissen. „Die Getreide-Preise sind zu niedrig und die Landwirte im Kreis dadurch stark betroffen.“

Preise für Raps sind stabil

Einzig Raps profitiere von der engen Versorgungslage am Markt weltweit. Die Preise für die Erzeuger haben möglicherweise noch Luft nach oben, so die Landwirtschaftskammer. Derzeit bekommen Landwirte für Raps 34 Euro je Dezitonne (100 Kilogramm). Im Kreis Pinneberg würde Raps derzeit auf zehn Prozent der Ackerflächen angebaut werden, so Jensen-Nissen. Das entspräche 1400 Hektar oder eine Fläche von 1960 Fußballfeldern. „Es ist erfreulich, dass der Preis so stabil geblieben ist“, sagt der Geschäftsführer. Aber es sei offen, wie sich die Preise weiter entwickeln würden. Das sei auch einer der Gründe dafür, warum Landwirte nicht plötzlich verstärkt Raps anbauen würden „Im Ackerbau fährt man außerdem Fruchtfolgen. Anders als beim Mais kann man Raps aber nicht immer auf dieselbe Fläche stellen“, fügt er hinzu.

Durchwachsen fällt der Rückblick von Landwirten, Kreisbauernverband und Landwirtschaftskammer auf die abgelaufene Erdbeer- und Spargelsaison aus. „Die Erträge sind nicht so gut wie erwartet gewesen“, berichtet Jensen-Nissen. „Die Früchte hatten zu viel Wasser und zu wenig Sonne. Dadurch waren die Erdbeeren nicht süß genug.“ Mittlerweile sei die Saison fast beendet.

Erdbeer-Saison verläuft durchwachsen

Die Einschätzung von Jensen-Nissen teilt auch Thomas Ladiges, der auf seinem Hof in Lutzhorn Erdbeeren anbaut und regional vermarktet. „Wir sind nicht ganz so zufrieden“, sagt er. Die Süße der Erdbeeren komme von der Sonne. „Aber wir hatten fast jeden Tag Regen“, so Ladiges. Im Süden Deutschlands, wo es zahlreiche Unwetter mit Hagel und Starkregen gegeben hatte, sei die Lage aber noch schlimmer gewesen. Zudem hätten die Menschen bei dem schlechten Wetter auch weniger Lust auf Erdbeeren gehabt. „Wenn die Sonne fehlt, haben die Leute kaum Appetit auf Erdbeeren“, so seine Einschätzung.

Auch die etwa 60 Spargelbauern in Schleswig-Holstein ziehen nach Angaben der Landwirtschaftskammer eine eher durchwachsene Bilanz: Erst war es zu kalt, dann zu warm, hieß es. Im Land werde auf zirka 400 Hektar Spargel angebaut. Die Erntemenge liegt bei rund 1600 Tonnen. Das Ertragsniveau ist im langjährigen Vergleich leicht unterdurchschnittlich, so die Landwirtschaftskammer. Die Qualitäten seien allerdings gut gewesen. Im Schnitt lagen die Preise in der Saison zwischen sieben und elf Euro.

Preise und Erträge: So sieht die Marktlage aus

Die Weltgetreideernte wird in diesem Jahr auf 2,03 Milliarden Tonnen geschätzt, das sind  45 Millionen Tonnen  mehr als im Vorjahr. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium geht derzeit von einer Weizenernte in der EU von 157,5 Millionen Tonnen aus. Deutschland ist mit einer erwarteten Weizenernte von 26,1 Millionen Tonnen nach Frankreich (38,8 Millionen Tonnen) der zweitgrößte Weizenproduzent Europas. Die Ernteerwartung für Deutschland liegt nur knapp  unter dem Vorjahresergebnis. Für Getreide sind die Preise alle deutlich unter Vorjahresniveau. Backweizen liegt bei 14,50 Euro pro Dezitonne, Futterweizen bei 12,50 Euro pro Dezitonne. In der Tendenz dürften die Getreidepreise weiter unter Druck stehen. Für die Tierhalter im Land bedeutet das auf der anderen Seite etwas niedrigere Futterkosten. Wintergerste und Roggen werden derzeit ebenfalls zu 12,50 Euro pro Dezitonne gehandelt. Alle Angaben und Einschätzungen stammen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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